Der schwule US-Schauspieler Michael Johnston (30) hat über die religiös geprägten Ängste gesprochen, die ihn während seiner Kindheit und Jugend begleiteten. In seiner konservativen Baptistenfamilie im Bundesstaat North Carolina wurde ihm vermittelt, dass Homosexualität eine schwere Sünde sei und mit der Hölle bestraft werde.
Das Wichtigste im Überblick
- Schauspieler Michael Johnston wuchs in einer konservativen Baptistenfamilie im US-Bundesstaat North Carolina auf. In der Kirche wurde Homosexualität als schwere Sünde dargestellt.
- Als er mit elf oder zwölf Jahren seine Anziehung zu Männern bemerkte, empfand er dies als erschreckend und versuchte, seine Gefühle zu verbergen.
- Schwieriger Weg zur Selbstakzeptanz: Johnston ging mit einem Mädchen aus und bemühte sich, nicht feminin zu wirken. Erst sein Umzug nach Los Angeles mit 18 Jahren veränderte seine Einstellung.
- Schwule Rollen in „Teen Wolf“ und „Slash“ unterstützten ihn dabei, seine Homosexualität anzunehmen.
- Neue Sicht auf sich selbst: Was er früher als Schwäche empfand, betrachtet Johnston heute als Stärke.
Erste Gefühle für Männer
Im Interview mit der britischen Presse schilderte der aus „Obsession“ bekannte Schauspieler, wie diese Überzeugungen sein Selbstbild beeinflussten und weshalb es Jahre dauerte, bis er seine sexuelle Orientierung akzeptieren konnte. Johnston war nach eigenen Angaben etwa elf oder zwölf Jahre alt, als ihm erstmals bewusst wurde, dass er sich zu Männern hingezogen fühlte. Die Erkenntnis habe ihn damals zutiefst erschreckt. „Es war das Schlimmste, was mir überhaupt passieren konnte, denn alles, was ich in der Kirche gelernt hatte, war, dass Schwulsein das Schlimmste überhaupt ist und dass man dafür direkt in die Hölle kommt.“
Seine Familie gehörte den Südlichen Baptisten an, einer konservativen protestantischen Glaubensgemeinschaft in den Vereinigten Staaten. Sonntägliche Kirchenbesuche und das Lernen von Bibelversen waren fester Bestandteil seiner Kindheit. Die dort vermittelten Vorstellungen über Homosexualität übernahm Johnston zunächst als Urteil über sich selbst. „Ich bin eine Abscheulichkeit. Ich bin widerlich“, erinnerte er sich an seine damaligen Gedanken.
Versteckspiel aus Angst
Um nicht aufzufallen, versuchte Johnston, sich an die Erwartungen seines Umfelds anzupassen. Er verschwieg seine Anziehung zu Männern, ging mit einem Mädchen aus und achtete darauf, möglichst nicht feminin zu wirken. Der entscheidende Einschnitt kam mit seinem Umzug nach Los Angeles. Im Alter von 18 Jahren verließ er North Carolina und begann, sich in der neuen Umgebung allmählich wohler mit seiner Sexualität zu fühlen. Eine wichtige Rolle spielte dabei auch seine Schauspielkarriere. Bereits zu Beginn erhielt Johnston Angebote für schwule Figuren, obwohl er selbst noch nicht öffentlich geoutet war.
In der Fernsehserie „Teen Wolf“ verkörperte er den offen schwulen Corey Bryant. Später wirkte er in dem schwulen Drama „Slash“ mit. „Und natürlich, natürlich spiele ich diese schwulen Rollen ... und dabei war ich selbst noch gar nicht wirklich geoutet“, erzählte er. Eine Tante habe damals sogar gescherzt, die Rollen würden ihn noch „umpolen“. Die Arbeit an den Figuren ermöglichte Johnston, sich mit Erfahrungen und Gefühlen auseinanderzusetzen, die er zuvor lange verdrängt hatte. „Aber diese Rollen so früh in meiner Karriere zu spielen, hat mir definitiv geholfen, meine Sexualität zu akzeptieren und meine Einstellung dazu zu verändern. Früher dachte ich, sie sei eine Schwäche, und heute glaube ich, dass sie eine Stärke ist, weil sie mich einfach einfühlsamer gemacht hat.“
Schwule Filmfiguren im TV
Bereits während seiner Jugend, lange bevor er selbst schwule Rollen spielte, hatten Darstellungen homosexueller Menschen in Filmen und Fernsehserien für Johnston eine besondere Bedeutung. In einem Umfeld, in dem er seine Gefühle verheimlichte, boten ihm solche Figuren die Möglichkeit, Menschen mit ähnlichen Erfahrungen zu sehen. „Als ich aufwuchs, dachte ich jedes Mal, wenn ich eine schwule Figur sah: ‚Wow, es gibt noch andere. Ich bin nicht allein.‘“ Inzwischen steht Johnston selbst vor der Kamera und kann mit seinen Rollen eine vergleichbare Wirkung auf jüngere Zuschauer haben. „Wenn ich das für jemand anderen sein kann ... dann ist das unglaublich“. Die Sichtbarkeit schwuler Figuren betrachtet er deshalb nicht allein als Frage der Unterhaltung, sondern auch als Möglichkeit, Menschen in schwierigen persönlichen Lebenssituationen zu erreichen.
Neue queere Rolle
Nach seinem Durchbruch mit „Obsession“ plant Johnston bereits ein weiteres Projekt, in dem eine LGBTIQ+-Geschichte im Mittelpunkt stehen soll. Über Handlung, Besetzung und Produktion machte er noch keine näheren Angaben. Seine Vorfreude auf die Rolle brachte er allerdings deutlich zum Ausdruck. „In meiner Zukunft wird es eine wirklich unglaubliche queere Geschichte geben, und ich freue mich riesig darauf, sie zu spielen und meinen heißen Moment zu haben.“ Für seine schauspielerische Arbeit wurde Johnston erst diese Woche mit dem „Film Award“ ausgezeichnet.