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Schauspielerin Maren Kroymann über ihre Karriere

Sie wird glücklich älter Schauspielerin Maren Kroymann über ihre Karriere

co - 06.11.2023 - 17:00 Uhr
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Vor dreißig Jahren gehörte Maren Kroymann zu den wenigen Prominenten, die öffentlich über ihre Homosexualität sprachen. Diese damals gewagte Entscheidung hat sie nicht bereut, obwohl sie zuerst weniger Aufträge bekam. Heute ist Kroymann so gefragt wie kaum eine andere Künstlerin ihrer Generation.

Kalkuliertes Risiko

„Als ich mich geoutet habe, wusste ich ja, dass es mir passieren könnte, weniger zu tun zu haben. Aber das habe ich in Kauf genommen“, so Kroymann gegenüber Bild – nicht mehr lügen zu müssen war ihr einfach wichtiger. „Ich durfte damals sicher bestimmte Rollen plötzlich nicht mehr spielen. Aber im Rückblick beklage ich mich nicht, denn ich habe mich ja sehenden Auges in diese Situation begeben. Als dieser späte Karriereschub dann kam, war ich umso glücklicher, weil ich ihn nicht erwartet hatte.“

Nur wenige sichtbare Lesben

Zum Zeitpunkt von Kroymanns Coming-out gab es „viel weniger Frauen, die zu sich standen“. Tatsächlich fiel ihr im Gespräch nur die „wunderbare, tapfere Hella von Sinnen“ ein, die damals schon offen lesbisch war. Kroymann erklärte: „Männer waren immer wichtiger – in allen Branchen. Deshalb war es vermutlich insgesamt auch sichtbarer, wenn Männer sich outeten.“ Das lag wohl auch daran, dass nur gleichgeschlechtliche Handlungen unter Männer verboten waren, weshalb sie wohl auch mehr für ihre Rechte kämpften. „Irgendwann, erst viel später, wurden wir eine Community – was gut ist, weil wir uns gegenseitig unterstützen können. Aber uns Lesben musste vermutlich erst mit einzelnen, sichtbaren Vorbildern nachgeholfen werden. Vorbildern, die bewiesen haben, dass man auch als Lesbe weiterleben kann.“

Sie hatte ihr Leben anders geplant

Ursprünglich wollte Kroymann Lehrerin werden. Auf der Bühne stand sie lange nur in ihrer Freizeit. Als sie ihr Staatsexamen machte, „waren die Schauspielerei und die Liebe zu Frauen noch sehr weit weg“. Ihre politische und andere Überzeugungen zu vertreten, war Kroymann wichtiger „als die Frage, ob ich bestimmte Rollen bekomme oder nicht“. Sie dachte: „Das halte ich aus, wenn ich da keine Karriere mache …“ Der schwierigste Moment in Kroymanns beruflicher Laufbahn war ihr 27. Geburtstag: Ihre Beziehung war gescheitert, und das Staatsexamen hatte sie auch noch nicht in der Tasche. „Ich hatte keine Ahnung, was aus mir wird“, erinnerte sich Kroymann. Niemals wieder war sie derart besorgt über die Zukunft.

Gefragt wie nie

Für Frauen in der Unterhaltungsbranche ist es oft nicht einfach, älter zu werden. Kroymann möchte jedoch zeigen, „dass man ohne Eingriffe von außen gut alt werden kann“. Sie wisse genau, „wie ich immer noch auf Menschen wirken kann – obwohl ich alt bin“. Und weiter: „Es ist doch eigentlich toll, dass sich zum Ende meines Lebens hin alles so wunderbar auflöst, fast so, als ob etwas zum Blühen kommt.“ Tatsächlich ist Kroymann als „Unterhaltungsfachkraft“ heute mehr als voll ausgelastet. Sie findet das gut: „Eine leichte Überforderung hält mich jung – geistig und körperlich.“

Bekannt wurde Kroymann 1988 durch die SDR-Fernsehserie „Oh Gott, Herr Pfarrer“ mit Robert Atzorn. In der Filmsatire „Kein Pardon“ von Hape Kerkeling spielte sie 1993 die Rolle der Doris. Im Oktober desselben Jahres bekam sie mit „Nachtschwester Kroymann“ ihre eigene Satire-Sendung, die bis Ende 1997 lief. Im Jahr 2000 wurde Kroymann vor allem für ihr „mutiges und wegweisendes feministisches Kabarett“ mit dem Berliner Frauenpreis ausgezeichnet. Es folgten zahlreiche weitere Filme, Serien und andere Veröffentlichungen wie das Bühnenprogramm „In My Sixties“ – und mit ihnen auch weitere Auszeichnungen wie der Grimme-Preis. Kroymanns neuestes Projekt ist die Podcast-Serie „Marvel’s Wastelanders: Black Widow“, die ab dem 8. November auf Audible zu hören ist. Kroymann, die die Titelheldin Helen Black spricht, lernte für die Hörspiel-Reihe sie viel über Superheldinnen und -helden.

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