Affenpocken in Österreich Impfstoff soll gestreckt zum Einsatz kommen
Die österreichische Regierung hat jetzt angekündigt, gezielter auf die Affenpocken-Gefährdungslage zu reagieren und will einen Teil der vorhandenen Impfdosen auch für eine vorbeugende Schutzimpfung bereitstellen. Österreich reagiert damit nicht nur auf die Forderungen der Gay-Community, sondern folgt auch der letzten Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA.
Wie in ganz Europa ist dabei zwar auch der Impfstoff in Österreich knapp bemessen, doch die Landesregierung folgt jetzt auch in einem weiteren Punkt den Vorschlägen der EMA, die besagen, dass für eine vorbeugende Schutzimpfung bereits ein Fünftel der herkömmlichen Dosis ausreichen könnte, insofern der Impfstoff direkt in die Haut injiziert wird und nicht nur unter der obersten Hautschicht eingesetzt wird. Die Herangehensweise soll die vorhandenen Impfstoffe sozusagen strecken, um mehr Österreicher aus der Risikogruppe impfen zu können. Nebst schwulen und bisexuellen Männern, die bis heute zum allergrößten Teil davon betroffen sind, soll aber auch das Gesundheitspersonal in den Kliniken geimpft werden.
Konkrete Angaben, wie viel Impfstoff aktuell in Österreich zur Verfügung steht, hat die Regierung nicht gemacht, zudem soll ein Teil des Impfstoffes zurückgehalten werden für die sogenannte Post-Expositionsprophylaxe (PEP), also als Notfall-Mittel, das bei Menschen zum Einsatz kommen soll, die Kontakt mit Infizierten gehabt haben. Politisch werden die neuen Richtlinien als “Gamechanger“ gefeiert und könnten vielleicht auch wegweisend für Deutschland sein. Hier wird bisher der Impfstoff nicht gestreckt – aktuell warten viele Homosexuelle auf die Lieferung weiterer Impfdosen, die für die Bundesrepublik bis Ende September erwartet werden. Deutschland hält indes auch weiter am System der zwei Impfungen für einen bestmöglichen Impfschutz fest. Welche Herangehensweise langfristig besser ist, ist umstritten. Epizentrum in Deutschland bleibt Berlin, hier werden nach wie vor rund die Hälfte aller Affenpocken-Fälle festgehalten. Bis Ende letzter Woche waren in der Landeshauptstadt rund 6.400 Impfungen durchgeführt worden, der Berliner Senat meldete einen ersten Rückgang bei der Zahl der Neuinfizierten.
Experten sowie LGBTI*-Verbände aus Deutschland und Österreich sind sich allerdings einig darin, dass es langfristig weit mehr Impfstoff braucht, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Die Deutsche Aidshilfe bekräftigte erst Anfang dieser Woche abermals ihre Forderung nach einer Million Impfdosen allein für Deutschland – aktuell werden nur 200.000 Einheiten erwartet.