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Mehr Beratung gefordert Vorschnelle trans-Behandlungen von Jugendlichen schädlich?

Von ms - 26.04.2022 - 08:50 Uhr
Vorschnelle trans-Behandlungen von Jugendlichen schädlich? // © IMAGO / ZUMA Wire
Foto: Vorschnelle trans-Behandlungen von Jugendlichen schädlich? // © IMAGO / ZUMA Wire
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Der britische Gesundheitsminister Sajid Javid möchte mehr Daten und Fakten zusammentragen lassen, um langfristige Ergebnisse über die Behandlung von Kindern mit Geschlechtsdysphorie zu bekommen. Bisher gäbe es viel zu wenige Erkenntnisse darüber, gerade auch mit Hinblick auf die Frage, wie sich diese Behandlungen auf das spätere Leben der Jugendlichen auswirken.

Deswegen will Javid den NHS-Kliniken weitere rechtliche Befugnisse übertragen, damit diese einen fundierteren Überblick über die Erfahrungen der behandelten Patienten bekommen.

Die medizinische Versorgung von Transsexuellen für Erwachsene in England und Wales wird von sieben NHS-Kliniken für Geschlechtsidentität angeboten. Der Tavistock and Portman NHS Foundation Trust bietet jedoch als einziger Dienst Beratungen und Behandlungen auch für trans-Jugendliche an.

Die Warteliste ist lang, im Schnitt warten Jugendliche fünf Jahre auf einen ersten Termin. Nach Angaben der Foundation stehen zudem aktuell mehr als 10.600 transsexuelle und nicht-binäre Jugendliche auf der Warteliste einer Gender-Klinik.

Gesundheitsminister Javid möchte mit der geforderten “dringenden Untersuchung“ eine aktuell bereits laufende Studie des Royal College of Paediatrics and Child Health zur Transsexualität unter Jugendlichen mit mehr Fakten ausstatten, nachdem die ersten Teil-Ergebnisse eine Überarbeitung des britischen Gesundheitssystems nahelegen. Explizit ist die Rede davon, dass es mehr regionale Zentren für die Betreuung von transsexuellen und geschlechtsspezifischen Jugendlichen geben müsse.

Eine einzige Klinik in ganz Großbritannien werde mit der Situation nicht mehr fertig, zudem zeigen erste Ergebnisse auf, dass es auch mehr therapeutische Beratung für unsichere Jugendliche geben müsse.

Ein Fachmann, der die ersten Studienergebnisse analysiert hat, aber unerkannt bleiben möchte, äußerte sich gegenüber dem Guardian so: „Wenn man sich den Zwischenbericht ansieht, sind die Ergebnisse zutiefst besorgniserregend.

"Aus dem Bericht geht klar hervor, dass wir die Kinder im Stich lassen. Zudem legt der Bericht nahe, dass ein Teenager, der eine medizinische Versorgung sucht, vielleicht gar nicht transsexuell ist, sondern eher gemobbt wurde oder sexuelle Übergriffe erlebt hat. Dieser übermäßig affirmative Ansatz, bei dem die Leute einfach fast automatisch akzeptieren, dass ein Kind das sagt, und dann sofort anfangen, über Dinge wie Pubertätsblocker zu reden - das ist überhaupt nicht im Interesse des Kindes!“

Auch Gesundheitsminister Javid äußerte sich zu dem angesprochenen Problem, dass Jugendliche vielleicht zu schnell als transsexuell definiert werden – für ihn grenzen die aktuellen Entwicklungen an eine starre Ideologie:

"Und deshalb müssen wir in diesem neuen Bereich natürlich absolut sensibel sein. Aber wir müssen sicherstellen, dass eine ganzheitliche Betreuung angeboten wird, dass es keine Einbahnstraße gibt und dass alle medizinischen Maßnahmen auf den besten klinischen Erkenntnissen beruhen."

Zudem erklärte der Gesundheitsminister, dass es mit Bezug auf Transsexualität unter Jugendlichen oftmals zu massiven politischen Empfindlichkeiten käme und jede Kritik sofort ähnlich harsch angegangen und angegriffen werde wie Rassismus-Vorwürfe.

Dem stimmt auch David Bell zu, ein ehemaliger Facharzt für Psychiatrie und Mitarbeiter von Tavistock, denn die Faktenlage nach einer erfolgten Geschlechtsangleichung sei bis heute extrem dünn:

"Es gibt keine Nachuntersuchungen der Patienten, also gibt es keine Daten. Wie Javid bereits sagte, müssen wir herausfinden, was mit diesen Kindern geschieht. Die Furcht, als transphob angesehen zu werden, hat ebenso wie die Furcht, als rassistisch angesehen zu werden, die Fähigkeit von Fachleuten beeinträchtigt, dieses Phänomen angemessen zu untersuchen.“

Der aktuelle Zwischenbericht bestätigt diese Entwicklung und zeigt auch auf, dass Mitarbeiter der Fachkliniken sich massiv „unter Druck gesetzt fühlen, einen unhinterfragten, affirmativen Ansatz gegenüber Kinder zu verfolgen, die Bedenken bezüglich ihres Geschlechts äußerten.“

Mehrere LGBTI*-Organisationen kritisierten das geplante Vorgehen des britischen Gesundheitsministers wie auch die ersten Zwischenergebnisse der landesweiten Studie als “Panikmache“.

Dabei verweisen Aktivisten auf mehrere Studien, die aufzeigen, dass eine geschlechtsspezifische Betreuung von trans-Jugendlichen die Wahrscheinlichkeit von Depressionen um 60 Prozent und die Wahrscheinlichkeit von Suizidalität um rund 70 Prozent verringert.

Die LGBTI*-Organisation Stonewall erklärte zudem: "Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche angehört werden und dass sie im Mittelpunkt der Entscheidungsfindung stehen, unterstützt von ihren Familien und Ärzten. Diese Behandlungen müssen auf den bestmöglichen Daten beruhen und sich auf globale medizinische Expertise und Konsens stützen, statt auf Rhetorik oder Angstmacherei.“

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