Erneute HIV-Heilung Zehnter nachgewiesener Heilungsfall weltweit
Ein Mann, der seit Jahren mit HIV lebt, befindet sich nach einer Stammzelltransplantation in Remission und könnte damit der zehnte dokumentierte Fall einer Heilung sein. Der 64-jährige Patient wurde 2006 mit HIV diagnostiziert und entwickelte später Knochenmarkkrebs, was eine Transplantation erforderlich machte. Der Spender war sein Bruder, der eine seltene genetische Mutation in sich trägt, die den Zugang des Virus zu den Immunzellen blockiert.
Das Wichtigste im Überblick:
- Ein Mann, der mit HIV lebt, ist nach einer Stammzelltransplantation in Remission und gilt als möglicherweise zehnte dokumentierte Fall einer Heilung.
- Die Transplantation erfolgte in Oslo, der Spender war der Bruder des Patienten, der eine seltene genetische Mutation trägt.
- Nach der Transplantation wurde kein aktives Virus mehr im Körper des Patienten nachgewiesen.
- Experten betonen, dass solche Fälle nach wie vor sehr selten sind und Stammzelltransplantationen ein hohes Risiko bergen.
Kein aktives Virus nach zwei Jahren
Nach der Transplantation hörte der Patient nach zwei Jahren auf, antiretrovirale Medikamente zu nehmen. Seitdem haben Ärzte keinen aktiven Virus mehr in seinem Körper nachweisen können. HIV ist besonders schwer zu eliminieren, da sich das Virus in Reservoirs von infizierten Zellen verstecken kann, die auch bei erfolgreicher Behandlung bestehen bleiben. In den meisten Fällen kehrt das Virus zurück, wenn die Medikamente abgesetzt werden.
In diesem Fall ersetzten nach und nach die Zellen des Bruders das Immunsystem des Patienten, was im Blut, Knochenmark und im Darm geschah – typische Bereiche, in denen HIV üblicherweise bleibt. Zwei Jahre nach der Transplantation fanden Tests keine HIV-DNA, die in die Zellen des Patienten integriert war. Eine umfassende Analyse von mehr als 65 Millionen Immunzellen zeigte ebenfalls, dass kein Virus mehr in der Lage war, sich zu replizieren.
Rückgang von Antikörpern
„Replikationsfähiges Virus und HIV-spezifische T-Zell-Reaktionen waren nicht nachweisbar, und HIV-Antikörperreaktionen zeigten einen allmählichen Rückgang“, erklärten die Forscher in einer Studie, die in Nature Microbiology veröffentlicht wurde. Die Abwesenheit von HIV-spezifischen T-Zell-Reaktionen unterstütze die Hypothese, dass dies mit einer langfristigen Remission des Virus zusammenhängt. Experten betonen, dass solche Fälle sehr selten sind. Stammzelltransplantationen bergen erhebliche gesundheitliche Risiken und werden derzeit nicht als Standardbehandlung für HIV eingesetzt. Dennoch könnten diese Fälle wichtige neue Einblicke in potenzielle Heilungsansätze für HIV bieten.