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Manfred Bruns // © LSVD
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Nachruf auf Manfred Bruns Community verliert einen Vorkämpfer der LGBTI*-Bewegung

id - 06.11.2019 - 18:00 Uhr

Am 22. Oktober erschütterte die Meldung des Todes Manfred Bruns die LGBTI*-Community. Manfred Bruns war über unzählige Jahre ein bedeutendes Gesicht im Kampf vor allem für die Gleichstellung von LGBTI*-Personen in Deutschland.

Bruns wurde 1934 in Linz am Rhein geboren. Im Jahr 1961 heiratete er und bekam im Laufe der folgenden Jahre drei Kinder. Seit 1963 war Manfred Bruns bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe tätig. Zu Beginn der 80er-Jahre outete sich Bruns zunächst gegenüber seiner Familie als homosexuell. Im weiteren Verlauf wurde er von seinem damaligen Chef als „Sicherheitsrisiko“ eingestuft und von allen Angelegenheiten des Staatsschutzes abgezogen. Im Jahr 1985 griff dann auch die BILD-Zeitung die Homosexualität von Bruns auf. Seit 1993 lebte er mit seinem Lebensgefährten in Karlsruhe, dennoch hat er sich nie von seiner Ehefrau scheiden lassen. Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1994 war er als Bundesanwalt am Bundesgerichtshof tätig. Danach hat er sich sehr im Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) mit viel Elan engagiert. Er war hier lange Zeit im Bundesvorstand des LSVD tätig und hat diesen in unzähligen Anhörungen, Anhörungen im Deutschen Bundestag und am Bundesverfassungsgericht vertreten.

Auch für die Belange von Menschen mit HIV & AIDS setzte er sich u.a. in der „Enquete-Kommission AIDS“ des deutschen Bundestages ein. In den 80er Jahren war Manfred Bruns damit sicher einer der wichtigsten Wegbereiter der liberalen Aids-Politik in der Bundesrepublik Deutschland. Gleichzeitig engagierte er sich mehr als zwei Jahrzehnte lang mit dem LSVD für die Lebenspartnerschaft, die Gleichstellung und für die Öffnung der Ehe und war damit einer der Pioniere für die Ehe für alle.

In der jüngeren Vergangenheit stritt er zudem unerlässlich für die Rehabilitierung der nach §175 StGB verfolgten Homosexuellen, genauso, wie für die Reform des Transsexuellen Gesetzes. Zu seinem Lebenswerk gehören auch die Mitgestaltung am Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) und bei der Modernisierung des Familien- und Abstammungsrechts.  Heute zählt seine sehr gewissenhafte Sammlung und Ergänzung von Urteilen zur LGBTI*-Rechtsprechung in Deutschland für Jurist*innen immer noch zu den fast unverzichtbaren Grundlagen ihrer Arbeit.

Für sein langjähriges Engagement wurde Manfred Bruns mehrfach ausgezeichnet. Unter anderem war er Träger des Bundesverdienstkreuzes und  der erste Träger des Antidiskriminierungspreises der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Mehr als diese offiziellen Ehrung freute er sich aber immer über solche, welche direkt von der Community verliehen wurden. Dazu gehörten beispielsweise der Zivilcourage-Preis des CSD Berlin und die Kompassnadel des Schwulen Netzwerkes NRW.

Mit dem Tod von Manfred Bruns verliert die deutsche LGBTI*-Community einen wirklich großen Kämpfer für viele der Rechte, welche wir heute bereits haben.

SCHWULISSIMO dankt an dieser Stelle für diesen unermüdlichen – und teilweise lauten und deutlichen – Einsatz für unsere Rechte und spricht Familie, Freund*innen und Wegbegleiter*innen sein Mitgefühl für diesen schweren Verlust aus.

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