Brasilien will mit einer weitreichenden Sicherheitsreform gegen die organisierte Kriminalität vorgehen. Der Senat billigte jetzt das Vorhaben von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der erst Ende Oktober die Richtungswahl im Land gewonnen hatte. Es stärkt die Befugnisse der Regierung und stellt mehr Mittel für die Bekämpfung krimineller Organisationen bereit. Für Anführer und Mitglieder solcher Gruppierungen sind härtere Strafen vorgesehen. Die LGBTIQ+-Community hofft auf eine Verbesserung der Lage.
Das Wichtigste im Überblick
- Brasiliens Senat hat eine weitreichende Sicherheitsreform von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva gebilligt.
- Die Reform stärkt die Regierung, sichert zusätzliche Mittel und sieht härtere Strafen für kriminelle Gruppierungen vor.
- Für LGBTIQ+-Menschen ist der Schutz vor Gewalt besonders dringlich: Allein 2024 wurden 273 Tötungsdelikte registriert.
- LGBTIQ+-Verbände betonen, dass die Dunkelziffer der Mordfälle deutlich höher liegt.
- Schwule und trans* Menschen sind besonders stark vertreten in der Statistik der Morde.
- Homophobie, Vorurteile und organisierte Kriminalität gelten als wichtige Gründe für die hohen Fallzahlen.
Vorgehen gegen Kriminalität
Die breite Zustimmung gilt als politischer Erfolg für den linksgerichteten Präsidenten. Lula hatte den Schritt wenige Tage nach seiner Wiederwahl vorgeschlagen. Bei der Stichwahl Ende Oktober hatte er sich eine vierte Amtszeit gesichert. Auf Grundlage der Reform kann er nun ein Ministerium für öffentliche Sicherheit einrichten und damit ein zentrales Wahlversprechen einlösen. Nach Angaben des brasilianischen Senats soll die Reform insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Bundesregierung, Bundesstaaten und Kommunen verbessern. Dafür wird das gemeinsame System für öffentliche Sicherheit in der Verfassung verankert. Die stärkere Abstimmung soll ein wirksameres Vorgehen gegen die organisierte Kriminalität ermöglichen.
Hoffnung für die Community
Für LGBTIQ+-Menschen berührt die Sicherheitsdebatte eine bedrückende Lebensrealität. Die Organisation Grupo Gay da Bahia dokumentierte zuletzt für 2024 insgesamt 273 Tötungsdelikte an LGBTIQ+-Menschen in Brasilien. Ihre Erhebung stützt sich unter anderem auf Medienberichte. Im Jahr 2025 verbesserte sich die Lage kaum, vor allem schwule Männer und trans* Personen gehören zu den Opfern. Laut Grupo Gay da Bahia wurden im letzten Jahr mindestens 257 gewaltsame Todesfälle von LGBTIQ+-Menschen dokumentiert, darunter 221 Tötungsdelikte und 20 Suizide. Das entspricht durchschnittlich einem Todesfall alle 34 Stunden. Wegen fehlender systematischer staatlicher Erfassung gehen queere Organisation von einer hohen Dunkelziffer aus. Brasilien gehört damit bis heute zu jenen Ländern mit den höchsten Mordraten an Homosexuellen und queeren Personen weltweit.
Nach Einschätzung des Vereins geschehen die tödlichen Gewaltakte sowohl gezielt aus homophoben und queerfeindlichen Gründen wie aber auch im Umfeld organisierter Kriminalität. LGBTIQ+-Menschen sind dabei seit Jahren in Brasilien besonders stark von Gewalt, Diskriminierung und tödlichen Angriffen bedroht. Trotz rechtlicher Fortschritte, darunter die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen und die Strafbarkeit homo- und transfeindlicher Diskriminierung, prägen gesellschaftliche Vorurteile und Feindseligkeit gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt vielerorts noch immer den Alltag. Betroffene werden auf offener Straße, im familiären Umfeld oder durch Partner angegriffen, bedroht und teilweise ermordet.