Hilfsbedarf bei LGBTI*s steigt an Positiv: Viele LGBTI*-Jugendliche werden schnell erfolgreich selbstständig
Unter dem Motto “Jugend in Zahlen“ veröffentlichte das Statistische Bundesamt heute weitere Details zu der Lebensrealität von jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Dabei zeigt sich auch, dass immer mehr junge Menschen Hilfe benötigen, der sogenannte “Hilfsbedarf“ ist binnen eines Jahres um rund zwei Prozent weiter angestiegen, insgesamt meldeten im Jahr 2021 die Jugendämter rund 68.000 Fälle. Unter dem Themenkomplex Hilfsbedarf können viele Aspekte fallen, darunter auch Probleme im Elternhaus aufgrund eines Coming Outs oder der sexuellen sowie geschlechtlichen Identität eines Kindes.
Umfragen von anyway Köln bestätigen dabei, dass sich seit Corona die Situation gerade für LGBTI*-Jugendliche weiter verschlechtert hat: „Besonders betroffen sind Jugendliche, die zu Hause ungeoutet sind oder deren Familien homo-, bi- oder transphob sind“, so das Fazit der Befragung. Noch immer leiden viele queere Jugendliche an weggefallenen Treffpunkten und Kontakten – zudem wird befürchtet, dass sich die Situation spätestens im Herbst 2022 abermals verschlechtern könnte, gerade auch mit Blick auf neue Corona-Schutzmaßnahmen. „LGBTI*-Jugendliche stehen insgesamt unter höher psychischer Belastung in unserer Gesellschaft. In Krisensituationen tritt dies besonders hervor und der Druck auf sie steigt, weil reale Frei- und Schutzräume wegfallen, in denen sie sie selbst sein können, wo sie auf Gleichgesinnte treffen oder in die sie auch für wenige Stunden flüchten können, um sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen“, so Jürgen Piger vom Verein anyway in Köln.
Neben den Hilfsbedürfnissen ist auch die Zahl der direkten, sogenannten Kindeswohlgefährdungen auch im Jahr 2021 weiterhin auf sehr hohem Niveau geblieben – dazu zählen direkte Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt. Im Jahr 2021 waren davon nach Angaben der Jugendämter rund 60.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Im zweiten Corona-Jahr haben die Kindeswohlgefährdungen damit den zweithöchsten Wert seit Einführung der Statistik erreicht. In den acht Jahren seit Beginn der Zählung bis zu ihrem Höchststand im Jahr 2020 sind die Kindeswohlgefährdungen um rund 60 Prozent angestiegen. Auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mehrere Arten von Vernachlässigung und Gewalt zugleich erlebt haben, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt aktuell bei 21 Prozent aller Fälle.
Positiv zu verzeichnen ist allerdings, dass viele junge Menschen selbstständiger als jede Generationen zuvor sind – beinahe 40 Prozent von ihnen verdienen bereits ihr Haupteinkommen überwiegend selbst und die Jugenderwerbslosigkeit war im Jahr 2021 mit knapp unter 7 Prozent in Deutschland EU-weit am niedrigsten. Im europäischen Durchschnitt liegt die Quote bei über 16 Prozent. Es gibt also durchaus Hoffnung, gerade für LGBTI*-Jugendliche: Auch wenn die Situation im Elternhaus oftmals in den letzten Jahren als besonders schwierig wahrgenommen wurde und wird, haben junge queere Menschen nach einem Auszug in Deutschland sehr gute Chancen, zeitnah auf eigenen Beinen zu stehen und sich ihr eigenes Leben aufbauen zu können.