Direkt zum Inhalt

Appell an die Bundesregierung Beim Grundgesetz müsse die historische Chance zur Ergänzung genutzt werden

Von ms - 10.10.2025 - 11:00 Uhr
Appell an die Bundesregierung
Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie
ANZEIGE
Loading audio player...

Nach der gestrigen Bundestagsdebatte über die angedachte Ergänzung des Grundgesetzes mit dem Passus der „Sexuellen Identität“ in Artikel 3 als besonders schützenswerte Gruppe meldete sich jetzt der Verband Queere Vielfalt (LSVD+) mit einem eindringlichen Appell an die Bundesregierung zu Wort.

Ewiger Kampf ums Grundgesetz 

Seit über 30 Jahren wird das Projekt immer wieder auf die Agenda gesetzt und scheiterte stets an der nötigen Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat. Die Entwicklungen der letzten Jahre würden dabei jedoch eindringlich zeigen, wie dringend geboten eine Ergänzung jetzt sei, so Alexander Vogt aus dem Bundesvorstand des LSVD+: „Die Zahl der Straftaten im Bereich ´sexuelle Orientierung´ und ´geschlechtsbezogene Diversität´ hat sich seit 2010 nahezu verzehnfacht. Angriffe gegen queere Menschen, queere Orte – unsere Community – sind mittlerweile alltäglich.“ 

Grundsätzlich stellten jenseits der AfD alle anderen Parteien im Parlament gestern auch eindeutig klar, dass Homosexuelle und queere Menschen in Zeiten steigender Hasskriminalität in Deutschland stärker geschützt werden müssen. Allerdings: Für die Union steht erneut ebenso fest, dass alle Menschen bereits gleichwertig durch das Grundgesetz geschützt sind, es bedürfe daher keiner weiteren Ergänzung. 

Mehr als Symbolpolitik 

„Eine explizite Nennung von LSBTIQ* im Grundgesetz hat einen wichtigen symbolischen Wert, der in diesen politischen Zeiten nicht zu unterschätzen ist. Das haben auch die verbalen Entgleisungen der AfD in der Debatte verdeutlicht. Und auch materiell-rechtlich macht die Einführung einer expliziten Kategorie einen Unterschied: Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Schutz sexueller Identität ist zwar mittlerweile gefestigt, aber kann sich dennoch wieder ändern“, so Vogt weiter. 

Das Paradebeispiel ist der Paragraf 175, der bis 1994 Sex unter Männern in unterschiedlich starker Ausprägung durch die Jahrzehnte hindurch kriminalisierte. Auch das sogenannte „Homosexuellenurteil“ des Bundesverfassungsgerichts von 1957 schützte Schwule davor nicht. Die Bedenken von queeren Vereinen sind daher klar: Politische Mehrheiten können sich ändern und damit auch Gesetze für oder gegen die Community. Ein festgeschriebener expliziter Schutz von LGBTIQ+-Menschen im Grundgesetz ist indes eine Hürde, die dann so einfach nicht mehr genommen werden kann – unabhängig von der Frage, wer in Deutschland aktuell regiert. 

Appell an die Abgeordneten 

So richtet der LSVD+ sich abschließend deswegen abermals mit einem eindringlichen Appell an die Abgeordneten im Bundestag, insbesondere an die Vertreter von CDU/CSU: „Wir fordern jetzt alle Abgeordneten auf, konstruktiv miteinander ins Gespräch zu kommen. Auch wir stehen jederzeit für Gespräche zur Verfügung. Diese Gelegenheit muss genutzt werden: Historische Schutzlücke schließen, Grundgesetz sturmfest für die Zukunft machen!“, so Vogt abschließend. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNach dem CSD-Anschlag: Viele Bekundungen, kaum KonkretesndQueer | Razzia in Casa Kuá schüchtert Berliner trans* Community eintazRazzia in queerem Community-Ort: Alles wegen ein paar TablettenFrankfurter Allgemeine ZeitungMit Hilfe von Leihmutter: Niederländischer Ministerpräsident und sein Verlobter bekommen ein BabyAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie wichtig ist dir ein LGBTIQ+-freundliches Arbeitsumfeld bei der Wahl eines Arbeitgebers?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Kreativer Widerstand

Zehnkämpfer zeigt Haut aus Protest

Frauenfeindliche sexistische Witze von US-Comedian Shane Gillis sorgen aktuell für viel Empörung. Zehnkämpfer Chase Lathrop antwortet kreativ und sexy
Sorge um queere Sichtbarkeit

Pride-Teams wollen Kräfte bündeln

Mehr als 100 CSD-Veranstalter trafen sich in Recklinghausen. Sie warnen vor Anfeindungen und wollen sich bundesweit stärker unterstützen.
Geheimnisse bei Heated Rivalry

Jacob Tierney erklärt Serienerfolg

Ein neues Buch zeigt, wie „Heated Rivalry“ entstand, welche Szenen gestrichen wurden und was die zweite Staffel vorbereitet.
Rob Jetten wird Vater

Premier erwartet erstes Kind

Niederlands Premierminister Rob Jetten und sein Partner Nicolás Keenan erwarten im Frühjahr 2027 ihr erstes Kind durch eine Leihmutter.
Neue Pornogesetze in England

Verbot von Fetisch-Darstellungen

Großbritannien verschärft das Pornografie-Strafrecht: Ab November werden bestimmte sexuelle Darstellungen im Bereich Fetisch und Rollenspiele verboten
Regenbogen spaltet Amsterdam

Streit um queere Sichtbarkeit

Ein geplanter Regenbogenweg in Amsterdam sorgt für Streit. Während Initiatoren ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen wollen, protestieren Anwohner.
Keine PrEP in der Schweiz?

Ende der Kassenleistung 2027

In der Schweiz ist die Kostenübernahme für die HIV-Schutzpille PrEP nur bis Ende 2026 gesichert. LGBTIQ+-Verbände warnen vor Rückschritten.
Regenbogen-Steine für alle

Dragqueen rettet LGBTIQ+-Symbol

Nach dem Abriss eines Regenbogen-Zebrastreifens in Miami Beach verkauft eine Dragqueen dessen Pflastersteine nun für den guten Zweck.
Razzia in queerem Zentrum

Protest nach Einsatz in Berlin

Eine Polizeidurchsuchung im queeren Zentrum Casa Kuà in Berlin-Kreuzberg löst Proteste aus. Die Linke kritisiert den Einsatz scharf.