Kampf den Algorithmen LGBTI*-Menschen werden online oftmals unterdrückt oder bewusst Anfeindungen ausgesetzt.
Immer wieder erleben homosexuelle wie auch queere Künstler und Kreative, dass sie in der digitalen Welt auf diversen Social-Media-Plattformen insgeheim zensiert werden. Die Herangehensweise ist je nach Plattformanbieter unterschiedlich, zumeist findet bereits bei einzelnen Worten wie „gay“ oder „LGBT“ eine erste Zensur statt. Je konkreter sich LGBTI*-Menschen für ihre Werte und eine bessere Politik einsetzen oder einfach auch nur über ihr Leben reden oder ihre Kunst präsentieren wollen, werden sie zensiert, zumeist ohne dem Wissen der Nutzer selbst.
Mensch oder Maschine, wer diskriminiert am Ende?
Zuletzt sorgte im vergangenen Jahr immer wieder TikTok für Schlagzeilen; trotz mehrfacher Abmahnungen und darauffolgender, gleichlautender Bekundungen, dass von nun an alles besser werden würde, zensiert das chinesische Unternehmen offenbar bis heute LGBTI*-Themen. Oftmals geschehen diese Dinge subtil, die Algorithmen unterdrücken Tweets oder Nachrichten oder sorgen schlicht dafür, dass Bilder und Texte von LGBTI*-Menschen für andere User gänzlich unsichtbar sind oder zumindest kaum noch in der Timeline auftauchen. Wird eines dieser Unternehmen konkret auf diese Form der Diskriminierung angesprochen, fällt es leicht, auf die Algorithmen zu verweisen – die Schuld liegt in der Maschine, nicht beim Menschen, der sie programmiert hat.
Schikane und bösartige Angriffe
Über 25 LGBTI*-Organisationen weltweit haben sich jetzt deswegen zu einer Petition zusammengeschlossen und fordern ein Ende der digitalen Diskriminierung. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem All Out, Amnesty International, die ILGA Europe, die Peter Tatchell Foundation oder auch Transgender Europe (TGEU). „Wir sehen aus erster Hand den Schaden, den das Geschäftsmodell von Big-Tech-Unternehmen anrichtet - deren Algorithmen darauf ausgerichtet sind, das Schlimmste der Menschheit zu verstärken und Randgruppen schweren Schaden zuzufügen: LGBT*-Personen werden routinemäßig bösartig getrollt, schwule Teenager mit Werbung für Konversionstherapien angesprochen und Schikanen gegen Pride-Teilnehmer per Live-Stream übertragen“, so die Organisationen zu den weiteren Problemen in der digitalen Welt.
Irland ist jetzt gefragt!
Gerade auch in Irland regt sich der Widerstand dagegen nun besonders laut, denn in den letzten Jahrzehnten haben viele große Tech-Plattformen ihre europäischen Firmenzentralen aus steuerlichen Gründen in Irland aufgebaut. Die Aufforderungen auch von Organisationen wie LGBT Ireland, Irish Network Against Racism (INAR), Outhouse LGBTQ+ Centre Irland oder auch Transgender Equality Network Ireland (TENI) sind eindeutig: Die irische Regierung muss jetzt dafür sorgen, das bisherige Geschäftsmodell von Big-Tech-Unternehmen einzudämmen und so den Schaden für LGBTI*-Menschen zu minimieren.
„Die irische Datenschutzkommission (DPC) ist die führende Datenschutzaufsichtsbehörde, aber es scheint, als würde sie lieber die Profite des Silicon Valley schützen als grundlegende Menschenrechte. Deshalb fordern wir eine Reform der DPC, damit sie endlich ihre Arbeit macht. In den kommenden Monaten hat die irische Regierung die einmalige Gelegenheit, den Kurs zu ändern, wenn sie zwei neue Kommissare für den Datenschutzausschuss ernennt. Sie muss sicherstellen, dass nur Kandidaten mit dem nötigen Fachwissen und der nötigen Integrität in Frage kommen, um Big Tech zur Rechenschaft zu ziehen, und dass die ernannten Kommissare ein klares Mandat für die Reform erhalten.“
Social Media kann LGBTI*-Leben retten
Zudem erinnern die rund 25 LGBTI*-Organisationen auch daran, dass es nebst den Angriffen auf Homosexuelle und queere Menschen auch darum geht, die Lebensrealität von Minderheiten nicht weiter einzuschränken: „Als LGBT*-Menschen, -Organisationen und -Verbündete auf der ganzen Welt wissen wir, wie wichtig soziale Medien sind, um Kontakte zu knüpfen und Gemeinschaft zu finden. Für LGBT*-Menschen auf der ganzen Welt sind die sozialen Medien ein wichtiger Raum für Meinungsäußerung, Community und Netzwerken mit dem Potential, Leben zu verändern oder sogar zu retten. Diese positive Rolle wird jedoch durch ein überwachungsbasiertes Geschäftsmodell, das auf die Verbreitung von Hass ausgerichtet ist, und durch das Versagen der Regulierungsbehörden, dieses Modell in Einklang zu bringen, erheblich untergraben.“