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Affenpocken: WHO berät über Notstand 98 Prozent der Infizierten sind homo- und bisexuelle Männer

Von ms - 22.07.2022 - 10:00 Uhr
Affenpocken: WHO berät über Notstand
Foto: iStock / CasPhotography
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Die Weltgesundheitsorganisation WHO traf sich gestern Abend zum zweiten Mal binnen von nur vier Wochen, um über die aktuelle Affenpocken-Situation zu beraten und zeigte sich besorgt über die derzeitigen Entwicklungen. Ob die WHO eine Notlage ausrufen wird, ist noch unklar – erwartet wird ein Statement in den kommenden Tagen. immer mehr gesichert scheint allerdings zu sein, dass die aktuelle Verbreitung von MPX beinahe ausschließlich auf sexuelle Kontakte zwischen Männern zurückzuführen ist. Abermals warnt die WHO in diesem Zusammenhang trotzdem vor einer Stigmatisierung von schwulen und bisexuellen Männern (MSM).

Sollte die WHO in den kommenden Tagen eine “Notlage von internationaler Tragweite“ ausrufen, bedeutet das konkret erst einmal nur, dass Regierungen aktiv aufgerufen werden, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu erarbeiten. Zuletzt rief die WHO im Rahmen von Covid-19 eine solche Notlage aus – sie gilt als die höchste Alarmstufe der WHO bei Gesundheitsbedrohungen. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC wurden inzwischen mehr als 16.000 Fälle in über 70 Ländern verzeichnet, in Deutschland sind aktuell rund 2.200 Fälle bekannt, über 1.200 davon allein in Berlin. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat in diesem Zusammenhang ebenso gestern empfohlen, bei den Impfungen zunächst auf die zweite Impfung zu verzichten, damit in einem ersten Schritt alle MSM mit einem erhöhten Risiko eine Erst-Impfung bekommen können. Es gehe darum, die Infektionswelle abzuschwächen und so die Ausbreitung zu verlangsamen. Mit der Lieferung weiterer Impfdosen, die im dritten Quartal 2022 in Deutschland erwartet werden, solle dann die zweite Impfung erfolgen.

Immer mehr verdichten sich auch die Hinweise, dass die aktuelle Affenpocken-Ausbreitung beinahe ausschließlich durch sexuelle Kontakte weitergegeben wird, auch wenn MPX grundsätzlich nicht als sexuell übertragbare Krankheit definiert wird – auch durch anderweitig engen Körperkontakt oder durch die gemeinsame Verwendung von kontaminierten Gegenständen (Handtücher, Geschirr, Sexspielzeug) kann eine Infektion weitergetragen werden. Eine ebenso gestern veröffentlichte Studie im "New England Journal of Medicine" bestätigte, dass 95 Prozent der MPX-Infektionen durch Sex übertragen worden sind. Das Wissenschaftsteam um Studienleiter John Thornhill untersuchte dafür mehr als 500 Fälle in 16 Ländern: “Es ist wichtig zu betonen, dass die Affenpocken keine Geschlechtskrankheit im traditionellen Sinne sind. Sie können durch jede Art von engem Körperkontakt übertragen werden. Unsere Arbeit legt aber nahe, dass die meisten Übertragungen in Verbindung mit sexueller Aktivität stehen – hauptsächlich, aber nicht ausschließlich, zwischen Männern, die Sex mit Männern haben", so Thornhill. Die ersten Studienergebnisse decken sich mit fundierten Einschätzungen der WHO sowie auch des RKIs. 98 Prozent der infizierten Personen waren demnach homo- und bisexuelle Männer, rund 40 Prozent von ihnen sind zudem HIV-positiv. Ähnlich wie bei der Faktenauswertung des Berliner Gesundheitsamtes liegt das Durchschnittsalter der Infizierten auch länderübergreifend bei 38 Jahren.
 

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