Direkt zum Inhalt
Hasskriminalität im Saarland
Foto: iStock / taranchic
ANZEIGE

Hasskriminalität im Saarland Polizei und LSVD+ raten zur Anzeige

ms - 25.03.2026 - 09:30 Uhr
Loading audio player...

Hasserfüllte Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen nehmen auch im Saarland zu. Dies zeigen nun die neusten Zahlen des Bundeskriminalamtes. Der LSVD+ im Bundesland erklärte angesichts der jüngsten Entwicklungen, man sei „tief besorgt“.

Angst unter Homosexuellen

Die Polizei im Saarland bestätigt einen Anstieg von Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen. „Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen hat sich durchaus gesteigert“, bestätigte Melanie Bill vom Landespolizeipräsidium. „Es macht vielen Leuten Angst, sich offen als homosexuelle Person zu zeigen“, erklärte zudem Josh Kuhn, Betreiber der Saarbrücker Bar Einraum 2.0 gegenüber der Tagesschau. „Früher war diese Angst nicht so groß“, ergänzte Sanne Speicher aus dem Vorstand des LSVD+ Saar. 

Zudem: Immer öfter werden aus verbalen Beleidigungen körperliche, gewalttätige Übergriffe. So ist beispielsweise auch die Zerstörung von queeren Plakaten an der Universität im Saarland mehr als „nur“ Vandalismus, vielfach handelt es sich um eine Art Vorstufe, der reale Gewalt nachfolgt. Die Polizei versucht, Betroffene zu unterstützen. „Es gibt Ansprechpersonen bei der Polizei, die sich komplett um dieses Thema kümmern, die auch selbst aus der Community sind“, so Bill weiter. Ziel sei es, die Hemmschwelle für Anzeigen zu senken, denn die Dunkelziffer bei homophober Gewalt liegt nach wie vor bei etwa 90 Prozent. Seit letztem Jahr will die Polizei im kleinsten Bundesland Deutschlands die Verbundenheit mit der LGBTIQ+-Community stärken, auch ein eigener LGBTIQ+-Beauftragter der Polizei wurde 2025 auf den Weg gebracht.  

Weniger Hemmungen vor Gewalt

Gegenüber der Tagesschau erzählt eines der Opfer, der 33-jährige, schwule Erzieher Robin Eifler aus Saarlouis, von seinem Erlebnis: „Auf dem Weg zur Arbeit bin ich von zwei jungen Männern attackiert worden und habe Beleidigungen wie ´hässliche Schwuchtel´ und ´Tunte´ ertragen müssen. Ich bin hingefallen und dann hat man noch einmal nachgetreten und gespuckt, während ich auf dem Boden lag.“ Nach einigem Zögern habe er sich schlussendlich zu einer Anzeige durchgerungen und beschreibt den Umgang mit der Polizei als „schöne Erfahrung“. Der LSVD+ Saarland und die Polizei betonen dabei einmal mehr, wie wichtig es ist, Angriffe zu melden, nur so werden diese erfasst und können aktiv angegangen werden. 

Dabei zeigt sich auch im Saarland wie in ganz Deutschland, dass der Ton gegenüber der LGBTIQ+-Community immer rauer wird, wie auch Eifler bestätigte: „Die Leute haben relativ wenig bis gar keine Hemmungen, total queerfeindliche, total menschenverachtende Dinge zu sagen.“ Und Speicher ergänzt: „Wenn diese Beleidigungen nicht sanktioniert werden, folgt natürlich auch, dass körperliche Angriffe der nächste Schritt sind.“ Vor allem junge queere Menschen litten unter der latenten Bedrohung. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Angriff auf Alfonso Osnaya

Adultstar im Castro attackiert

Adultstar Alfonso Osnaya wurde in San Francisco von einigen Männern angegriffen und bewusstlos geschlagen, mutmaßlich wegen seines Jobs als Sexworker.
Marokko vor der Wahl

LGBTIQ+-Menschen im Fokus

Marokkos Wahl entscheidet über das Parlament – für queere Menschen steht dabei auch der Umgang mit einem repressiven Strafrecht auf dem Spiel.
Newsom stoppt Schutzgesetz

Veto sorgt für Enttäuschung

Kaliforniens demokratischer Gouverneur Gavin Newsom stoppt überraschend ein Gesetz zum Schutz von Anbietern für trans* Versorgung.
Mord nach Grindr-Date

Zwei Jugendliche vor Gericht

Zwei Jugendliche sind wegen Mordes an einem 37-jährigen Mann aus Dublin angeklagt. Sie sollen sich zuvor mit ihm über Grindr verabredet haben.
Angriffe auf Mallorca

Schwule beim Cruising attackiert

Attacke im Cruising-Areal auf Mallorca: In einem Waldgebiet von Palma wurden schwule Männer von einer Gruppe junger Männer beschimpft und angegriffen.
Nicht-monogame Nerds

Tabletop-Gamer und Polyamorie

Eine neue Feeld-Auswertung deutet auf einen amüsanten Zusammenhang zwischen „nerdigen“ Hobbys und nicht-monogamen Beziehungsformen hin.
Russland sperrt Heated Rivalry

Autorin Rachel Reid im Visier

Russland lässt Webseiten mit Rachel Reids „Heated Rivalry“-Romanen sperren und geht damit gegen schwule Inhalte der Romanreihe vor.
Fokus Geschlechtskrankheiten

Mitte 30-Jährige stark betroffen

Neue Daten zu Geschlechtskrankheiten: Das höchste Pro-Kopf-Risiko liegt weiterhin bei 25- bis 39-Jährigen, doch ältere Männer rücken nach.
Schockstudie Niederlande

Akzeptanz unter Jugendlichen sinkt

Eine neue Studie zeigt einen erneut starken Rückgang der Akzeptanz von Homosexualität unter niederländischen Jugendlichen.