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Affenpocken: Impfkampagne in der Kritik RKI erklärt: „Wir müssen sehr wachsam sein!“

Von ms - 05.07.2022 - 10:30 Uhr
Affenpocken: Impfkampagne in der Kritik
Foto: IMAGO / Bihlmayerfotografie
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In den letzten Tagen wurde die Kritik an der Affenpocken-Impfkampagne immer lauter, nachdem der Termin für den Start der Impfungen ein aufs andere Mal nach hinten verschoben worden war. Inzwischen sind die ersten 40.000 Dosen in Deutschland eingetroffen, weitere 200.000 Einheiten werden in den nächsten zwei bis drei Monaten erwartet. Im Fokus der Impfkampagne stehen schwule und bisexuelle Männer, die Sex mit mehreren Partnern haben – diese Personengruppe ist in Deutschland bisher in den allermeisten Fällen davon betroffen, grundsätzlich kann das Virus aber jeden Menschen befallen.

Deutschland gehört dabei neben Spanien und Großbritannien zu den Hotspots in ganz Europa – Epizentrum innerhalb der Bundesrepublik ist die Stadt Berlin. Zweidrittel aller Fälle sind hier verzeichnet. Aktuell sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) mehr als 1.050 Menschen mit dem MPX-Virus infiziert, rund 15 Prozent der Erkrankten müssen aufgrund zu starker Schmerzen im Krankenhaus behandelt werden. In Niedersachen und Nordrhein-Westfalen werden nach Angaben der Gesundheitsämter die ersten Impfungen an Risikopersonen bereits durchgeführt, teilweise in HIV-Schwerpunktpraxen oder an Universitätskliniken. Geimpft wird mit einem Pockenimpfstoff für Humane Pocken, der in hohem Maß auch gegen MPX helfen soll. In Berlin soll noch in dieser Woche mit den Impfungen begonnen werden, einen genauen Starttermin gibt es allerdings noch nicht. Die Deutsche Aidshilfe kritisiert die schleppende Herangehensweise, gerade mit Blick auf die am stärksten betroffene Stadt Berlin: „Seit dem 21. Juni gibt es eine STIKO-Empfehlung für Menschen mit hohem Risiko, aber wegen des weltweit knappen Impfstoffs setzen Rangeleien um die Verteilung ein. Wir fordern, dass die Impfung bei den Menschen mit dem höchsten Risiko ansetzt und in den Hotspots wie Berlin beginnt, wo zwei Drittel der Fälle in Deutschland verzeichnet werden“, so Silke Klumb von der DAH.

Einmal mehr betont Klumb auch weiter, dass viele schwule und bisexuelle Männer in Deutschland derzeit Angst vor einer erneuten Stigmatisierung haben, wie das gerade ältere Homosexuelle noch aus den Anfangszeiten von HIV kennen: „In diesen Wochen erleben wir in mancherlei Hinsicht ein Déjà vu: Es gibt wieder ein Virus, mit dem sich überwiegend Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben, infizieren; und gleich setzen überwunden geglaubte Mechanismen der Schuldzuweisung wieder ein (…) Wir setzen in unserer Berichterstattung auf sachliche, entängstigende Botschaften, die Risiken und Schutzmöglichkeiten für die Einzelnen aufzeigen.“ Die DAH hat daher auch eine Infoseite mit aktuellen Entwicklungen rund um MPX bereitgestellt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in diesem Zusammenhang mehrfach auch vor großen Festivals und Veranstaltungen wie Pride-Events gewarnt. Eine generelle Absage der Demonstrationen sei nicht nötig, trotzdem bestehe die Gefahr, dass die Veranstaltungen massiv dazu beitragen, dass sich MPX gerade innerhalb der Gay-Community weiter verbreitet. Das Virus wird durch engen Körperkontakt übertragen und überlebt auch längere Zeit, teilweise Tage oder Wochen, in der Luft oder auf Gegenständen. Die DAH rät daher auch dazu, bei sexuellen Aktivitäten auf Kondome zurückzugreifen.

Auch wenn die bisherigen Verläufe mehrheitlich mild verlaufen, warnen Experten zudem davor, das Virus auf die leichte Schulter zu nehmen. Zum einen mutiert dieses deutlich öfter als erwartet und üblich, zum anderen könne im Zuge der globalen Verbreitung das Virus auch außerhalb Afrikas in Europa heimisch werden. Bisher verbreitet sich das Virus fast ausschließlich bei MSM, wobei nach einer vorveröffentlichten Studie der Georgetown University im Magazin Science häufige Partnerwechsel eine zentrale Rolle für die rasche Verbreitung des Erregers spielen. Lars Schaade, Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts, geht davon aus, dass es noch einige Wochen dauern wird, bis die Infektionszahlen wieder abnehmen, wie er der Funke-Mediengruppe erklärte. Grundvoraussetzung dafür sei aber, dass die Risikogruppen gut informiert seien und der Impfstoff vernünftig eingesetzt werde. „Ich glaube aber, dass wir auch in den Monaten danach immer mal wieder Fälle sehen werden. Wir müssen sehr wachsam sein“, so Schaade abschließend.

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