Direkt zum Inhalt

Regenbogen-Kita Nach anfänglichen Protesten läuft das Vorzeige-Projekt offiziell an

Von ms - 06.10.2023 - 09:00 Uhr
Regenbogen-Kita
Foto: Schwulenberatung Berlin
ANZEIGE
Loading audio player...

Mit leichter Verzögerung öffnete im Mai dieses Jahres die erste Regenbogen-Kita in Berlin unter der Trägerschaft der Berliner Schwulenberatung; inzwischen ist die Einrichtung in den Regelbetrieb übergegangen, heute nun wird das Projekt „Lebensort Vielfalt am Südkreuz“ feierlich eröffnet, am Samstag ist ein Tag der offenen Tür geplant.

Große Freude bei Schwulenberatung

In der Regenbogen-Kita werden 93 Kinder betreut, rund ein Drittel davon kommen aus Familien mit gleichgeschlechtlichen Eltern. Die Freude beim Team der Schwulenberatung Berlin ist groß, dass es jetzt auch offiziell losgehen kann. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen erklärte Jörg Duden, Abteilungsleiter der Berliner Schwulenberatung: „Jetzt, also jetzt läuft es. Und ob das im Ergebnis dann so funktioniert und ob die Kinder, die hier in der Kita gewesen sind, später ein oder zwei oder dreimal weniger schwule Sau auf dem Schulhof rufen, als sie es sonst vielleicht getan hätten, das wird sich erst noch rausstellen, aber ich hoffe damit, dass wir alle zusammen damit so einen Beitrag leisten können.“

Medialer Wirbel um „Pädo-Kita“

Zuvor stand die Einrichtung immer wieder medial im Mittelpunkt und wurde als „Pädo-Kita“ bezeichnet. Der Streit entbrannte dabei vor allem an dem Soziologen und Autoren Rüdiger Lautmann, der zu dieser Zeit noch im Vorstand des übergeordneten Trägervereins (Psychosoziales Zentrum für Schwule) gewesen war. Lautmann sah sich aufgrund mehrerer Publikationen („Die Lust am Kind. Portrait des Pädophilen“) immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, Pädophilie zu verharmlosen. Er selbst bestritt die Vorwürfe, trat aber schlussendlich zurück.

Großprojekt Lebensort Vielfalt

Die zwei Kindergruppen am Südkreuz in Berlin-Schöneberg laufen inzwischen problemlos, es ist deutschlandweit das erste Projekt dieser Art, die Kita ist dabei Teil der Aktion „Lebensort Vielfalt am Südkreuz“ – die Idee dazu kam erstmals bereits im Jahr 2014 auf. In den letzten Jahren entstand so ein Großprojekt, das neben der Kita mit zwei Kindergruppen auch 69 Wohnungen für LGBTI*-Menschen vorsieht, je nach Bedarf auch mit Betreuung. Zudem ist eine Tagesstätte für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen vorgesehen. Ziel sei es dabei, einen Ort ohne Angst vor Ausgrenzung aufgrund der sexuellen oder geschlechtlichen Identität zu schaffen, so die Schwulenberatung Berlin weiter. Der Lebensort Vielfalt soll dabei ein sichtbares Zeichen für Toleranz, Akzeptanz und Integration sein.

LGBTI*-Personal und alte Vorurteile

Ein Großteil des Personals kommt so auch aus der LGBTI*-Community. Bei der Auswahl des pädagogischen Materials wird zudem darauf geachtet, dass auch LGBTI*-Leben präsent ist. Gegen die Kritik der Frühsexualisierung verwehrte sich Geschäftsführer Marcel de Groot, der in diesem Kontext darauf verwies, dass, wie jede andere Einrichtung auch, die Regenbogen-Kita inklusive ihres Konzepts vor Inbetriebnahme vom Land Berlin kontrolliert und abgesegnet worden ist. Allerdings, so de Groot weiter, gebe es immer noch alte Vorurteile in der Gesellschaft, in denen Homosexualität noch mit Pädophilie gleichgesetzt werden würde.

Anzeige

Auch Interessant

LGBTIQ+-Flüchtlinge in Not

Gewaltvorwürfe erschüttern Ceuta

Mindestens 126 LGBTIQ+-Flüchtlinge sind in Ceuta auf Hilfe angewiesen. Berichte über Gewalt, Drohungen und Obdachlosigkeit sorgen für große Besorgnis.
LGBTIQ+-Awards in London

Zwölf Stars ausgezeichnet

Donatella Versace, die Pet Shop Boys und Orville Peck gehören zu den zwölf Preisträgern der großen LGBTIQ+-Award-Gala in London.
CDU unter Druck

Linke queer fordert Konsequenzen

Nach der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt fordert Die Linke queer Konsequenzen von der LSU.
ESC 2027 ohne Tschechien

Finanzkrise beim Fernsehen

Tschechien verzichtet aus finanziellen Gründen auf den ESC 2027. Hinter der Absage stehen Sparzwänge und eine geplante Rundfunkreform.
Weltpremiere von „Artificial“

Guadagnino nimmt OpenAI ins Visier

Luca Guadagninos „Artificial“ erzählt vom Machtkampf bei OpenAI. Andrew Garfields Darstellung des schwulen Sam Altman sorgt für großes Kritikerlob.
Böse schwule Geister

Spukgeschichten vor Gericht

Ein Mann in Namibia machte „schwule Geister“ für eine tödliche Messerattacke verantwortlich. Das Gericht glaubte der Aussage nicht.
AfD will Jugendhilfe umbauen

Queere Jugendliche im Fokus

Die AfD will das Jugendhilferecht ändern und die Berücksichtigung von Geschlechtsidentitäten jenseits von Mann und Frau zurückdrängen.
Ende von Bowens Karriere?

Wrestling-Pionier vor Abschied

Anthony Bowens schrieb als schwuler AEW-Champion Wrestling-Geschichte. Nach sechs Jahren ist sein Vertrag nun ausgelaufen. Das Ende der Karriere?
Kampf gegen das Vergessen

LGBTIQ+-Geschichte unter Druck

Stonewall-Museumschef Robert Kesten warnt vor Angriffen auf LGBTIQ+-Geschichte und setzt auf Bildung, Archive und einen stärkeren Dialog mit Medien.