Friedliche Prides in Polen „Die Feindseligkeit der polnischen Regierung gegenüber LGBTI* ist nach hinten losgegangen!“
Gute Nachrichten aus Polen – nach Jahren mit teilweise extremen Hass- und Gewaltausschreitungen verliefen zwei Pride-Märsche am vergangenen Wochenende in Polen friedlich. LGBTI*-Aktivisten sprechen bereits vorsichtig davon, dass sich immer mehr Menschen auch in Polen positiv zu der LGBTI*-Community äußern würden. Es finde eine "Veränderung der Realität" statt, so die Besucher der Prides.
Beim Pride in der polnischen Stadt Kattowitz nahmen am vergangenen Samstag rund 4.000 Menschen teil. Der gemeinsam mit der ukrainischen Stadt Odessa veranstaltete Solidaritätsmarsch wurde zwar vorab von der abtreibungsfeindlichen Gruppe Fundacja Pro mit Anti-LGBTI*-Protesten bedroht. Der Bürgermeister von Kattowitz verbot der Gruppe allerdings die Teilnahme am Pride-Marsch, um "die Sicherheit und die öffentliche Ordnung" zu schützen. Dieses Verbot wurde zwar kurzfristig vom Gericht wieder gekippt, allerdings erschienen trotzdem glücklicherweise nur sehr wenige Mitglieder der homophoben Gruppe, sodass die Veranstaltung friedlich vonstattengehen konnte. Przemysław Walas, der Organisator des Prides in Kattowitz, erklärte: „Der Marsch ist eine Gelegenheit für die Community, sich sicher und wohl zu fühlen, und unsere Stadt, die Region und ganz Polen daran zu erinnern, dass wir hier sind und nicht verschwinden werden, weil jemand ein Problem damit hat, zu akzeptieren, dass die Welt nicht schwarz und weiß ist."
Der zweite Pride am vergangenen Wochenende in Lublin verlief ebenso ohne Gewalt. In den letzten Jahren war es hier zuvor immer wieder zu gewalttätigen Angriffen gekommen, bei denen auch Pride-Teilnehmer verletzt worden waren. So haben in den Jahren zuvor beispielsweise Gegendemonstranten und Rechtsextreme brennende Fackeln, Eier und volle Flaschen in die Menschenmenge der Pride-Teilnehmer geworfen. Im Jahr 2019 konnte ein homophobes Paar in letzter Minute von der Polizei daran gehindert werden, einen Anschlag zu verüben – das Paar hatte Sprengstoff zum Pride-Marsch mitgebracht. Die Polizei verhaftete die beiden Täter. In diesem Jahr hat die Polizei ihre Präsenz noch einmal verstärkt, vielleicht auch ein Grund, warum es zu keinerlei Ausschreitungen gekommen war, die rund 1.000 Besucher konnten friedlich für die Rechte von LGBTI*-Menschen demonstrieren. Gegenüber der lokalen Presse erklärte ein Teilnehmer und LGBTI*-Aktivist: „Die zunehmende Feindseligkeit der polnischen Regierung gegenüber LGBTI* ist nach hinten losgegangen. Indem sie die Aufmerksamkeit auf die Gay-Community gelenkt haben, haben die Politiker ungewollt der polnischen Bevölkerung dabei geholfen, herauszufinden, dass es die Mär vom Schwulen, der Krankheiten verbreitet, nicht stimmt, sondern, dass es sich dabei um einen Menschen handelt, beim dem sie morgens ihr Brot kaufen, oder der ihr Nachbar oder Arbeitskollege ist." Eine andere Teilnehmerin des Prides sagte zudem: "Im Vergleich zu den Vorjahren hat sich absolut viel verändert. Wir sind sehr glücklich darüber, dass unsere Märsche unsere Realität verändert haben."