Direkt zum Inhalt

Homo-Hasserin will Kinder bewaffnen Dürfen sich dann auch homosexuelle Kinder gegen Schulgewalt wehren?

Von ms - 25.08.2022 - 14:00 Uhr
Homo-Hasserin will Kinder bewaffnen
Foto: iStock / Willard
ANZEIGE
Loading audio player...

[KOMMENTAR] Immer diese bösartigen Klischees. In der Kirche sind nur Pädophile, Affenpocken befallen nur Homosexuelle, US-Republikaner sind allesamt dumme, homophobe Waffennarren. Mögen wir bei der Kirche noch streiten und bei den Affenpocken klar widersprechen, so ist die Frage bei den Republikanern eine besonders knifflige – einmal mehr zeigt sich in diesen Tagen, dass die politische Gesinnung zumindest in den Vereinigten Staaten von Amerika nicht immer getrennt von der Bildungstiefe gesehen werden kann, die ein Mensch erfahren durfte.

Im konkreten Fall geht es um die gescheiterte republikanische Kandidatin und rechtsgerichtete Politikerin Deanna Lorraine aus Kalifornien, die in den letzten Monaten in erster Linie damit auffiel, dass sie bei jeder, sich bietenden Möglichkeit gegen Homosexuelle, allesamt pädophile Kinderschänder laut Lorraine, hetzte und auch insgesamt missbilligend auf mehr Rechte für die LGBTI*-Community blickte. Soweit nicht außergewöhnlich für eine karrierefreudige Republikanerin und treue Christin. Was fehlt? Ja, natürlich, bei all ihrem Hass gegenüber Homosexuellen geht es, wie sollte es anders sein, um das Kindeswohl. Das stehe unangefochten natürlich an erster Stelle.

Dieser Wunsch, dieser mütterliche Blick auf das Wohl der Kinder muss Lorraine jetzt auch dazu veranlasst haben, in einem landesweit sehr beliebten Podcast zu fordern, dass alle Schulkinder bewaffnet werden sollten. "Sie sollen lernen, wie sie sich selbst schützen können. Das ist es, was Schützen aufhalten wird. Das ist es, was Drohungen stoppen wird. Es reicht nicht, mit einer kugelsicheren Weste in die Schule zu gehen, okay? Ich möchte, dass sie in der Lage sind, sich gegen echte Bedrohungen zu verteidigen und diesen in den Arsch zu treten und einzugreifen, wenn ein Schulschütze kommt." Meine Mutter hätte bei diesem Kommentar noch mit kritischem Blick auf den Begriff “Arsch“ die Wortwahl bemängelt, die so gar nicht dem Kindeswohl entsprechen mag. Aber das sind fürwahr natürlich Bagatellen und von gestern, wir wollen ja die Kids jetzt allesamt bewaffnen.

Mit Blick auf die letzten Massaker an amerikanischen Schulen, die im Grunde immer weniger mediale Aufmerksamkeit erregen, schlicht, weil sie ermüden, wenn einmal wieder in einer ländlichen Gesamtschule in den USA ein verzweifelter Schüler Amok läuft, sagt die besorgte Mutter zudem: „Ich möchte meinem Sohn beibringen, wie man Waffen intelligent einsetzt und bedient, denn eines Tages wird es eine Bedrohung geben, und eines Tages werden sie in Gefahr sein. Und ich möchte, dass sie in der Lage sind, sich selbst zu schützen und nicht nur kugelsichere Westen und einen Hut tragen müssen."

Man möchte anmerken, dass der eigentliche Fakt, den Mütter und auch Väter erregen sollte, jener ist, dass Kinder bald wie in Texas überhaupt mit kugelsicheren Westen in die Schule gehen müssen. Noch spannender wäre auch die Frage, wie sich das denn bei homosexuellen und queeren Schulkindern verhält, die derzeit eine extreme Welle an Anti-LGBTI*-Gesetzen an den Schulen erleben und ihnen immer öfter verboten wird, überhaupt noch über LGBTI* zu sprechen – eine Tatsache, die Mobbing, Hass und Gewalt massiv Vorschub leistet. Dürfen sich diese Kids dann künftig auch bewaffnen, um sich beispielsweise gegen die homophoben und gewalttätigen Angriffe ihrer Mitschüler zu wehren? Oder, liebe Deanna, muss man doch hetero und bestenfalls noch weiß sein, um als Kind bewaffnet in die Schule gehen zu dürfen? Bitte, erkläre mir das einmal. Mit besten Grüßen, ein Kindeswohl-besorgter Homosexueller.  

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Berliner MorgenpostHakenkreuze an Berliner Uni entdeckt: „Widerspricht allem, wofür die FU steht“Berliner MorgenpostNach Razzia im queeren Zentrum „Casa Kuà“: Hunderte demonstrieren in Kreuzbergrbb24Zwei Verletzte bei Messerangriff vor queerfreundlicher BarBerliner MorgenpostFU Berlin: Immer wieder Hakenkreuze und queerfeindliche AttackenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung