Direkt zum Inhalt

Amtseinführung im Dom Bischof Heiner Wilmer appelliert gegen Ausgrenzung

Von ms - 22.06.2026 - 10:30 Uhr
Amtseinführung im Dom
Foto: IMAGO / epd
ANZEIGE
Loading audio player...

Mit einer traditionellen und mehrstufigen Zeremonie ist Heiner Wilmer (65) am Sonntag als neuer Bischof von Münster in sein Amt eingeführt worden. Zunächst überreichte der Apostolische Nuntius in Deutschland die päpstliche Ernennungsurkunde. Anschließend wurde der Bischofsstab übergeben und schließlich die Kathedra im Hohen Dom in Besitz genommen. Als neuer Vorsitzender Bischofskonferenz, zugleich zuständig für Reformen rund um den Synodalen Weg, blickt auch die LGBTIQ+-Community mit gesteigertem Interesse auf den Geistlichen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Heiner Wilmer ist neuer Bischof des Bistums Münster und wurde im St.-Paulus-Dom feierlich eingeführt.
  • Die Amtseinführung erfolgte durch päpstliche Urkunde, Übergabe des Bischofsstabs und Inbesitznahme der Kathedra.
  • Rund 1.000 Gläubige sowie Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft nahmen teil.
  • Die LGBTIQ+-Community erhofft sich von ihm den Einsatz für Reformen als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. 
  • Wilmer rief in seiner Predigt zu klarer Haltung gegen Ausgrenzung, Gewalt und Missbrauch auf.
  • Der neue Bischof gilt als kirchenpolitisch reformorientiert.

Feierlichkeiten mit Tausenden Menschen

Die feierliche Amtseinführung im St.-Paulus-Dom verfolgten rund 1.000 geladene Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Weitere etwa 1.000 Menschen verfolgten das Geschehen bei hochsommerlichen Temperaturen auf dem Domplatz über eine große Leinwand. Unter den Gästen waren unter anderem Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU), Landtagspräsident André Kuper sowie die stellvertretende Ministerpräsidentin Niedersachsens, Julia Willie Hamburg (Grüne). Das Bistum Münster ist mit rund 1,6 Millionen Katholiken das größte Bistum Deutschlands und erstreckt sich über Teile Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens.

Zu Beginn der Zeremonie prüfte Dompropst Hans-Bernd Köppen die päpstliche Ernennungsurkunde, die zuvor vom Apostolischen Nuntius Hubertus van Megen überbracht worden war. Anschließend bestätigte er die Rechtmäßigkeit der Ernennung mit den Worten: „Mit Freude stellen wir fest, dass Sie der rechtmäßige Bischof von Münster sind.“ Im zweiten Schritt der Amtseinführung wurde der Bischofsstab durch Vertreter des Bistums in den Altarraum getragen und an den emeritierten Bischof Felix Genn übergeben. Dieser leitete den Stab weiter an Wilmer, der sein Amt damit offiziell übernahm. Genn hatte das Bistum bis 2025 geführt und ist der 76. Nachfolger des heiligen Liudger.

Zu lange weggeschaut 

Wilmer zeigte sich bei der Entgegennahme des Bischofsstabs sichtbar bewegt. In seiner Predigt stellte er die Frage nach Orientierung und Haltung in der heutigen Zeit. Er sagte: „Wozu stehen wir? Wozu bekennen wir uns?“ Zugleich betonte er, das Bistum kenne darauf „keine abstrakten, sondern gelebte“ Antworten. Mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen warnte der neue Bischof vor Wegsehen bei Unrecht. Bereits im Vorfeld seiner Amtseinführung hatte er sich deutlich zum Thema Missbrauch in der Kirche geäußert. „Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut“, sagte Wilmer damals im Dom. „Das alles darf es nie wieder geben, und ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist.“ Generell positionierte er sich gegen Ausgrenzung und Gewalt. 

Reformbereit auch für LGBTIQ+?

Wilmer stammt aus dem Emsland, wuchs auf einem Bauernhof auf und trat nach dem Abitur in den Orden der Herz-Jesu-Priester ein. Von 2018 bis 2026 war er Bischof von Hildesheim. Im Februar 2026 wurde er zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewählt, bevor ihn Papst Leo XIV. am 26. März 2026 zum Bischof von Münster ernannte. Der neue Bischof gilt innerhalb der katholischen Kirche als reformorientiert. In seinem bisherigen Bistum wurden unter seiner Leitung unter anderem alternative Leitungsmodelle mit Frauen erprobt. Zudem äußerte er sich wiederholt für eine Weiterentwicklung der kirchlichen Sexualmoral und sprach sich positiv über die Segnung homosexueller Paare aus. Zum Abschluss der Feier bedankte sich Wilmer bei den internationalen Gästen in mehreren Sprachen, darunter Englisch, Französisch, Polnisch, Niederländisch, Italienisch und Plattdeutsch. An seine frühere Diözese Hildesheim gerichtet sagte er: „Bei Euch habe ich gelernt, wie Bischofsein geht“, wofür er lang anhaltenden Applaus erhielt.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

DER STANDARDRegenbogenbank in Berliner Tiergarten nach CSD-Anschlag erneut beschädigttazTürkisches Nachrichtenportal gesperrt: Türkei immer abgehängterDie PresseBei aller Liebe, keinen Sex bitte: Mareike Fallwickls neuer Roman [premium]Frankfurter Allgemeine Zeitung„LGBT-Propaganda“: Warum die Türkei wirklich gegen ein renommiertes Onlineportal vorgehtAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wie sollte das Abstammungsrecht für Regenbogenfamilien geregelt werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

36 Jahre Deutsche Einheit

Leben nach dem Mauerfall

Vom Mauerfall bis zur Ehe für alle: Für LGBTIQ+-Menschen brachte die deutsche Einheit neue Freiheiten – aber auch unerwartete Rückschritte.
NHL entdeckt „Heated Rivalry“

Schwule Romanze soll Fans locken

Mit der PR-Aktion „Hot for Hockey“ greift die NHL den Erfolg von „Heated Rivalry“ auf – doch die Marketingstrategie stößt bei Fans auf viel Kritik.
Tom Ford zeigt Haut

Männer-Tanga wird Luxusmode

Tom Ford macht den Männer-Tanga zum Luxus-Look: Kreativdirektor Haider Ackermann verbindet in Paris schwulen Sexappeal mit eleganter Herrenmode.
US-Basketball-Coach sagt Ja

Liebe auf den ersten Blick

US-Basketballtrainer Matt Lynch und Cody Aaron haben sich nach mehr als zwei Jahren Beziehung verlobt – die Hochzeit soll 2027 folgen.
Mehr Schutz in Bangladesch

Petition gegen Diskriminierung

Studenten und Aktivisten in Bangladesch fordern mit einer Petition besseren Schutz für LGBTIQ+-Menschen und ein Ende der Diskriminierung.
Abstimmung über die Ehe

Virginias Änderung der Verfassung

Der US-Bundesstaat Virginia stimmt darüber ab, die Ehe für Homosexuelle in seiner Landesverfassung zu schützen. Ein Schritt mit viel Symbolkraft.
Eklat in Österreich

Streit um queere Touristen

Die FPÖ will Pride- und LGBTIQ+-Themen aus Österreichs Tourismuswerbung zurückdrängen – andere Parteien widersprechen.
Am Ende des Regenbogens

Kulturkampf in den Niederlanden

Niederlands Gemeinde Oldebroek will seine LGBTIQ+-Politik abschaffen und sorgt damit landesweit für Schlagzeilen und Entsetzen in der Community.
Mord auf den Philippinen

Militär tötet queere Aktivistin

Die trans* Aktivistin Kai Sorem wurde auf den Philippinen getötet. Die bisherigen Untersuchungen legen eine Vertuschung durch das Militär nahe.