Direkt zum Inhalt
Polen verliert vor EU-Gericht
ANZEIGE

Polen verliert vor EU-Gericht Homosexuelle dürfen nicht aufgrund ihrer Sexualität gekündigt werden

ms - 13.01.2023 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Erneut verliert Polen gegenüber dem europäischen Rechtswesen – nachdem im letzten Jahr bereits das Oberste Gericht des Landes sowie auch die Europäische Union erklärt hatten, dass die sogenannten “LGBT-freien Zonen“ in Polen rechtswidrig sind, folgte nun die nächste juristische Klatsche für die homophobe Regierung: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat gestern entschieden, dass die Diskriminierung von schwulen Selbstständigen in der Arbeitswelt ebenso nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Konkret geht es dabei um eine polnische Verordnung, die es bisher ermöglicht, die Zusammenarbeit mit homosexuellen Selbstständigen aufgrund ihrer Sexualität aufzukündigen.

Polen verstößt erneut gegen EU-Recht

Vor dem EuGH hatte ein junger Mann geklagt, der sieben Jahre lang für den polnischen Sender TVP als Video-Redakteur gearbeitet hatte. Nachdem der Mann auf seinem YouTube-Kanal im Dezember 2017 eine private Weihnachtsbotschaft zusammen mit seinem Freund veröffentlicht hatte und darin auch zu mehr Akzeptanz von schwulen Paaren aufrief, beendete der polnische Sender kurzerhand darauf die Zusammenarbeit. Vor Gericht hatte der TV-Sender damit argumentiert, dass es ihm freigestellt sei, mit wem er zusammenarbeiten wolle.

Das EuGH sah dies in diesem konkreten Fall anders, denn dem jungen Mann war bewusst aufgrund seiner Homosexualität aufgekündigt worden – das sei nach polnischem Recht erlaubt, widerspreche aber fundamental dem europäischen Antidiskriminierungsgesetz aus dem Jahr 2003. Polen verletze damit eindeutig EU-Recht. Damit geht der Fall jetzt zurück an das Warschauer Gericht, deren Richter nun über die Schadensersatzklage urteilen müssen - unter Einbeziehung der Rechtsprechung des EuGH. Der freie Mitarbeiter fordert Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet rund zehntausend Euro. Unterstützt worden war der schwule Pole im Verfahren von den EU-Staaten Portugal, den Niederlanden sowie auch Belgien.

Tagtäglich Angriffe auf Homosexuelle

Zuletzt stand Polen immer wieder vermehrt in der Kritik, weil EU- sowie Menschenrechte nicht geachtet werden würden. Human Rights Watch hatte eindringlich im Dezember letzten Jahres zuletzt darauf hingewiesen, dass es nach wie vor tagtäglich Angriffe der polnischen Regierung auf die Rechtsstaatlichkeit und die Rechte von Homosexuellen geben würde. Dabei verschlimmere sich die Situation von Jahr zu Jahr immer mehr, seitdem die homophobe PiS-Partei 2015 die Regierung übernommen hat. Human Rights Watch hofft, dass sich nun Schweden, welches seit Anfang Januar für sechs Monate die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, verstärkt und lautstark gegen die Menschenrechtsverletzungen in Polen positionieren wird.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Happy Birthday Ralf König

Comic-Ikone feiert Schnapszahl

Mit seinen Comics prägte Ralf König über Jahrzehnte das Selbstverständnis schwuler Männer – jetzt wird der Meister 66 Jahre jung. Wir gratulieren!
Musikwelt in Trauer

Madonna-Produzent ist tot

William Orbit ist tot. Die Musikwelt verliert einen der einflussreichsten Produzenten, unter anderem von Madonna, Britney Spears und Pink.
Gute Ausreden im Sommer

Hitzefrei im Regenbogenland

Wenn die Temperaturen steigen, wird das Nachtleben kreativ – vor allem bei der Frage, warum heute wirklich niemand auf die Tanzfläche muss.
Schwule Badehäuser in New York

Comeback nach 40 Jahren Verbot

Die Stadt New York prüft nach 40 Jahren Verbot die Rückkehr von schwulen Badehäusern – ein Abschied von Regeln aus der frühen AIDS-Krise.
Tödliche Dating-Masche

Mord in Niederösterreich

Ein 29-jähriger schwuler Mann wurde in Niederösterreich in eine Dating-Falle gelockt und zu Tode geprügelt. Tatverdächtig ist ein 18-Jähriger.
Streit um gleiche Elternrechte

120.000 Unterschriften gesammelt

Eine Petition des LSVD+ fordert gleiche rechtliche Absicherung für alle Kinder – inzwischen haben rund 120.000 Menschen unterschrieben.
LSVD+ und HateAid

Neues Bündnis gegen Hass

QueerSafe Berlin und HateAid bündeln ihre Angebote, um queere Menschen bei digitaler Gewalt schneller und umfassender zu unterstützen.
Feuerwehrkapitänin getötet

Ehefrau legt Mordgeständnis ab

Eine 54-jährige Frau hat jetzt in Kalifornien den Mord an ihrer Ehefrau Rebecca Marodi gestanden. Ermittler sehen Eifersucht als mögliches Motiv.
Streit im Tennissport

Debatte um neue Gen-Tests

Der Streit über den Ausschluss von trans* Sportlerinnen im Frauentennis geht weiter, jetzt äußerte sich Coco Gauff zu den Geschlechtstests der WTA.