Kondomflaute in Italien Neue Gefahr für HIV- und STI-Prävention
Die italienischen Organisationen Gay Help Line und Roma Checkpoint haben jetzt die neuesten Daten zu Prävention, Diagnostik und Unterstützung für HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) veröffentlicht. Die Zahlen von 2025 verdeutlichen eine massive Kondomflaute im Land und belegen überdies, wie wichtig community-basierte Zentren für die Gesundheit von LGBTIQ+-Personen sind, die sexuelle Risikokontakte haben und Stigmatisierung ausgesetzt sind.
Jugend hat keine Lust auf Kondome
Besonders alarmierend ist der Rückgang beim Kondomgebrauch: 53,7 Prozent der getesteten Personen gaben an, beim letzten Gelegenheitssex kein Kondom verwendet zu haben. Experten sehen hierin einen starken Hinweis auf eine sinkende Risikowahrnehmung, insbesondere unter Jugendlichen. Dies mache es dringend notwendig, Prävention, Aufklärung und den Zugang zu anderen Schutzmitteln wie die PrEP und Schnelltests zu stärken, so die Fachleute weiter. Fabrizio Marrazzo, Sprecher von Gay LGBT+, appellierte: „Es muss sofort erreicht werden, dass Kondome für alle unter 26 kostenlos verfügbar sind – auch für Minderjährige – und dass begleitend strukturierte Sexual- und Beziehungsaufklärung angeboten wird.“
STI-Zahlen steigen weiter an
Marrazzo verweist auf Studien, die den Rückgang der Kondomnutzung bei Jugendlichen und den stetigen Anstieg von STI bei 11- bis 19-Jährigen dokumentieren, mit Spitzenwerten zwischen 17 und 19 Jahren. Auch Daten des italienischen Gesundheitsinstituts (ISS) zeigen steigende Zahlen bei Gonorrhö, Syphilis und Chlamydien unter 15- bis 24-Jährigen. „Eine einfache, kostengünstige und effektive Maßnahme wäre es, Kondome kostenlos in Schulen, Beratungsstellen, Jugendzentren, Migrantenhilfen und Community-Spaces zu verteilen – und dies mit einer umfassenden Aufklärungsarbeit zu begleiten. Sexuelle Gesundheit muss ein universelles Recht sein. Ich fordere die einzelnen Regionen Italiens auf, sofort aktiv zu werden“, so Marrazzo weiter.
Flaute bei Testangeboten
Neben dem Rückgang der Kondomnutzung betonte das ISS die Problematik verspäteter HIV-Diagnosen: Viele Menschen lassen den Test erst durchführen, wenn das Virus bereits zu AIDS fortgeschritten ist. In diesem Stadium ist die Behandlung zwar weiterhin wirksam, aber deutlich komplizierter. Besonders bedenklich auch: Rund 32 Prozent der Menschen aus der Community lassen einen STI-Test erst nach einer Risikosituation durchführen, weitere gut 32 Prozent der rund 6.000 Menschen, die sich bei Gay Help Line und Roma Checkpoint gemeldet hatten, haben sogar noch nie einen HIV-Test machen lassen.
Wenn queere Menschen sich testen lassen wollen, bevorzugen über 70 Prozent von ihnen dann community-basierte Zentren gegenüber Krankenhäusern oder Arztpraxen. Das Projekt „We Test – Mettiamo la Salute in Circolo“ verteilte zuletzt deswegen auch über 3.000 HIV-Schnelltests in LGBTIQ+-Clubs und Vereinen, um Barrieren abzubauen und Stigmatisierung zu verringern. Die fortlaufende Kampagne wird dabei von einem breiten nationalen Netzwerk unterstützt.