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Boykottaufruf gescheitert Queere Aktivisten wollten Verkauf des Computerspiels verhindern

Von ms - 10.02.2023 - 13:00 Uhr
Boykottaufruf gescheitert
Foto: IMAGO / NurPhoto
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Das neue Harry-Potter-Spiel "Hogwarts Legacy" sorgt bereits seit einigen Tagen für Aufsehen und hitzige Diskussionen. Trans-Aktivisten aus mehreren Ländern forderten ein Boykott des Spiels, da Harry-Potter-Autorin JK Rowling aus ihrer Sicht heraus transphob sei. Zuletzt hatten sich zwar auch mehrere LGBTI*-Aktivisten und Autoren auf die Seite der Britin gestellt und betont, dass Rowling nicht transfeindlich sei – bei ihren Kritikern bewirkte dies aber kein Umdenken. Bis zuletzt riefen sie auch diese Woche mehrfach zum Boykott auf. Nachdem der Verkauf des Spiels jetzt begonnen hat, zeigt sich, dass dieses Vorhaben offenbar gescheitert ist – wie schon die Wochen zuvor ist das Spiel auch jetzt beinahe in allen Verkaufscharts der digitalen Plattformen auf dem ersten Platz.

Erstmals Trans-Frau im Harry-Potter-Spiel

Game-Fachleute gehen davon aus, dass sich die neuste Publikation des Franchise-Imperiums millionenfach verkaufen könnte - derzeit sieht alles nach einem neuen Verkaufsrekord aus. Inhaltlich finden sich die Spieler in dem Action-Rollenspiel im späten 19. Jahrhundert wieder, wo sie in einer Zauberschule die klassische Ausbildung zum Zauberer absolvieren müssen. Dabei wird erstmals auch eine Trans-Frau namens Sirona Ryan in die Zauberwelt rund um Harry Potter eingeführt. Spieler können auch eigene Trans-Charaktere erschaffen.

Rowling selbst ist nach wie vor Inhaberin der Urheberrechte. Der Spieleentwickler Portkey versuchte die Streitigkeiten inzwischen zu schlichten und erklärte, dass Rowling nicht inhaltlich involviert gewesen sei. Auch innerhalb der queeren Community gibt es unterschiedliche Stimmen, einige stellen den Nutzen des Boykotts in Frage und fordern, selbst bei einer Abneigung gegenüber Rowling das Spiel von der Autorin zu trennen. Andere wie beispielsweise die Trans-Frau und Gamerin Jessie Earl fordern vehement die Einhaltung des Boykotts. Man dürfe sich das Spiel höchstens als Raubkopie besorgen. Rowling selbst verglich die strikten Aufrufe mit den Bücherverbrennungen, die zuletzt in einigen US-Bundesstaaten stattfanden, wenn die Werke LGBTI*-Themen enthielten.

Lesbische Autorin verteidigt Rowling

Eine, die zuletzt Rowling verteidigte, ist die lesbische Autorin EJ Rosetta, die nach ausführlicher Recherche erklärte, es gäbe keine trans-feindlichen Tweets von Rowling: „Die LGBTQ-Medien haben dieses falsche Narrativ zu einem Verkaufsschlager gemacht und kümmern sich schon lange nicht mehr darum, ob es wahr ist.“ Rowling sorgt dabei seit 2018 immer wieder für Debatten, weil sie sich für Frauenrechte und Frauenschutzräume einsetzt und diese durch Selbstbestimmungsgesetze in Gefahr sieht. Zudem zeigt sie sich kritisch über jene Form der Sprache und ihre Benutzer, die Frauen (Women) nur noch als “Menschen, die menstruieren" bezeichnet. Sie twitterte dazu sarkastisch: „Ich bin sicher, dass es früher ein Wort für diese Leute gab. Kann mir jemand weiterhelfen? Wumben? Wimpund? Woomud?“

Rowling hat selbst sexuelle Missbrauchserfahrungen gemacht und finanziert aktuell ein neues Frauenhaus für Betroffene. Zuletzt finanzierte sie auch zusammen mit einigen anderen Spendern die Flucht von über 500 afghanischen Frauen, denen in ihrer Heimat der Tod drohte. Gemeinsam mit rund 150 anderen prominenten Autoren und Intellektuellen erklärte sie bezüglich der fortlaufenden Angriffe auf ihre Person: „Die Grenzen dessen, was ohne Androhung von Repressalien gesagt werden darf, werden immer enger gezogen.“

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