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Sex zwischen Männern erlaubt

Sex zwischen Männern erlaubt „Homosexuelle Menschen werden heute viel besser akzeptiert!“

ms - 22.08.2022 - 10:00 Uhr
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Es ist ein eindeutiges Zeichen der Hoffnung, welches in diesen Tagen von Singapur ausgeht - Premierminister Lee Hsien Loong hat jetzt angekündigt, dass sein Land Sex zwischen Männern entkriminalisieren wird. Zwar wird sich an dem Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe erst einmal nichts ändern, doch feiert die Gay-Community die jüngste Ankündigung trotzdem mit großer Freude.

"Ich glaube, dass dies das Richtige ist und von den meisten Singapurern akzeptiert wird", so Lee Hsien Loong in seiner jährlichen Rede zum Nationalfeiertag am vergangenen Sonntag. Der Premierminister erklärte dabei auch, dass Singapore modernen Entwicklungen entsprechen müsse: „Homosexuelle Menschen werden heute viel besser akzeptiert, sodass die Abschaffung von 377A die Gesetze des Landes mit den aktuellen gesellschaftlichen Sitten in Einklang bringen und, wie ich hoffe, den homosexuellen Singapurern eine gewisse Erleichterung verschaffen wird!“ Das bisherige Verbot von gleichgeschlechtlichem Sex, festgehalten als Abschnitt 377A im Strafgesetzbuch, entstammt noch aus der Kolonialzeit und sieht für homosexuelle Männer Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren vor. "Auch wenn wir Abschnitt 377A aufheben, werden wir die Institution der Ehe aufrechterhalten und schützen. Nach dem Gesetz werden in Singapur weiterhin nur Ehen zwischen einem Mann und einer Frau anerkannt", fügte Lee hinzu.

Ähnlich wie zuletzt auch in Deutschland beim berühmt-berüchtigten Paragraphen 175 vor seiner Abschaffung im Jahr 1994 wurden auch in Singapur zuletzt Homosexuelle aufgrund des Paragraphen nicht mehr verurteilt. Trotzdem dürfte die jüngste Ankündigung wie ein Befreiungsschlag für die gesamte Gay-Community sorgen. Singapur ist damit nach Indien, Taiwan und Thailand der jüngste asiatische Staat, der der Beendigung der Diskriminierung von Mitgliedern der LGBTI*-Community ein Stück weit nähergekommen ist. Der friedlichen Ankündigung des Premierministers waren zuvor jahrelange Debatten vorausgegangen, die teilweise auch in den nationalen Medien mit Verbissenheit und Aggression geführt worden waren. Mehrere LGBTI*-Organisationen feierten den Schritt als richtungsweisend für den gesamten asiatischen Raum – Nachahmer sind sozusagen herzlich willkommen. "Wir haben es endlich geschafft und sind begeistert, dass dieses diskriminierende, antiquierte Gesetz endlich aus den Büchern verschwindet. Vielleicht hat es ein bisschen zu lange gedauert, aber es musste einfach passieren! Heute sind wir sehr, sehr glücklich", so der Schwulenaktivist Johnson Ong gegenüber der BBC.

Immer wieder wird dabei auch bekräftigt, wie schwierig die Situation und die Stigmatisierung von Homosexuellen in den vergangenen Jahren nach wie vor war, mehrfach betonten LGBTI*-Organisationen zudem, dass es ein "hart erkämpfter Sieg und ein Triumph der Liebe über die Angst" ist. Noch immer gäbe es in Teilen der Gesellschaft viel Ablehnung und Hass sowie althergebrachte traditionelle Familienwerte, die mit Homosexualität nur schwer in Einklang zu bringen sind. Bisher wurden auch immer wieder Filme und Serien zensiert, wenn sie angeblich der “Förderung der Homosexualität“ dienten. So haben die LGBTI*-Organisationen das nächste Ziel bereits fest im Blick – die Einführung einer gleichgeschlechtlichen Ehe.

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