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Prozessauftakt Malte C. Presse berichtet sehr unterschiedlich über Tatverdächtigen Nuradi A.

Von ms - 14.02.2023 - 11:00 Uhr
Prozessauftakt Malte C.
Foto: IMAGO / Reichwein
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Beim gestrigen ersten Prozesstag am Landgericht Münster im Fall des verstorbenen Trans-Mannes Malte C. hat der Angeklagte abermals auch vor den Richtern die grundsätzlichen Vorwürfe eingeräumt und bestätigt. An andere Einzelheiten wie beispielsweise die Beschimpfung von drei lesbischen Frauen während des CSDs in Münster könne er sich nicht mehr erinnern, so der Tatverdächtige Nuradi A. bei der Befragung. Der inzwischen 21-jährige Tschetschene erklärte aber weiter, dass die Aussagen der drei Zeuginnen wohl trotzdem stimmen würden.

Selbsthass als mögliches Motiv?

Das Motiv für die Tat selbst ist noch immer unklar. Als nach den verbalen Auseinandersetzungen mit den drei Frauen der Trans-Mann Malte C. dazu kam, um die Situation zu schlichten, habe er sich bereits vorgestellt, Malte zu schlagen, so Nuradi A. weiter. Allerdings habe er nie vorgehabt, den 25-jährigen Trans-Mann zu töten. Im Vorfeld hatte der Tschetschene mit russischer Staatsbürgerschaft gegenüber einer Psychologin erklärt, dass die Tat "nicht einmal ansatzweise Ausdruck einer feindseligen Haltung gegenüber Homosexuellen" sei.

Ferner erklärte er, dass er selbst schwul sei, dies seit seinem 14. Lebensjahr wisse und seine Sexualität allerdings stets aufgrund der homophoben Prägung seines familiären Umfeldes versteckt und verdrängt hatte. Dieser innere Kampf habe nach Angaben der Psychologin auch dazu beigetragen, dass Nuradi A. zumeist leicht reizbar war und offenbar auch immer wieder zu Alkohol und Cannabis griff. Dieser Selbsthass könnte zudem dazu geführt haben, dass Nuradi A. zugeschlagen habe, um nach außen zu demonstrieren, dass er nicht schwul sei.

Unterschiedliche Wahrnehmung der Presse

In eineinhalb Wochen wird der Prozess weitergeführt, insgesamt stehen neun weitere Prozesstage an, ein Urteil wird nicht vor Mitte April erwartet. Unklar ist noch, ob die Richter die Anklage Körperverletzung mit Todesfolge schlussendlich nach Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht bewerten werden – je nachdem könnte Nuradi A. eine Haftstrafe von bis zu 15 Jahren erwarten.

Die Presse selbst war nur kurz vor Prozessbeginn im Saal zugelassen – der Anwalt des Angeklagten, Siegmund Benecken, hatte zuvor beantragt, die Öffentlichkeit von der Verhandlung selbst auszuschließen, weil Nuradi A. sich zur Sache einlassen und dabei auch zu seiner sexuellen Orientierung äußern werde. Trotzdem fallen die Bewertungen sehr unterschiedlich aus. Einerseits wird der junge Mann als nervös und schüchtern beschrieben, andererseits als “CSD-Killer“ tituliert, der sich “feige“ hinter einer Mappe versteckt und anschließend “überheblich“ seine Freunde angelächelt habe.

Der homosexuelle Tscheche und ehemalige Jugendboxer ist angeklagt, weil er im August 2022 während des CSDs in Münster nach einem Streit mit mehreren Passanten den 25-jährigen Trans-Mann Malte C. mit zwei Faustschlägen niedergeschlagen haben soll. Malte stürzte offenbar bereits bewusstlos mit dem Hinterkopf auf den Asphalt und verstarb sechs Tage später an den Folgen eines erlittenen Schädel-Hirn-Traumas im Krankenhaus Münster.

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