Ugandas Gesundheitsminister Chris Baryomunsi hat mit Äußerungen über Homosexualität heftige Kritik von Menschenrechtsaktivisten ausgelöst. Der Politiker behauptete auf der Plattform X, Homosexualität sei „nicht afrikanisch“ und lediglich ein erlerntes Verhalten. Zugleich versicherte er, dass homosexuelle Menschen in Uganda beim Zugang zur Gesundheitsversorgung nicht diskriminiert würden.
Das Wichtigste im Überblick
- Ugandas Gesundheitsminister Chris Baryomunsi behauptete jetzt, Homosexualität sei „nicht afrikanisch“, sondern ein erlerntes Verhalten.
- LGBTIQ+-Aktivisten und der frühere Abgeordnete Fox Odoi-Onywelowo werfen dem Minister diskriminierende Rhetorik vor.
- Menschenrechtsorganisationen hinterfragen Baryomunsis Zusicherung, homosexuelle Menschen könnten in Uganda ohne Benachteiligung medizinische Leistungen erhalten.
- Bereits 2023 hatte Baryomunsi Homosexualität als unnatürlich und erlernt bezeichnet, ohne Belege für seine Behauptungen vorzulegen.
- Der Minister soll innerhalb der Regierungspartei eine führende Rolle bei der politischen Mobilisierung gegen LGBTIQ+-Rechte einnehmen.
Debatte bei UN-Versammlung
Die Aussagen veröffentlichte Baryomunsi nach einer Podiumsdiskussion am Rande der UN-Generalversammlung in New York. Dort war er gefragt worden, wie Uganda trotz seiner restriktiven Gesetzgebung gegen Homosexualität überhaupt eine diskriminierungsfreie medizinische Versorgung sicherstellen könne. Der Minister erklärte, die ugandischen Gesetze entsprächen afrikanischen Überzeugungen, Traditionen, Bräuchen, ethischen Grundsätzen und kulturellen Vorstellungen. Homosexualität sei ein Verhalten, „das wir verabscheuen“. Dennoch würden homosexuelle Menschen bei staatlichen und anderen Dienstleistungen einschließlich der Gesundheitsversorgung nicht benachteiligt. Zur Begründung verwies Baryomunsi auf einen christlichen Grundsatz: „Er hasste die Sünde, nahm aber die Sünder an“, schrieb er mit Bezug auf Jesus. Die Äußerungen riefen heftigen Widerspruch von LGBTIQ+-Organisationen, Menschenrechtsverteidigern und weiteren Bürgern hervor.
Homosexualität ist afrikanisch
Besonders deutlich reagierte der frühere Parlamentsabgeordnete Fox Odoi-Onywelowo. Er gehört zu den wenigen prominenten Politikern der ugandischen Regierungspartei, die sich öffentlich für LGBTIQ+-Rechte einsetzen. Odoi-Onywelowo hatte 2023 auch gegen das Anti-Homosexuellengesetz gestimmt, das die strafrechtliche Verfolgung homosexueller Menschen erheblich verschärfte bis hin zur Todesstrafe für gleichgeschlechtliche Handlungen. Auf X forderte er Baryomunsi nun auf, seine Wortwahl zu überdenken und keine Hassrede gegen homosexuelle Menschen zu verbreiten: „Homosexualität ist afrikanisch. Homosexualität ist menschlich. Ich hätte nicht erwartet, dass Sie die unterdrückerischste und menschenrechtsfeindlichste Gesetzgebung verteidigen. Darf ich Ihnen sagen, was nicht afrikanisch ist? Homophobie. Ich bitte Sie eindringlich, Ihre Wortwahl noch einmal zu überdenken!“
Auch Shibolo Awali Sean von der Menschenrechtsorganisation The Robust Initiative for Promoting Human Rights (Triumph Uganda) kritisierte die Aussagen des Ministers als unlogisch. „Theologie, Geschichte und gelebte Realitäten gehören nicht zu jedermanns Fachgebiet. Deshalb bewahrt es einen vor Peinlichkeiten, wenn man bestimmte Meinungen Menschen überlässt, die in den jeweiligen Fachgebieten fundierte Kenntnisse besitzen!“ Der in den USA lebende ugandische Menschenrechtsaktivist und Politikwissenschaftler Hillary Taylor bezeichnete den Beitrag als „Unsinn“ und sagte zudem: „Was für eine internationale Blamage bei der UN!“ Historisch ist belegt, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen in zahlreichen afrikanischen Gesellschaften bereits vor der Kolonialisierung existierten und vielerorts gesellschaftlich auch akzeptiert waren, während insbesondere die britischen Kolonialherren später Gesetze einführten, die homosexuelle Handlungen unter Strafe stellten und in vielen afrikanischen Staaten bis heute nachwirken.
Medizinische Gleichbehandlung
Weitere Kritik entzündete sich an Baryomunsis Behauptung, homosexuelle Menschen würden im ugandischen Gesundheitssystem nicht diskriminiert. Mehrere Kommentatoren stellten die Frage, wie eine Bevölkerungsgruppe gleichberechtigten Zugang zu medizinischen Leistungen erhalten könne, wenn ein verantwortlicher Minister öffentlich erkläre, ihr Verhalten zu verabscheuen. Immer wieder wird indes bekannt, dass HIV als Erpressungsversuch herhalten muss und insbesondere christliche Vereine aktiv daran arbeiten, die medizinische Versorgung von schwulen Menschen mit HIV zu unterbinden und zu stigmatisieren. Ssebandeke Dullaart, Gründer und Geschäftsführer der Etunganun Impact Initiative, verwies auf die möglichen Folgen stigmatisierender Aussagen für die medizinische Versorgung: „Wenn es eine Gruppe von Ugandern gibt, die Sie ‚verabscheuen‘, wie können Sie dann behaupten, dass diese Menschen nicht diskriminiert werden? Sobald man Menschen stigmatisiert hat, tragen sie dieses Stigma auch mit in die Arztpraxis.“
Homophobe Aussagen 2023
Baryomunsi hatte sich schon früher entsprechend geäußert. Bei der ersten Afrikanischen Interparlamentarischen Konferenz über Familienwerte und Souveränität im April 2023 bezeichnete er Homosexualität als unnatürlich. Damals erklärte er: „Ich bin ausgebildeter Arzt. Homosexualität ist nicht natürlich. Es ist nicht richtig, wenn jemand behauptet, er sei homosexuell geboren worden und könne nichts dagegen tun. Es wurden zahlreiche Studien durchgeführt, und es gibt keinerlei Beweise dafür, dass Homosexualität auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen ist. Vielmehr deuten die Belege darauf hin, dass es sich um ein erlerntes Verhalten handelt, das auch wieder verlernt werden kann.“ Der Minister soll innerhalb der Regierungspartei bereits 2023 eine führende Rolle bei der politischen Mobilisierung gegen LGBTIQ+-Rechte eingenommen haben, insbesondere auch mit Blick auf das Anti-Homosexuellengesetz. Wissenschaftliche Nachweise für seine damaligen Behauptungen legte Baryomunsi bis heute nicht vor. Die Vorstellung, Homosexualität könne als erlerntes Verhalten wieder abtrainiert werden, entspricht nicht dem wissenschaftlichen Konsens.