Direkt zum Inhalt

Landesweites Bücher-Verbot? Der schwule “Lügenbaron“ Santos kämpft weiter gegen die eigene Community

Von ms - 20.02.2023 - 14:00 Uhr
Landesweites Bücher-Verbot?
Foto: IMAGO / ZUMA Wire
ANZEIGE
Loading audio player...

Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass ausgerechnet der schwule US-Abgeordnete George Santos jetzt abermals ein Gesetz unterstützt, das Bücher mit LGBTI*-Themen landesweit an allen Schulen in den Vereinigten Staaten von Amerika verbieten lassen will. Auf der anderen Seite ist Santos über die Grenzen der USA gerade dadurch bekannt geworden, dass er kein Freund von Fakten ist, schon gar nicht, wenn sie sich in Büchern widerfinden.

Santos geriet als sogenannter “Lügenbaron“ in den letzten Wochen immer wieder in die Schlagzeilen, nachdem bekanntgeworden war, dass er in großen Teilen seinen gesamten Lebenslauf inklusive einer angeblichen Karriere an der Wall Street dreist erfunden haben soll. Beinahe wöchentlich tauchen dabei neue Anschuldigungen auf, zuletzt wurde er auch der sexuellen Belästigung beschuldigt. Das FBI ermittelt gegen ihn mit dem Verdacht der Veruntreuung von Spendengeldern.

Hand in Hand mit Verschwörungstheoretikerin

Santos erklärte schlussendlich, er wolle sein Amt im US-Kongress kurzzeitig ruhen lassen, bis sich die Sache beruhigt habe – einen Rücktritt schloss er für sich aus, immer mehr seiner republikanischen Kollegen sehen das inzwischen anders. Der junge ehemalige Star der Republikaner hat allerdings wohl trotzdem kein Problem damit, jetzt zusammen mit der US-Abgeordneten und Qanon-Anhängerin Marjorie Taylor Greene sowie fünf weiteren Kollegen einen Gesetzesentwurf einzubringen, der sich landesweit gegen alle Homosexuellen und queeren Menschen richtet. Das Bücherverbot an Schulen solle dabei einmal mehr die Kinder vor einer Frühsexualisierung warnen, so der allgemeine Tenor. Sachlicher Sexualkundeunterricht wird hier gerne schnell als Pornografie umgedeutet.  

Wie lange geht die Komödie um Santos noch weiter?

Es ist zwar nicht das erste Mal, dass sich Santos gegen seine eigene Community richtet, doch die Dreistigkeit seines jüngsten Vorstoßes macht viele LGBTI*-Aktivisten in den USA doch ein wenig sprachlos. Er wetterte zuvor bereits gegen mehr Rechte in Regenbogenfamilien sowie auch gegen die gleichgeschlechtliche Ehe selbst und verlangte, dass religiöse Einrichtungen sich nicht an allgemeine Anti-Diskriminierungsgesetze halten sollen müssten. So bleibt derzeit nur die Frage offen, wann auch Santos auf den Boden der Tatsachen aufschlägt – und seine Politikkarriere frühzeitig doch beendet.    

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDWegen lockerer Maskenpflicht: Wie eine Lesben-Bar in einen "woken Shitstorm" gerietBR24Wasserzeichen in ChatGPT-Texten: Das sollten Sie beachtenDER STANDARDMareike Fallwickl: "Ein Frauenleben ist auch ohne Männer sehr erfüllt"DER SPIEGELFitness: Queere Körperideale - »Jetzt werde ich auch einer von denen«Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Pionier Donald Webster Cory

Vom Vorkämpfer zur Reizfigur

Ein neuer Dokumentarfilm beleuchtet Donald Webster Cory, der die frühe US-Schwulenbewegung prägte und später mit seinen Ansichten empörte.
Flucht vor Todesdrohungen

Aktivisten erreichen Spanien

Zwei schwule LGBTIQ+-Aktivisten aus Sierra Leone sind nach ihrer Flucht in Spanien angekommen. Sie berichten von massiven Todesdrohungen.
Trump verspottet Aktivisten

„Gays for Palestine“ im Visier

Donald Trump verspottet „Gays for Palestine“ und deutet an, queere Aktivisten würden von einer Reise in die Region nicht zurückkehren.
Trauer um Hélène Hazera

Ein Leben voller Kämpfe

Die französische Journalistin, trans* Aktivistin und Vorkämpferin der Community Hélène Hazera ist am Montag mit 74 Jahren gestorben.
Basler warnt vor Coming-Out

Homosexualität bleibt Tabuthema

Mario Basler hält ein Coming-Out im Profifußball weiterhin für kaum möglich und warnt vor massiven Anfeindungen gegen schwule Spieler.
Trauer um Mad Sandhu

Influencer in Indien erschossen

Der schwule Influencer Mad Sandhu ist in Indien auf offener Straße erschossen worden. Ermittler prüfen jetzt, ob der Angriff gezielt geplant war.
Kritik an Russland

LGBTIQ+-Betroffene ohne Urteil

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat fast 900 Beschwerden gegen Russland gestrichen, viele davon von LGBTIQ+-Personen.
Forderung nach Sexkaufverbot

Streit um das Nordische Modell

Bayerns Sozialministerin Scharf will Freier bestrafen – Fachverbände warnen dagegen vor mehr Illegalität und Gefahren für Sexarbeiter.
Warnung vor CSD-Angriffen

Verfassungsschutz betont Gefahren

Queerfeindliche Gewalt von rechts und Russlands Vorgehen alarmieren die deutschen Nachrichtendienste, so Verfassungsschutzpräsident Sinan Selen.