Landesweites Bücher-Verbot? Der schwule “Lügenbaron“ Santos kämpft weiter gegen die eigene Community
Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass ausgerechnet der schwule US-Abgeordnete George Santos jetzt abermals ein Gesetz unterstützt, das Bücher mit LGBTI*-Themen landesweit an allen Schulen in den Vereinigten Staaten von Amerika verbieten lassen will. Auf der anderen Seite ist Santos über die Grenzen der USA gerade dadurch bekannt geworden, dass er kein Freund von Fakten ist, schon gar nicht, wenn sie sich in Büchern widerfinden.
Santos geriet als sogenannter “Lügenbaron“ in den letzten Wochen immer wieder in die Schlagzeilen, nachdem bekanntgeworden war, dass er in großen Teilen seinen gesamten Lebenslauf inklusive einer angeblichen Karriere an der Wall Street dreist erfunden haben soll. Beinahe wöchentlich tauchen dabei neue Anschuldigungen auf, zuletzt wurde er auch der sexuellen Belästigung beschuldigt. Das FBI ermittelt gegen ihn mit dem Verdacht der Veruntreuung von Spendengeldern.
Hand in Hand mit Verschwörungstheoretikerin
Santos erklärte schlussendlich, er wolle sein Amt im US-Kongress kurzzeitig ruhen lassen, bis sich die Sache beruhigt habe – einen Rücktritt schloss er für sich aus, immer mehr seiner republikanischen Kollegen sehen das inzwischen anders. Der junge ehemalige Star der Republikaner hat allerdings wohl trotzdem kein Problem damit, jetzt zusammen mit der US-Abgeordneten und Qanon-Anhängerin Marjorie Taylor Greene sowie fünf weiteren Kollegen einen Gesetzesentwurf einzubringen, der sich landesweit gegen alle Homosexuellen und queeren Menschen richtet. Das Bücherverbot an Schulen solle dabei einmal mehr die Kinder vor einer Frühsexualisierung warnen, so der allgemeine Tenor. Sachlicher Sexualkundeunterricht wird hier gerne schnell als Pornografie umgedeutet.
Wie lange geht die Komödie um Santos noch weiter?
Es ist zwar nicht das erste Mal, dass sich Santos gegen seine eigene Community richtet, doch die Dreistigkeit seines jüngsten Vorstoßes macht viele LGBTI*-Aktivisten in den USA doch ein wenig sprachlos. Er wetterte zuvor bereits gegen mehr Rechte in Regenbogenfamilien sowie auch gegen die gleichgeschlechtliche Ehe selbst und verlangte, dass religiöse Einrichtungen sich nicht an allgemeine Anti-Diskriminierungsgesetze halten sollen müssten. So bleibt derzeit nur die Frage offen, wann auch Santos auf den Boden der Tatsachen aufschlägt – und seine Politikkarriere frühzeitig doch beendet.