Eine bittere Niederlage Totgesagte leben länger – der lange Atem der Republikanerin
In einer längst vergangenen Zeit, da wurde Sarah Palin, einstmals Gouverneurin von Alaska und selbsternannte Retterin des konservativen Abendlandes, sogar als neue Präsidentschaftskandidatin gehandelt. Die Queen der Homohasser und feuchter Traum von Männern, die mangels echter Frauen gerne mit Pumpguns ins Bett steigen, wollte es jetzt noch einmal wissen und kandidierte erneut für den Kongress. Nebenbei unterstützte sie als absolutes Fan-Girl auch immer wieder Donald Trump – in puncto Realitätsverlust nehmen sich die beiden strammen Republikaner nichts.
Doch nun, oh Graus, nun ist es passiert. Sarah Palin verlor. Nicht irgendwo, sondern in ihrem Heimatstadt Alaska. Nicht gegen irgendwen, sondern gegen die Demokratin Mary Peltola. Das ist insofern und zudem bemerkenswert, weil der Kongresssitz in den letzten Jahrzehnten immer in republikanischer Hand gewesen war. Durch den Tod des langjährigen republikanischen Abgeordneten Don Young im Alter von 88 Jahren war er im März dieses Jahres freigeworden, sodass es zu dieser außerplanmäßigen Wahl gekommen war. Bei den Republikanern flammte also die Frage auf, wer dieses kompetente Parteimitglied auch intellektuell ersetzen könnte, denn immerhin war Young nicht irgendein Abgeordneter – Zeit seines Lebens engagierte er sich gegen das Recht auf Abtreibung, gegen Rechte für Homosexuelle, saß im Vorstand des landesweit größten Waffen-Lobbyvereins NRA, stimmte stets gegen Klimaschutzgesetze und für Ölbohrungen in der Arktis, soll jahrelang Bestechungsgelder von Ölkonzernen kassiert haben und befand sich sogar längere Zeit auf der Top-20-Liste der landesweit korruptesten Kongressabgeordneten des FBI. Er schrie gerne politische Kollegen an, bezeichnete die Ölpest im Golf von Mexiko als “natürliches Phänomen“ und erklärte feierlich, die Juden hätten den Holocaust verhindern können, wenn sie nur – man ahnt es – ausreichend bewaffnet gewesen wären. Das Corona-Virus nannte er eine “Bierlaune“, bis er daran selbst daran erkrankte und hustend auf einem Heimflug nach Alaska an den Spätfolgen schlussendlich verstarb.
Wer also kann einen so aufrichtigen Amerikaner nur ersetzen? Da blieb mit Blick auf die Vorgeschichte von Sarah Palin wohl nur die stramme Republikanerin übrig, die Homosexualität für eine Entscheidung hält, Enthaltsamkeit vor der Ehe für wichtig ansieht und auch ansonsten schlicht nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Nun hat Palin verloren – noch dazu gegen eine indigene junge Frau. Das wird ihr hellweißes Republikaner-Herz noch schwerer verkraftet haben. Einziger Wehrmutstropfen dabei: Palin hat nur sehr knapp verloren und bei den Kongresswahlen im November wird abermals neu gewählt werden. Noch ist es also zu früh, freudeschreiend zu skandieren: Die Hex´ ist tot. Zudem, sollte Trump wirklich noch einmal 2024 zum Präsidenten gewählt werden, kann er solch fähiges Personal doch immer gut brauchen, oder?