Rekord bei LGBTI*-Wahlbeamten Im Alltag sind LGBTI*-Menschen in der US-Politik fast gar nicht vertreten
Bei all den negativen Schlagzeilen ist es umso erfreulicher, dass die Kampfeslust der LGBTI*-Community trotz der zunehmenden Radikalisierung und den Angriffen von Seiten der Republikaner und homophober Hetzer in Amerika ungebrochen scheint. Mehr als eintausend LGBTI*-Menschen kandidieren jetzt erstmals für ein Amt bei den anstehenden Zwischenwahlen im November – ein neuer und definitiv historischer Höchststand.
Genau darauf beruhen auch viele Hoffnungen, denn mehr denn je wird es bei dieser Wahl gerade auch um die Zukunft der LGBTI*-Community gehen, die im Mittelpunkt des Kulturkampfes zwischen Schulverboten, Bücherverbrennungen und Rechtsreduzierungen steht. Dabei ist für LGBTI*-Aktivisten allerdings auch klar, gelingen kann eine Stärkung der liberalen Kräfte in den Vereinigten Staaten von Amerika nur gebündelt, verzettelt sich die Community, droht sie für längere Zeit verloren zu sein. Die Übermacht ist dabei ungebrochen, weit über 300 Gesetzesvorhaben versuchen aktuell im ganzen Land, die Rechte von LGBTI*-Menschen zu beschneiden und noch immer hängt die Drohung einiger Richter des Obersten Gerichtshofs wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Community: die mögliche Abschaffung der landesweiten, gleichgeschlechtlichen Ehe oder, noch extremer, die Wiedereinführung von Verbotsmöglichkeiten für die einzelnen Bundesstaaten für gleichgeschlechtlichen Sex.
„Mit mehr als 1.000 LGBTI*-Kandidaten, die für ein Amt kandidieren, haben wir einen historischen Höchststand erreicht. Wir können bei den diesjährigen Zwischenwahlen enorme Fortschritte bei der Vertretung machen, aber nur, wenn unsere Gemeinschaft und LGBTI*-Verbündete für diese Kandidaten stimmen“, so CEO Sarah Kate Ellis von der LGBTI*-Organisation Glaad, die zudem bekräftigt, wie außerordentlich wichtig diese Wahl sein wird. Große Hoffnungen ruhen in diesen Tagen auch in der Initiative, die Homo-Ehe als Bundesgesetz abseits einer Supreme-Court-Entscheidung festzuschreiben, dazu bedarf es allerdings der Zustimmung von mindestens zehn Republikanern im Senat – große Chancen rechnen Beobachter dieser Aktion daher aktuell nicht zu. Eine Entscheidung soll im September fallen. Doch selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass die Initiative Erfolg haben würde, stellen die Zwischenwahlen im November eine weitaus wichtigere politische Ausrichtung für die LGBTI*-Community dar. Bei einem Scheitern hat auch Präsident Joe Biden kaum noch Chancen, während seiner verbleibenden Amtszeit die Rechte für queere Menschen tatsächlich zu stärken.
Kritik wird in diesen Tagen nach der Bekanntgabe der LGBTI*-Wahlpersonen auch laut – zwar seien die 1.043 Menschen, die aktuell um einen politischen Platz kämpfen, ein neuer Rekord, doch die Realität sieht noch immer sehr grau für LGBTI*-Menschen aus: Gerade einmal 0,2 Prozent der gewählten Beamten in den USA bezeichnen sich als LGBTI*, was damit weit unter den rund sieben Prozent der Bevölkerung liegt, die Schätzungen zufolge homosexuell oder queer sind. Blickt man genauer auf die aktuellen Wahlpersonen, ist der größte Zuwachs bei den schwarzen LGBTI*-Menschen zu verzeichnen, so die zuständige Organisation Victory Fund. Wenig überraschend dagegen: Drei Viertel der LGBTI*-Wahlmenschen treten für die Demokraten an, nur drei Prozent sind Republikaner, die restlichen sind unabhängig.