Ein “Fuck you“ für die Regierung LGBTI*-Menschen wehren sich gegen geplantes Homopropaganda-Gesetz
Es ist ein starkes und hoffnungsvolles Signal, das in diesen Tagen von Rumänien in die Welt geschickt wird – trotz immer massiverer Anti-LGBTI*-Bemühungen von staatlicher Seite feiern mehr als 15.000 Menschen ausgelassen beim Bukarest Pride-Marsch in der Hauptstadt und schicken demonstrativ ein wütendes “Fuck you“ an die Regierung des Landes. Die Rumänen zeigen, dass sie mit der Politik der homophoben Regierung nicht zufrieden sind. Aktuell plant die Regierung ein neues, homophobes Gesetz zu verabschieden, das dem Vorbild des russischen sowie des ungarischen, sogenannten Homopropaganda-Gesetzes inhaltlich folgt und LGBTI*-Themen, öffentliche Diskussionen und Darstellungen von homosexuellen Lebensweisen komplett verbieten lassen soll. Ein besonderer Schwerpunkt liegt für die Regierung dabei auf ein striktes Informationsverbot an allen Bildungseinrichtungen des Landes. Zuletzt im Juni hatten über 40 Europapolitiker der LGBTI*-Intergroup des Europäischen Parlaments die Pläne der Regierung scharf kritisiert (SCHWULISSIMO berichtete). Nach Ungarn und teilweise Polen wäre Rumänien das dritte Land in der EU, das explizit Informationen über LGBTI* verbieten lassen will.
Wütend und kampfeslustig in der Sache, doch friedlich während der Demonstration zeigten sich die rund 15.000 Teilnehmer des Bukarest Pride, um laut und deutlich ihren Unmut über diese jüngsten Pläne kundzutun – flankiert wurden die Protestierenden dabei von einem großen Polizeiaufgebot. Erfreulich war zudem, dass nicht nur queere Menschen bei der Veranstaltung vor Ort waren, sondern auch viele Familien besuchten mit ihren Kindern den Pride, um ebenso ein klares Statement gegen rechtlich verankerten Hass zu setzen. Mit vor Ort war auch der britische Botschafter in Rumänien, Andrew Noble, der nach Angaben von Libertatea auf der Pride-Bühne vor einer jubelnden Menschenmenge erklärte: "Keiner von uns ist frei, bis wir alle frei sind. Die Gewährung von Rechten für die LGBTI*-Community stellt für niemanden eine Bedrohung dar. Wir alle, einschließlich unserer Regierungen, müssen für eine integrative Gesellschaft arbeiten, um die Rechte aller zu schützen. Es ist die Pflicht eines jeden, Ungleichheit und Ausgrenzung zu beseitigen. Happy Pride an alle!"
Früh am Tage war es auch zu einer Gegendemonstration gekommen, bei der allerdings nur knapp 200 Menschen, zumeist aus dem rechten und orthodoxen Lager, vor Ort waren. Der Leiter der International Planned Parenthood Federation (IPPF) für die Rechte von Homosexuellen, Tor-Hugne Olsen, erklärte dazu: „Die Tatsache, dass die Pride-Märsche immer größer werden, während die rechtsextremen Gruppen immer kleiner werden, ist ein positives Zeichen. Aber gleichzeitig sehen wir Gesetzesentwürfe, die darauf abzielen, die Rechte der LGBTI*-Menschen oder auch den Zugang zu Sexualaufklärung zu beschneiden.“