Serie über Giorgio Armani Schwuler Kultregisseur schreibt das Drehbuch
Das Leben von Modelegende Giorgio Armani (1934-2025) soll als offizielle Fernsehserie verfilmt werden. Die Produktionsfirma Lux Vide hat ein entsprechendes Projekt jetzt angekündigt. Die Regie übernimmt der italienisch-türkische schwule Filmemacher Ferzan Ozpetek, wie das Variety-Magazin berichtet.
Das Wichtigste im Überblick
- Lux Vide produziert eine autorisierte TV-Serie über Giorgio Armani.
- Regie führt Ferzan Ozpetek, der auch am Drehbuch beteiligt ist.
- Die Armani-Maison stellt Archive, Kreationen und ikonische Orte zur Verfügung.
- Die Serie soll das Leben und Vermächtnis des Designers weltweit erzählen.
- Ein nicht autorisiertes Armani-Biopic bleibt parallel bestehen.
Visionär und brillanter Künstler
Ozpetek verbindet mit Armani eine langjährige persönliche Bekanntschaft. „Ich kannte, bewunderte und verbrachte viele Jahre mit Giorgio – sowohl bei offiziellen Anlässen als auch in privateren Situationen“, sagte der Regisseur gegenüber Variety. Die beiden hätten über Kino, Kunst, Kostüme, Architektur und das Leben selbst gesprochen. „In ihm sah ich einen Visionär und einen brillanten Künstler. Aber auch einen bodenständigen und sehr entschlossenen Menschen. Die Möglichkeit, seine Geschichte zu erzählen, ist zugleich eine aufregende Ehre und eine Herausforderung: Es geht darum, die vielen Facetten einer so komplexen, originellen und faszinierenden Persönlichkeit einzufangen“, erklärte Ozpetek. Der Regisseur arbeitet derzeit an seinem neuen Film „Nella Gioia e nel Dolore“ (In guten wie in schlechten Tagen), der zu Weihnachten in die Kinos kommen soll. Parallel schreibt er das Drehbuch der Armani-Serie gemeinsam mit Francesco Arlanch, dem Chefautor von Lux Vide. Arlanch war unter anderem an internationalen Serienproduktionen wie „Medici“ beteiligt. Für Ozpetek ist die Produktion nach der Serie „Le Fate Ignoranti“ („Die ahnungslosen Engel“) die zweite Arbeit im Serienbereich.
Schwuler Kultregisseur am Start
Der schwule Regisseur drehte 1997 seinen ersten Spielfilm und schuf dabei gleich einen Klassiker der schwulen Filmkultur: „Hamam – Das türkische Bad“. Bereits hier thematisierte er eine heimlich schwule Liebe – der Film öffnete ihm die Tür zu zahlreichen großen Festivals wie Venedig oder Turin. Es folgten weitere Filme mit schwulen Thematiken wie „Die Ahnungslosen“ oder auch „Männer al dente“. Özpetek gilt heute als einer der profiliertesten Vertreter des neueren italienischen Kinos. Im Mittelpunkt seiner Filme stehen fast immer gleichgeschlechtliche Liebespaare und ihr Schicksal im Kontext eines größeren Beziehungsgeflechts. Privat ließ der Regisseur 2016 in Rom seine Partnerschaft mit Simone Pontesilli eintragen. Die beiden Männer sind inzwischen seit rund 24 Jahren ein Paar.
Armani prägte Mode und Hollywood
Nach Angaben der Produzenten soll die internationale Eventserie die Geschichte jenes Designers erzählen, „der den Begriff Eleganz neu definiert und die Geschichte von Mode und Kleidung weltweit verändert hat“. Die offizielle Beschreibung spricht von „einer Geschichte von Genialität, Arbeit und Liebe“, durch die Armani ein weltweit bewundertes Stilimperium geschaffen habe. Giorgio Armani wurde international bekannt, nachdem Richard Gere 1980 in „American Gigolo“ ungefütterte Herrenjacken und dekonstruierte Anzüge des Designers trug. Armani veränderte später auch die Damenmode und kleidete zahlreiche Stars aus Hollywood.
Zu seinen Kundinnen gehörten unter anderem Julia Roberts, Diane Keaton, Jodie Foster, Cate Blanchett, Lupita Nyong’o, Anne Hathaway und Michelle Yeoh. Armani entwarf sowohl schlichte, minimalistische Looks als auch spektakuläre Abendmode. Dazu gehörte etwa der berühmte Armani-Anzug, den Julia Roberts 1990 bei ihrem Golden-Globe-Gewinn für „Magnolien aus Stahl“ trug, sowie Lupita Nyong’os mit Kristallen besetztes Paillettenkleid „Nairobi Blue“ bei den Oscars 2024. Auch zahlreiche männliche Schauspieler trugen Armani auf roten Teppichen und in Filmen, darunter Leonardo DiCaprio, George Clooney, Russell Crowe, Robert De Niro und Tom Cruise. Insgesamt stattete Armani mehr als 200 Filme aus.
Familie unterstützt Produktion
Giorgio Armani starb am 4. September 2025 im Alter von 91 Jahren. Der zurückhaltende Designer sprach nur selten über sein Privatleben. Er hatte eine langjährige Beziehung mit Sergio Galeotti, der 1985 an den Folgen von Aids starb. In seinen letzten Lebensjahren stand ihm Leo Dell’Orco zur Seite, sein langjähriger Mitarbeiter über fast ein halbes Jahrhundert. Dell’Orco erbte 40 Prozent des Unternehmens. Die Maison Giorgio Armani unterstützt die Produktion der Serie und stellt den Zugang zu ihren „Archiven, Kreationen und ikonischen Orten“ bereit. Dadurch solle ein „beispielloser Einblick in die Welt und das Vermächtnis einer der einflussreichsten Persönlichkeiten der Mode“ ermöglicht werden.
Lux-Vide-Gründerin und Präsidentin Matilde Bernabei erklärte: „Seit Jahren verfolgt Lux den Traum, der Welt die Geschichte von Giorgio Armani zu erzählen – einem Künstler, der einen einzigartigen und unverwechselbaren Stil erfunden hat.“ Armani sei „ein Botschafter des Made in Italy, der die Regeln von Stil und Eleganz neu geschrieben hat“. Die Serie werde „ambitioniert“ sein. Bernabei betonte zudem, dass der internationale Markt das Projekt sofort mit großem Interesse aufgenommen und dessen weltweites Potenzial bestätigt habe. Parallel bleibt das Projekt „Armani: The King of Fashion“ bestehen. Der Kinofilm unter der Regie von Bille August und produziert von Andrea Iervolino wurde jedoch nie von der Familie Armani autorisiert.