Mehr Einsatz für die PrEP! 1,6 Millionen Menschen nehmen aktuell die PrEP ein
Die internationale Organisation UNAIDS kritisiert in diesen Tagen mit deutlichen Worten, dass die HIV-Vorsorgemöglichkeit PrEP nach wie vor in zu wenig Ländern weltweit zum Einsatz komme, obwohl sich der positive Präventions-Effekt inzwischen eindeutig gezeigt habe. Zudem sei die PrEP oftmals auch selbst in jenen Ländern nicht flächendeckend im Angebot, die das Medikament anbieten – darunter fällt auch Deutschland. Im Jahr 2021 erhielten weltweit nur 1,6 Millionen Menschen eine orale PrEP und damit weit weniger als die für 2025 angestrebte Zahl von 10 Millionen Menschen. UNAIDS dazu: „Die PrEP ist eine hochwirksame Methode zur Verhinderung einer HIV-Infektion, aber zu wenige Menschen haben Zugang dazu! Seit mehr als einem Jahrzehnt hat sich die lebensrettende präventive HIV-Medizin PrEP als wirksam erwiesen, doch die weltweite Einführung kommt nach wie vor nur langsam voran.“
Die Zahl der Personen, die im Jahr 2021 mindestens einmal eine PrEP einnahmen, hat sich von 820.000 im Jahr 2020 auf 1,6 Millionen im Jahr 2021 etwa verdoppelt. Der Anstieg der PrEP-Nutzung im Jahr 2021 erfolgte trotz der Covid-19-Pandemie und stelle damit eine Fortsetzung des Anstiegs der PrEP-Nutzung seit 2016 dar, so UNAIDS weiter. Die Partei Die Linke hatte zuletzt vor wenigen Tagen den zaghaften flächendeckenden Einsatz der PrEP der Bundesregierung scharf kritisiert. Die Ampel-Koalition bezieht sich dabei auf den aktuellen Evaluationsbericht des Robert-Koch-Instituts; dieser bestätigte zwar grundsätzlich die Tatsache, dass die PrEP effektiv als Prävention gegen HIV wirke, allerdings könnten aus epidemiologischer Sicht noch keine abschließenden Aussagen getätigt werden, denn die Covid-Pandemie der letzten Jahre könne verzerrend auf das Ergebnis einwirken. Kurzum brauche es noch weitere Untersuchungen, die nun auch die Bundesregierung abwarten möchte, bevor der Einsatz für die PrEP verstärkt werden soll. Das RKI hielt dabei auch fest, dass die Versorgung mit dem Medikament bis heute sehr stark auf fünf größere Städte in Deutschland aufteilt sei, flächendeckend fehle es auch in Deutschland an einer bedarfsgerechten Versorgung.
Bis vor kurzem konzentrierte sich die PrEP-Nutzung weltweit betrachtet auf die Länder mit hohem Einkommen, erst in den letzten zwei Jahren ist die PrEP auch verstärkt im östlichen und südlichen Afrika zum Einsatz gekommen. Im Jahr 2021 waren Südafrika, Kenia und Sambia die treibenden Kräfte für die rasche Einführung der PrEP, während in anderen Ländern der Region bescheidenere oder nur minimale Fortschritte erzielt wurden, so UNAIDS weiter. Am Beispiel von Kambodscha skizziert die Organisation in ihrem aktuellen Bericht dabei auch, wie schwierig es ist, langfristig die PrEP zu etablieren. Dr. Kret Setha, der im Family Health Clinic Tuol Kork Health Center in Phnom Penh arbeitet, erklärte, dass die meisten neuen Kunden aufgrund von Kampagnen in den sozialen Medien oder auf Empfehlung einer gemeindebasierten Organisation kommen, es bleibe aber ein ständiges Problem, neue Kunden zu gewinnen, das Wissen über die PrEP zu verbreiten und somit langfristig die HIV-Prävention im Land am Leben zu erhalten. Bislang leben die meisten PrEP-Patienten in Phnom Penh. Nach Angaben von Dr. Ouk Vichea, Direktor des Nationalen Zentrums für HIV/AIDS, sind 70 Prozent der für die PrEP eingeschriebenen Personen schwule und bisexuelle Männer gefolgt von Transgender-Frauen und weiblichen Unterhaltungsarbeitern.