Homo-Hasserin will Kinder bewaffnen Dürfen sich dann auch homosexuelle Kinder gegen Schulgewalt wehren?
[KOMMENTAR] Immer diese bösartigen Klischees. In der Kirche sind nur Pädophile, Affenpocken befallen nur Homosexuelle, US-Republikaner sind allesamt dumme, homophobe Waffennarren. Mögen wir bei der Kirche noch streiten und bei den Affenpocken klar widersprechen, so ist die Frage bei den Republikanern eine besonders knifflige – einmal mehr zeigt sich in diesen Tagen, dass die politische Gesinnung zumindest in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht immer getrennt von der Bildungstiefe gesehen werden kann, die ein Mensch erfahren durfte.
Im konkreten Fall geht es um die gescheiterte republikanische Kandidatin und rechtsgerichtete Politikerin Deanna Lorraine aus Kalifornien, die in den letzten Monaten in erster Linie damit auffiel, dass sie bei jeder, sich bietenden Möglichkeit gegen Homosexuelle, allesamt pädophile Kinderschänder laut Lorraine, hetzte und auch insgesamt missbilligend auf mehr Rechte für die LGBTI*-Community blickte. Soweit nicht außergewöhnlich für eine karrierefreudige Republikanerin und treue Christin. Was fehlt? Ja, natürlich, bei all ihrem Hass gegenüber Homosexuellen geht es, wie sollte es anders sein, um das Kindeswohl. Das stehe unangefochten natürlich an erster Stelle.
Dieser Wunsch, dieser mütterliche Blick auf das Wohl der Kinder muss Lorraine jetzt auch dazu veranlasst haben, in einem landesweit sehr beliebten Podcast zu fordern, dass alle Schulkinder bewaffnet werden sollten. "Sie sollen lernen, wie sie sich selbst schützen können. Das ist es, was Schützen aufhalten wird. Das ist es, was Drohungen stoppen wird. Es reicht nicht, mit einer kugelsicheren Weste in die Schule zu gehen, okay? Ich möchte, dass sie in der Lage sind, sich gegen echte Bedrohungen zu verteidigen und diesen in den Arsch zu treten und einzugreifen, wenn ein Schulschütze kommt." Meine Mutter hätte bei diesem Kommentar noch mit kritischem Blick auf den Begriff “Arsch“ die Wortwahl bemängelt, die so gar nicht dem Kindeswohl entsprechen mag. Aber das sind fürwahr natürlich Bagatellen und von gestern, wir wollen ja die Kids jetzt allesamt bewaffnen.
Mit Blick auf die letzten Massaker an amerikanischen Schulen, die im Grunde immer weniger mediale Aufmerksamkeit erregen, schlicht, weil sie ermüden, wenn einmal wieder in einer ländlichen Gesamtschule in den USA ein verzweifelter Schüler Amok läuft, sagt die besorgte Mutter zudem: „Ich möchte meinem Sohn beibringen, wie man Waffen intelligent einsetzt und bedient, denn eines Tages wird es eine Bedrohung geben, und eines Tages werden sie in Gefahr sein. Und ich möchte, dass sie in der Lage sind, sich selbst zu schützen und nicht nur kugelsichere Westen und einen Hut tragen müssen."
Man möchte anmerken, dass der eigentliche Fakt, den Mütter und auch Väter erregen sollte, jener ist, dass Kinder bald wie in Texas überhaupt mit kugelsicheren Westen in die Schule gehen müssen. Noch spannender wäre auch die Frage, wie sich das denn bei homosexuellen und queeren Schulkindern verhält, die derzeit eine extreme Welle an Anti-LGBTI*-Gesetzen an den Schulen erleben und ihnen immer öfter verboten wird, überhaupt noch über LGBTI* zu sprechen – eine Tatsache, die Mobbing, Hass und Gewalt massiv Vorschub leistet. Dürfen sich diese Kids dann künftig auch bewaffnen, um sich beispielsweise gegen die homophoben und gewalttätigen Angriffe ihrer Mitschüler zu wehren? Oder, liebe Deanna, muss man doch hetero und bestenfalls noch weiß sein, um als Kind bewaffnet in die Schule gehen zu dürfen? Bitte, erkläre mir das einmal. Mit besten Grüßen, ein Kindeswohl-besorgter Homosexueller.