Recherche unter Gay-Bikern Die „Pillion“-Darsteller tauchten tief in die Kink-Community ein
Die Vorfreude auf die schwule BDSM-Romcom „Pillion“ ist groß, im März 2026 kommt der Film in die deutschen Kinos, während das Debüt von Regisseur Harry Lighton in Großbritannien bereits jetzt anläuft. Um uns die Wartezeit ein wenig zu verkürzen, haben die Hauptdarsteller Alexander Skarsgård und Harry Melling nun zusammen mit Lighton ein paar weitere Details ausgeplaudert. Skarsgård spielt im Film den dominanten Biker Ray, in den sich der schüchterne Colin (Melling) verknallt. Eine packende Story über schwule Lust, Macht und Selbstfindung.
Treffen mit echten schwulen Bikern
„Es war eine interessante Herausforderung“, sagte Melling, der sich für seine Rolle in „Pillion“ mit der Szene vertraut machte, indem er Zeit mit Mitgliedern des „Gay Bikers Motorcycle Club“ (GBMCC) verbrachte und auch auf einem Motorrad Platz nehmen durfte: „Ich wollte cool aussehen, aber sie gaben mir diese hässlichen Sicherheitsoveralls. Ich sah aus wie ein Weltraummensch. Mein Hauptproblem war aber, dass ich nicht die Grindr-Fotos bekam, die ich mir erhofft hatte.“ Auf die Rückfrage, was er habe tun müssen, um seine Loyalität gegenüber den Bikern zu beweisen, antwortete Melling mit einem Augenzwinkern: „Ich musste einen blasen.“ Schlussendlich betonte er zudem: „Es gab eine Menge Dinge, die wir über die Kultur und die Menschen gelernt haben.“ Zudem habe er durch den Film die „ungewöhnliche Fähigkeit des Stiefelleckens“ erlernt.
Auch Skarsgård musste sich intensiv mit der Kink-Welt auseinandersetzen. Doch während Melling sich in seine Rolle vertiefte, blieb Skarsgård mit seiner Darstellung von Ray als eine Art undurchdringliche, mysteriöse Figur eher zurückhaltend: „Ich habe nicht viel Hintergrundgeschichte für Ray entwickelt. Es war großartig!“, erklärte der Schauspieler trocken.
Kink und Konsens
Der Film dreht sich nicht nur um die erotischen Aspekte der BDSM-Welt, sondern legt überdies einen starken Fokus auf Konsens und Kommunikation. Eine besondere Szene spielt am Weihnachtsabend in einer dunklen Gasse – Colin kniet dabei vor Ray und gibt ihm einen Blowjob: „Wir haben diese Szene viel diskutiert. Wir haben auch eine Version probiert, die aggressiver war, aber wir wollten uns davon abwenden. Wir wollten, dass das Ganze als ein Moment des Konsens und der gegenseitigen Entscheidung verstanden wird“, erinnert sich Skarsgård.
Melling sieht das ähnlich: „Ich bin so froh, dass wir das getan haben. Denn für Colins Einstieg in die Beziehung öffnete es eine ganz andere Richtung. Der Film stellt sicher, dass die Zuschauer nicht den Eindruck bekommen, es handele sich um einen gewaltsamen Akt, sondern zeigt, dass die Beziehung zwischen Colin und Ray auf einem respektvollen und einvernehmlichen Fundament aufgebaut ist.“
„Es gibt viele Missverständnisse darüber, was BDSM bedeutet“, ergänzte dann Lighton. „Wir wollten eine Geschichte erzählen, die die Menschen dazu bringt, sich mit der Kultur auseinanderzusetzen, ohne Vorurteile oder Scham. Wir wollten die Menschen in die Welt des Kinks einladen, ohne sie zu verurteilen.“
Ehrlicher Blick auf Subkultur
Das Besondere an „Pillion“ ist dabei auch die Mischung aus Humor und ernsthaften Themen, die in der Geschichte behandelt werden. Lighton hatte ursprünglich geplant, eine andere Geschichte zu erzählen, bevor er auf die Novelle „Box Hill“ von Adam Mars-Jones stieß und sich entschloss, diese für die Leinwand zu adaptieren. Trotz seiner „kinky“ Themen behandelt der Film auch universelle Fragen über Identität, Selbstfindung und die Komplexität von Beziehungen. Der humorvolle Ansatz und die tiefgründigen Momente machen den Film zu mehr als nur zu einer erotischen Story. „Es gibt einen Moment in unseren letzten Szenen, als Ray Colin einen Blick zuwirft, der mich völlig überrascht hat. Es war fast so, als ob ich in Ray etwas gesehen hätte, das mir vorher nie aufgefallen war. Es war eine Offenbarung“, so Melling weiter.
Regisseur Lighton hat durch die Arbeit auch seinen Blick auf die ganze Community geweitet: „Die Diskussion, dass Kinks bei Prides nicht öffentlich gezeigt werden sollten, finde ich problematisch. Pride begann als ein Aufruf für queere Menschen, also sollten gerade die Marginalisierten, die Kink-Community, einen Platz einnehmen, nicht die Familien mit Fünfjährigen.“ Und Skarsgård ergänzte abschließend: „Wenn man über eine Subkultur erzählt, gibt es immer das Risiko, sie zu idealisieren. Aber was ich an diesem Film liebe, ist, dass er so unverschämt ehrlich ist. Er ist lustig, sexy und die Charaktere sind glaubwürdig.“ Die Folge: In den USA kommt der Film nur in einer zensierten Fassung in die Kinos.