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Kehrtwende bei HIV? Zweifel an der Durchführbarkeit der US-Pläne zur HIV-Prävention für 2023

Von ms - 19.12.2022 - 14:00 Uhr
Kehrtwende bei HIV?
Foto: IMAGO / NurPhoto
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Kommt die versprochene Kehrtwende in den USA wirklich? Nachdem sich noch im Frühjahr dieses Jahres die Kritiken mehrten, dass die US-Regierung das Thema HIV auf die lange Bank schiebt, stellte Präsident Joe Biden Anfang Dezember seine neue Fünf-Jahres-Strategie vor. Einmal mehr bekräftigte er dabei das Ziel, HIV bis 2030 “beenden“ zu wollen. US-Beobachter blicken indes kurz vor Weihnachten noch immer kritisch auf die angekündigten Pläne und befürchten, dass einige der Projekte aufgrund der geänderten Mehrheitsverhältnisse ab Januar 2023 im US-Kongress nicht durchgesetzt werden könnten. Im Repräsentantenhaus verlieren die Demokraten mit dem neuen Jahr ihre Stimmenmehrheit.  

Lässt sich der HIV-Anstieg stoppen?

In den letzten Monaten hatten mehrere Studien weltweit aufgezeigt, dass sowohl die Forschungs- wie auch die Präventionssituation bei HIV seit Beginn der Corona-Pandemie drastisch gelitten hat, insbesondere in den USA. Binnen eines Jahres war zuletzt die Zahl der HIV-Neuinfektionen um 16 Prozent gestiegen. Immer öfter war ganz offen bezweifelt worden, ob die gesteckten Ziele in puncto HIV überhaupt noch realistisch erreichbar wären. Jüngsten Schätzungen der US-Gesundheitsbehörde CDC zufolge leben derzeit rund 1,2 Millionen Men­schen in den USA mit einer HIV-Infektion.

Ernsthafte Bedrohung bis heute

US-Außenminister Antony Blinken indes hatte erklärt, dass er HIV nach wie vor als eine “ernsthafte Bedrohung“ verstehe. Man müsse jetzt schnell den Fokus wiederfinden, damit bereits erzielte Fortschritte nicht vollends zunichte gemacht werden würden. Dazu gehören das Erreichen wichtiger Behandlungsziele für alle Alters-, Geschlechts- und Bevölkerungsgruppen, die Unterstützung der UNAIDS-Ziele zur Verringerung der HIV-Neuinfektionen und die Schließung von Gerechtigkeitslücken.

HIV-Bekämpfung auf Jahre geschwächt

Insgesamt hat die US-Regierung so für das kommende Jahr 850 Millionen US-Dollar für HIV-Präventionskampagnen im Haushalt eingeplant. Zudem wolle die Regierung ein landesweites PrEP-Programm einführen – Kostenpunkt rund zehn Milliarden US-Dollar. Ziel sei es hier, die PrEP für alle Amerikaner bereitzustellen, unabhängig davon, ob diese versichert sind oder nicht. Wie dringend notwendig der Einsatz gegen HIV und andere Geschlechtskrankheiten ist, zeigten auch die jüngsten Warnmeldungen vom September dieses Jahres: Die US-Gesundheitsbehörden meldeten einen dramatischen Anstieg bei diversen Geschlechtskrankheiten, am höchsten mit 26 Prozent sind dabei die Syphilis-Neuinfektionen.

David Harvey, der geschäftsführende Direktor der National Coalition of STD Directors, erklärte kurz und knapp, die Situation in puncto Geschlechtskrankheiten in den USA sei inzwischen gänzlich "außer Kontrolle". Ob der neue Plan der US-Regierung für 2023 hier also wirklich das Ruder rumzureißen vermag, bezweifeln nach wie vor nicht gerade wenige Experten. Auch Fachleute der US-Gesundheitsbehörde CDC erklärten, dass die Covid-Krise der HIV-Bekämpfung einen massiven Schaden zugefügt habe, der noch Jahre in Anspruch nehmen könnte.

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