Direkt zum Inhalt

Hilfsbedarf bei LGBTI*s steigt an Positiv: Viele LGBTI*-Jugendliche werden schnell erfolgreich selbstständig

Von ms - 11.08.2022 - 11:00 Uhr
Immer mehr Jugendliche brauchen Hilfe
Foto: IMAGO / Rene Schulz
ANZEIGE
Loading audio player...

Unter dem Motto “Jugend in Zahlen“ veröffentlichte das Statistische Bundesamt heute weitere Details zu der Lebensrealität von jungen Menschen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren. Dabei zeigt sich auch, dass immer mehr junge Menschen Hilfe benötigen, der sogenannte “Hilfsbedarf“ ist binnen eines Jahres um rund zwei Prozent weiter angestiegen, insgesamt meldeten im Jahr 2021 die Jugendämter rund 68.000 Fälle. Unter dem Themenkomplex Hilfsbedarf können viele Aspekte fallen, darunter auch Probleme im Elternhaus aufgrund eines Coming Outs oder der sexuellen sowie geschlechtlichen Identität eines Kindes.

Umfragen von anyway Köln bestätigen dabei, dass sich seit Corona die Situation gerade für LGBTI*-Jugendliche weiter verschlechtert hat: „Besonders betroffen sind Jugendliche, die zu Hause ungeoutet sind oder deren Familien homo-, bi- oder transphob sind“, so das Fazit der Befragung. Noch immer leiden viele queere Jugendliche an weggefallenen Treffpunkten und Kontakten – zudem wird befürchtet, dass sich die Situation spätestens im Herbst 2022 abermals verschlechtern könnte, gerade auch mit Blick auf neue Corona-Schutzmaßnahmen. „LGBTI*-Jugendliche stehen insgesamt unter höher psychischer Belastung in unserer Gesellschaft. In Krisensituationen tritt dies besonders hervor und der Druck auf sie steigt, weil reale Frei- und Schutzräume wegfallen, in denen sie sie selbst sein können, wo sie auf Gleichgesinnte treffen oder in die sie auch für wenige Stunden flüchten können, um sich eine Auszeit vom Alltag zu nehmen“, so Jürgen Piger vom Verein anyway in Köln.

Neben den Hilfsbedürfnissen ist auch die Zahl der direkten, sogenannten Kindeswohlgefährdungen auch im Jahr 2021 weiterhin auf sehr hohem Niveau geblieben – dazu zählen direkte Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt. Im Jahr 2021 waren davon nach Angaben der Jugendämter rund 60.000 Kinder und Jugendliche betroffen. Im zweiten Corona-Jahr haben die Kindeswohlgefährdungen damit den zweithöchsten Wert seit Einführung der Statistik erreicht. In den acht Jahren seit Beginn der Zählung bis zu ihrem Höchststand im Jahr 2020 sind die Kindeswohlgefährdungen um rund 60 Prozent angestiegen. Auch der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die mehrere Arten von Vernachlässigung und Gewalt zugleich erlebt haben, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und liegt aktuell bei 21 Prozent aller Fälle.

Positiv zu verzeichnen ist allerdings, dass viele junge Menschen selbstständiger als jede Generationen zuvor sind – beinahe 40 Prozent von ihnen verdienen bereits ihr Haupteinkommen überwiegend selbst und die Jugenderwerbslosigkeit war im Jahr 2021 mit knapp unter 7 Prozent in Deutschland EU-weit am niedrigsten. Im europäischen Durchschnitt liegt die Quote bei über 16 Prozent. Es gibt also durchaus Hoffnung, gerade für LGBTI*-Jugendliche: Auch wenn die Situation im Elternhaus oftmals in den letzten Jahren als besonders schwierig wahrgenommen wurde und wird, haben junge queere Menschen nach einem Auszug in Deutschland sehr gute Chancen, zeitnah auf eigenen Beinen zu stehen und sich ihr eigenes Leben aufbauen zu können.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

rbb24Zwei Verletzte bei Messerangriff vor queerfreundlicher BarBerliner MorgenpostFU Berlin: Immer wieder Hakenkreuze und queerfeindliche AttackenDER STANDARDBirgit Minichmayr, die ergebene Zofe der "Blutgräfin"Berliner MorgenpostProfi-Volleyballer aus Japan outet sich: „Ich hatte seit meiner Kindheit Angst“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung