Direkt zum Inhalt

Polen verliert vor EU-Gericht Homosexuelle dürfen nicht aufgrund ihrer Sexualität gekündigt werden

Von ms - 13.01.2023 - 11:00 Uhr
Polen verliert vor EU-Gericht
Foto: IMAGO / ecomedia/robert fishman
ANZEIGE
Loading audio player...

Erneut verliert Polen gegenüber dem europäischen Rechtswesen – nachdem im letzten Jahr bereits das Oberste Gericht des Landes sowie auch die Europäische Union erklärt hatten, dass die sogenannten “LGBT-freien Zonen“ in Polen rechtswidrig sind, folgte nun die nächste juristische Klatsche für die homophobe Regierung: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat gestern entschieden, dass die Diskriminierung von schwulen Selbstständigen in der Arbeitswelt ebenso nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Konkret geht es dabei um eine polnische Verordnung, die es bisher ermöglicht, die Zusammenarbeit mit homosexuellen Selbstständigen aufgrund ihrer Sexualität aufzukündigen.

Polen verstößt erneut gegen EU-Recht

Vor dem EuGH hatte ein junger Mann geklagt, der sieben Jahre lang für den polnischen Sender TVP als Video-Redakteur gearbeitet hatte. Nachdem der Mann auf seinem YouTube-Kanal im Dezember 2017 eine private Weihnachtsbotschaft zusammen mit seinem Freund veröffentlicht hatte und darin auch zu mehr Akzeptanz von schwulen Paaren aufrief, beendete der polnische Sender kurzerhand darauf die Zusammenarbeit. Vor Gericht hatte der TV-Sender damit argumentiert, dass es ihm freigestellt sei, mit wem er zusammenarbeiten wolle.

Das EuGH sah dies in diesem konkreten Fall anders, denn dem jungen Mann war bewusst aufgrund seiner Homosexualität aufgekündigt worden – das sei nach polnischem Recht erlaubt, widerspreche aber fundamental dem europäischen Antidiskriminierungsgesetz aus dem Jahr 2003. Polen verletze damit eindeutig EU-Recht. Damit geht der Fall jetzt zurück an das Warschauer Gericht, deren Richter nun über die Schadensersatzklage urteilen müssen - unter Einbeziehung der Rechtsprechung des EuGH. Der freie Mitarbeiter fordert Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet rund zehntausend Euro. Unterstützt worden war der schwule Pole im Verfahren von den EU-Staaten Portugal, den Niederlanden sowie auch Belgien.

Tagtäglich Angriffe auf Homosexuelle

Zuletzt stand Polen immer wieder vermehrt in der Kritik, weil EU- sowie Menschenrechte nicht geachtet werden würden. Human Rights Watch hatte eindringlich im Dezember letzten Jahres zuletzt darauf hingewiesen, dass es nach wie vor tagtäglich Angriffe der polnischen Regierung auf die Rechtsstaatlichkeit und die Rechte von Homosexuellen geben würde. Dabei verschlimmere sich die Situation von Jahr zu Jahr immer mehr, seitdem die homophobe PiS-Partei 2015 die Regierung übernommen hat. Human Rights Watch hofft, dass sich nun Schweden, welches seit Anfang Januar für sechs Monate die rotierende EU-Ratspräsidentschaft innehat, verstärkt und lautstark gegen die Menschenrechtsverletzungen in Polen positionieren wird.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

MOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenBILD„Wird man nicht los“ - Ex-DFB-Stürmer äußert sich zu Homophobie-EklatDie PresseKanadierin Anne Carson erhält Literaturnobelpreis: Ein oft kryptisches Werk, betörend schönBR24Niedrigwasser: Bodensee-Wasserstand nicht mehr ablesbarAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Alfie Watts ist bisexuell

Outing von britischen TV-Liebling

Der britische TV-Star Alfie Watts hat sich erstmals öffentlich als bisexuell geoutet. Der 23-Jährige sprach zudem auch über seine Ängste.
David Furnish will HIV stoppen

Ende der Übertragungen bis 2030?

David Furnish sieht die medizinischen Voraussetzungen für ein Ende neuer HIV-Übertragungen erfüllt. Doch Diskriminierung bleibt ein Hindernis.
Aus Trauer wurde Hoffnung

Pulse-Überlebender erinnert sich

Zehn Jahre nach dem Anschlag auf den Pulse-Nachtclub erinnert Brandon Wolf an seinen ermordeten Freund Drew und hilft LGBTIQ+-Jugendlichen.
Coming-Outs am Dom

Besondere Aktion in Köln

Zum internationalen Coming-Out-Tag erzählen 100 LGBTIQ+-Menschen vor dem Kölner Dom ihre persönlichen Geschichten – und laden zum Zuhören ein.
Karlsruhe stoppt Freikirche

Keine Anerkennung für ICF

Nach massiven Protesten gegen queerfeindliche Positionen verweigert Karlsruhe der Freikirche ICF die Anerkennung als Jugendhilfeträger.
Mysteriöser Tod auf Sizilien

Leichenfund bei queerem Treffen

Der Tod einer 35-jährigen nicht-binären Person bei einem queeren Anarchisten-Treffen auf Sizilien gibt Rätsel auf. Ermittler prüfen mehrere Ursachen.
Empörung über Ugandas Minister

Homophobe Aussagen in der Kritik

Ugandas Gesundheitsminister bezeichnet Homosexualität als „nicht afrikanisch“. Menschenrechtsaktivisten kritisieren seine Aussagen scharf.
Über 500 Homo-Ehen in Polen

Immer mehr Paare nutzen EU-Urteil

In Polen sind inzwischen 516 im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen registriert – trotz anhaltender politischer Widerstände.
Michael Kearns ist tot

Aids-Aktivist stirbt mit 76 Jahren

Der schwule Schauspieler Michael Kearns ist mit 76 Jahren gestorben. Er kämpfte gegen HIV-Stigmatisierung und für homosexuelle Sichtbarkeit.