Neue Wege beim Zurich Pride Vorbildfunktion für deutsche CSDs?
Ein CSD ohne Sponsoren, ohne Werbung, ohne das Zurschaustellen von politischen Parteien oder dem Pink Washing von Unternehmen? Bereits im letzten Jahr sorgte der CSD in Kassel für Aufsehen, weil die Veranstalter keine Parteiflaggen oder Redebeiträge von Politikern zugelassen hatten. Zurück zu den Wurzeln der Demonstration – ähnliches forderte ebenso im letzten Jahr Peter Tatchell, seines Zeichens einer der berühmtesten britischen LGBTI*-Aktivisten der ersten Stunde. In diesem Jahr nun wagt der Pride in Zürich neue Schritte und hat jetzt deutlich strengere Regeln für bestehende und neue Sponsoren angekündigt – eine Vorbildfunktion auch für die CSD-Saison 2023 in Deutschland?
Das Ende des Pink Washings?
Ein Kernziel der neuen Richtlinien beim Zurich Pride im Juni 2023 ist es dabei, dass sogenannte Pink Washing zu vermeiden, sprich, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihr Image positiv aufzubessern, während sie ansonsten oftmals das restliche Jahr über sehr wenig oder gar nichts für die LGBTI*-Community machen. Ein grundsätzliches Dilemma, welches allerdings zuletzt immer wieder und vermehrt auch in der Community für hitzige Debatten gesorgt hatte.
In Zürich müssen Werbepartner jetzt entweder ein anerkanntes Zertifikat vorweisen – beispielsweise das sogenannte Swiss LGBTI*-Label – , das ihr langjähriges Engagement bestätigt, oder sie müssen firmeninterne Aktivitäten und Langzeitprojekte gezielt für die LGBTI*-Community vorweisen können. Wichtig, so das Team aus Zürich, sei dabei, dass bereits vorab und transparent damit umgegangen werde. Wer sich zu wenig oder nur punktuell einmal im Jahr für die Community einsetzt, darf künftig nicht mehr beim größten CSD der Schweiz mitmachen.
Viel Einsatz von Firmen gefordert
Die Zertifikate wie das Swiss LGBTI*-Label sind dabei nicht einfach zu bekommen. Dahinter stecken zwei LGBTI*-Business-Gruppen in Zusammenarbeit mit mehreren Non-Profit-Organisationen und Vereinen aus der LGBTI*-Community. Um das Label zu erhalten, müssen Firmen zahlreiche Bedienungen erfüllen, beispielsweise braucht es firmeninterne Richtlinien zum Schutz vor Diskriminierung, anonyme Meldestellen und Umfragen, finanzielle Unterstützung für LGBTI*-Projekte und ein Netzwerk für Schwule, Lesben und queere Menschen. Online muss sich das entsprechende Unternehmen sichtbar für LGBTI* und Diversität einsetzen – und das ganzjährig und erkennbar ernsthaft. Es muss zudem auch eine Ansprechperson im Unternehmen geben, die nur für alle LGBTI*-Mitarbeiter zuständig ist und im Falle von Problemen vermittelnd eingreifen kann. Wert wird auch auf eine geschlechtsneutrale Sprache in der Firmenstruktur gelegt. Bleibt die Frage offen: Wann ziehen die CSD-Veranstalter in Deutschland nach?