Nacktbilder auf Telegram Über 80.000 illegale Fotos von Aktivistengruppe ausgemacht
Auf der Messenger-Plattform Telegram sollen in den vergangenen Wochen zehntausende Nacktbilder und Videos von Menschen ohne deren Zustimmung getauscht und teilweise verkauft worden sein. Dies berichtet die Aktivistengruppe AI Forensics, die 16 Kanäle über einen Zeitraum von sechs Wochen untersucht hat. Laut Angaben der Nichtregierungsorganisation wurden in diesem Zeitraum mehr als 80.000 Dateien mit pornografischem Inhalt verbreitet. Einige der Aufnahmen sollen Minderjährige zeigen.
Das Wichtigste im Überblick
- Aktivisten haben auf Telegram den Austausch und Handel von zehntausenden nicht einvernehmlichen Nacktbildern dokumentiert.
- Mehr als 80.000 Dateien mit pornografischem Inhalt, darunter auch Aufnahmen von Minderjährigen, wurden innerhalb von sechs Wochen in 16 Kanälen verbreitet.
- Teilweise handelte es sich um Deepfakes oder Inhalte von Plattformen wie TikTok, Instagram und Snapchat.
- Auch Nacktfotos von queeren Menschen könnten auf den Plattformen weitergegeben worden sein.
Nacktfotos und Deepfakes
„Wir haben in den italienischen und spanischen Chatgruppen fast 25.000 aktive Nutzer identifiziert, die diese Inhalte weiterverbreiteten, häufig gegen Bezahlung“, heißt es in einer Mitteilung von AI Forensics. Die Experten berichten, dass viele der Bilder ursprünglich von Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat stammten. Ein Teil der Inhalte sei zudem mithilfe Künstlicher Intelligenz als sogenannte Deepfakes erzeugt worden. Besonders brisant: Auch Nacktfotos von homosexuellen und queeren Menschen können mit großer Wahrscheinlichkeit unter den getauschten Inhalten gewesen sein. Besonders stark betroffen waren generell allerdings Frauen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung.
Illegale Nacktbilder stellen für queere Menschen dabei ein besonders hohes Risiko dar, da sie häufig zusätzlich zu den allgemeinen Gefahren von Online-Verbreitung wie Erpressung, Bloßstellung oder Belästigung auch gezielt aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität attackiert werden. In vielen Fällen können solche Bilder von Familienmitgliedern, Kollegen oder Mitschülern gesehen werden, was zu Diskriminierung, Mobbing oder sogar Gewalt führen kann. Queere Menschen, die in einem Umfeld leben, das wenig akzeptierend ist, laufen zudem Gefahr, dass ihre Privatsphäre nachhaltig verletzt wird, ihre Sicherheit gefährdet ist und sie sozial isoliert werden. Die Kombination aus digitaler Reichweite und gesellschaftlicher Stigmatisierung macht den Missbrauch intimer Inhalte für diese Gruppe besonders schädlich.
Telegram erklärt, es sei „kompliziert“
Die Aktivistengruppe kritisiert außerdem, dass einige Mitglieder der Gruppen gezielte Kampagnen zur Belästigung von Frauen betrieben hätten. Persönliche Daten seien illegal veröffentlicht worden, einzelne Nutzer hätten sogar zur Gewalt gegen die gezeigten Personen aufgerufen. Zudem wurden sexualisierte Aufnahmen von Kindern diskutiert. Telegram selbst betont, dass die Verbreitung „nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen, einschließlich pornografischer Deepfakes“ gegen die Nutzungsbedingungen verstoße. Dennoch sei das Vorgehen gegen Deepfakes auf allen Plattformen „kompliziert“. Laut AI Forensics wurden zwar einige Gruppen von Telegram gesperrt, diese seien aber oft nur Stunden später unter gleichem Namen erneut aktiv gewesen.