Direkt zum Inhalt

LGBTI*-Museum in Washington „Wir müssen unsere Geschichte für künftige Generationen bewahren!“

Von ms - 05.10.2022 - 14:00 Uhr
Aufbruch oder Schwanengesang der US-Community?
Foto: iStock / Motortion
ANZEIGE
Loading audio player...

Politiker und LGBTI*-Aktivisten in den USA haben jetzt ihr Vorhaben verkündet, in Washington D.C. ein neues Museum errichten zu wollen, welches sich ausschließlich der LGBTI*-Geschichte des Landes widmen soll. Ein ganz ähnliches Vorhaben hat Großbritannien nach mehrjähriger Planungszeit bereits umgesetzt und in diesem Frühjahr erfolgreich das “Queer Britain“ eröffnet. Mit Sicherheit hätte auch die amerikanische Community viel zu erzählen, angefangen von der Geburtsstunde unserer heutigen CSD- und Pride-Veranstaltungen, den Aufständen 1969 rund um die Bar Stonewall Inn in New York, über den ersten schwulen Stadtrat Amerikas namens Harvey Milk bin hin zum Kampf um die gleichgeschlechtliche Ehe, die allerdings bereits gewonnen schien und nun doch erneut ins Wanken gerät.

Und genau hier liegt ein Schatten über der grundsätzlich spannenden Idee: Kann ein LGBTI*-Museum im zumindest politischen Herzen der Vereinigten Staaten von Amerika eine Art von Aufbruch oder Aufschwung für die Rechte von LGBTI*-Menschen bedeuten oder ist es nicht viel mehr als ein letzter Schwanengesang, bevor LGBTI*-Amerikaner nach und nach ihre Rechte wieder einbüßen müssen. Denkbar ist beides, mehr allerdings leider eher letzteres. Das Oberste Gericht spielt verbal und gedanklich gerade damit, einige der maßgeblichen Entscheidungen der Vergangenheit rückgängig zu machen, darunter das Recht auf die gleichgeschlechtliche Ehe oder auch direkt die Legalisierung von homosexuellem Sex. Derweil versuchen über dreihundert Gesetzesvorhaben und Initiativen die Rechte von LGBTI*-Menschen vor allem an den Schulen und Universitäten massiv einzuschränken. Und die Stimmungsmache gegenüber Homosexuellen, die immer öfter als Pädophile und Kinderschänder beschrien werden, wächst von Woche zu Woche mehr. Sollte die Republikanische Partei im November bei den Zwischenwahlen die Mehrheit in beiden politischen Kammern erlangen, dürfte es mit den Rechten von LGBTI*-Menschen in den USA weitestgehend erst einmal vorbei sein.

Auch das Vorhaben der Demokraten, auf Bundesebene abseits des Obersten Gerichtshofs das Recht auf eine gleichgeschlechtliche Ehe zu verankern, dürfte einmal mehr undurchführbar sein, denn mindestens zehn Republikaner müssten dem Gesetzesvorhaben im Senat zustimmen – nach der aktuellen Stimmverteilung. Nach der Wahl könnten sich die Mehrheitsverhältnisse zu Ungunsten der Demokraten und damit auch der Homo-Ehe weiter verschoben haben. Dies im Blick, erklärte einer der Ideengeber für das angedachte LGBTI*-Museum in Washington D.C, der schwule Abgeordnete Mark Pocan: „Es ist wichtig, sich an unsere gemeinsame Vergangenheit zu erinnern, insbesondere wenn bestimmte Staaten versuchen, bestehende Rechte einzuschränken und aufzuheben, indem sie Gesetze verabschieden, die LGBTI*-Jugendlichen und unserer Gemeinschaft insgesamt schaden. Lassen Sie uns diese Geschichten erzählen und die vielen Beiträge, die die LGBTI*-Community für diese Nation geleistet hat, mit einem Museum in Washington, D.C. ehren.“ Ob es dazu kommt, entscheidet jetzt eine Kommission, die dann weitere Schritte und das mehrjährige Planungsverfahren beraten soll. Pocan bekräftigte indes abschließend: „Da unsere Community beispiellosen Angriffen und Versuchen, unsere Geschichte auszulöschen, ausgesetzt ist, müssen wir unsere Geschichten für künftige Generationen bewahren und schützen." Das klingt schön, verkennt aber die Tatsache, dass die Geschichte immer von den Gewinnern geschrieben wird. So könnte es geschehen, dass das geplante LGBTI*-Museum nicht viel mehr als eine historische Einrichtung wird, die ihren Blick nur noch auf vergangene Errungenschaften richten kann.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

MOPO„Schwule Scheiße“: St. Pauli-Buhmann Behrens relativiert seine Skandal-AussagenBILD„Wird man nicht los“ - Ex-DFB-Stürmer äußert sich zu Homophobie-EklatDie PresseKanadierin Anne Carson erhält Literaturnobelpreis: Ein oft kryptisches Werk, betörend schönBR24Niedrigwasser: Bodensee-Wasserstand nicht mehr ablesbarAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Alfie Watts ist bisexuell

Outing von britischen TV-Liebling

Der britische TV-Star Alfie Watts hat sich erstmals öffentlich als bisexuell geoutet. Der 23-Jährige sprach zudem auch über seine Ängste.
David Furnish will HIV stoppen

Ende der Übertragungen bis 2030?

David Furnish sieht die medizinischen Voraussetzungen für ein Ende neuer HIV-Übertragungen erfüllt. Doch Diskriminierung bleibt ein Hindernis.
Aus Trauer wurde Hoffnung

Pulse-Überlebender erinnert sich

Zehn Jahre nach dem Anschlag auf den Pulse-Nachtclub erinnert Brandon Wolf an seinen ermordeten Freund Drew und hilft LGBTIQ+-Jugendlichen.
Coming-Outs am Dom

Besondere Aktion in Köln

Zum internationalen Coming-Out-Tag erzählen 100 LGBTIQ+-Menschen vor dem Kölner Dom ihre persönlichen Geschichten – und laden zum Zuhören ein.
Karlsruhe stoppt Freikirche

Keine Anerkennung für ICF

Nach massiven Protesten gegen queerfeindliche Positionen verweigert Karlsruhe der Freikirche ICF die Anerkennung als Jugendhilfeträger.
Mysteriöser Tod auf Sizilien

Leichenfund bei queerem Treffen

Der Tod einer 35-jährigen nicht-binären Person bei einem queeren Anarchisten-Treffen auf Sizilien gibt Rätsel auf. Ermittler prüfen mehrere Ursachen.
Empörung über Ugandas Minister

Homophobe Aussagen in der Kritik

Ugandas Gesundheitsminister bezeichnet Homosexualität als „nicht afrikanisch“. Menschenrechtsaktivisten kritisieren seine Aussagen scharf.
Über 500 Homo-Ehen in Polen

Immer mehr Paare nutzen EU-Urteil

In Polen sind inzwischen 516 im Ausland geschlossene gleichgeschlechtliche Ehen registriert – trotz anhaltender politischer Widerstände.
Michael Kearns ist tot

Aids-Aktivist stirbt mit 76 Jahren

Der schwule Schauspieler Michael Kearns ist mit 76 Jahren gestorben. Er kämpfte gegen HIV-Stigmatisierung und für homosexuelle Sichtbarkeit.