Kim Cattrall wird 70 Schwule verehren sie bis heute für ihre sexpositive Kultfigur
Kim Cattrall wird heute 70 Jahre jung – und hat die berühmteste Figur ihrer Karriere offiziell längst hinter sich gelassen. Wirklich losgeworden ist sie Samantha Jones allerdings nicht, zur Freude ihrer Fans. Die selbstbewusste PR-Frau aus „Sex and the City“ gehört zu jenen Serienfiguren, die weit über ihre ursprüngliche Zeit hinauswirken. Gerade in der schwulen Community ist Samantha bis heute Kult. Viele schwule Fans feiern an ihr die kompromisslose Lust am Leben, ihre sexuelle Offenheit und ihre Weigerung, sich für Begehren oder ein selbstbestimmtes Leben zu rechtfertigen.
Das Wichtigste im Überblick
- Kim Cattrall wird 70: Heute feiert die Schauspielerin ihren runden Geburtstag.
- Samantha Jones bleibt Kult: Ihre Rolle in „Sex and the City“ hat Cattrall weltberühmt gemacht – und wird bis heute besonders von schwulen Fans verehrt.
- Sexuelle Offenheit als Stärke: Samantha stand für selbstbestimmte, kompromisslose Sexualität und half damit auch, den Blick auf andere sexpositive Menschen zu verändern.
- Viermal abgelehnt: Cattrall sagte zunächst viermal Nein zu „Sex and the City“, bevor sie die Rolle annahm.
- Bruch mit Sarah Jessica Parker: Zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen kam es zu einem öffentlich ausgetragenen Konflikt.
- Samantha bleibt zurück: Cattrall kehrte für „And Just Like That...“ nur kurz und ohne gemeinsamen Dreh mit Parker zurück.
Eine Figur, die den Blick auf Sexualität veränderte
Cattrall selbst feiert ihren heutigen 70. Geburtstag, wie US-Medien berichten. Ein Alter, das Samantha Jones vermutlich mit einem amüsierten Blick quittiert hätte. Die Serienfigur war eine Frau, die sich auch als Mittvierzigerin nicht dafür entschuldigte, älter zu werden. Sie wollte Männer, Sex, beruflichen Erfolg und ein Leben nach ihren eigenen Regeln. Cattrall gab ihr sechs Staffeln und zwei Kinofilme lang ihre Persönlichkeit, ihren Körper und ihre Stimme. Heute lebt die Schauspielerin ein deutlich anderes Leben. Samantha aber ist geblieben – als popkulturelle Figur und als Symbol für sexuelle Selbstbestimmung. „Sex and the City“ lief von 1998 bis 2004 und erzählte die Geschichte von Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda im New Yorker Großstadtleben. Die Serie sprach ungewöhnlich offen über weibliche Lust, Sex, Affären, Bindungsangst und die Frage, wie ein erfülltes Leben aussehen kann.
Frauen durften begehrend sein, ohne dafür bestraft zu werden. Sie durften Kinder wollen oder keine – und trotzdem im Mittelpunkt ihrer eigenen Geschichte stehen. Samantha trieb diese Haltung auf die Spitze. Sie machte weibliches Begehren sichtbar, offensiv und selbstbewusst. „Mit Samantha wurde es sexy, 40 zu sein“, sagte Cattrall 2025 der Times. Gerade diese Haltung machte Samantha auch für viele schwule Zuschauer zu einer Identifikationsfigur. Die Figur behandelte Sexualität nicht als etwas, für das man sich schämen musste, sondern als Teil eines selbstbestimmten Lebens.
Samantha war sexpositiv, ohne sich dafür rechtfertigen zu wollen. Das machte sie anschlussfähig an eine schwule Community, die selbst lange gegen Scham, Vorurteile und die moralische Abwertung sexueller Selbstbestimmung kämpfen musste. Samantha war dabei keine klassische Verbündete, die über große politische Botschaften funktionierte. Ihre Wirkung lag vielmehr in ihrer Haltung: Sie begehrte, sie sprach über Sex, sie setzte Grenzen und sie bestimmte selbst, mit wem sie intim sein wollte. Damit trug die Figur auch dazu bei, Vorstellungen von Menschen aufzubrechen, die Sexualität offen und selbstbestimmt leben. Und mit einigen ihrer Männer wären damals wie heute auch schwule Männer sehr gerne ins Bett gesprungen.
Viermal sagte Cattrall Nein
Dass ausgerechnet Kim Cattrall Samantha Jones spielte, war zunächst keineswegs sicher. Cattrall war bereits vor „Sex and the City“ eine etablierte Schauspielerin. Sie spielte unter anderem in „Police Academy“, „Big Trouble in Little China“, „Mannequin“ und „Star Trek VI“ und hatte sich auch auf der Bühne einen Namen gemacht. Als das Angebot für „Sex and the City“ kam, lehnte sie viermal ab. Cattrall war damals 41 Jahre alt und zweifelte daran, eine sexuell selbstbewusste Frau dieses Alters glaubwürdig verkörpern zu können. Später bezeichnete sie diese anfänglichen Absagen im People-Magazin als „self-inflicted ageism“, also selbst auferlegte Altersdiskriminierung.
Die Entscheidung für Samantha wurde schließlich zur Rolle ihres Lebens. 2003 erhielt Cattrall dafür einen Golden Globe. Nach dem Serienende folgten zwei Kinofilme. Für „Sex and the City 2“ standen Cattrall, Sarah Jessica Parker, Kristin Davis und Cynthia Nixon 2010 letztmals gemeinsam als Quartett vor der Kamera. Danach begann die Beziehung zwischen Cattrall und dem „Sex and the City“-Universum sichtbar zu zerbrechen.
Der Streit mit Sarah Jessica Parker
2017 sprach Cattrall im Gespräch mit Piers Morgan offen über das Verhältnis zu ihren früheren Kolleginnen. Auf die Frage, wann sie zuletzt mit ihnen gesprochen habe, antwortete sie: „Das muss Jahre her sein. Ich erinnere mich nicht mehr.“ Sie beklagte, dass „niemand einfach mal zum Hörer greift und fragt: 'Wie geht es dir?'“ In einer gesunden Beziehung erkundige man sich nach dem anderen oder wünsche sich gegenseitig Erfolg. Das sei nicht geschehen. Vielmehr fühle es sich wie ein „toxisches Verhältnis“ an – vor allem mit Sarah Jessica Parker. „Die Serie war die Fantasie, das hier ist die Realität.“
Der Konflikt wirkte auch deshalb so deutlich, weil die vier Frauen in der Serie über Jahre hinweg eine enge Freundschaft verkörpert hatten. 2018 sagte Parker in einer US-Talkshow, sie sei von Cattralls Äußerungen „tief getroffen“. Und weiter: „Es macht mich traurig. Und es entspricht nicht meinen Erinnerungen an damals. Wir haben auch auf der persönlichen Ebene vieles zusammen erlebt.“ Nur kurze Zeit später eskalierte der Streit erneut. Anfang 2018 verschwand Cattralls jüngerer Bruder Chris. Die Schauspielerin bat öffentlich um Hilfe bei der Suche. Wenig später wurde der 55-Jährige tot aufgefunden.
Parker sprach ihrer früheren Kollegin öffentlich ihr Beileid aus. Cattrall reagierte jedoch mit deutlichen Worten auf Instagram: „Du bist nicht meine Familie. Du bist nicht meine Freundin.“ Zudem warf sie Parker vor, die Familientragödie für ihr öffentliches Image zu instrumentalisieren. Der bereits bekannte Bruch zwischen den beiden wurde damit endgültig öffentlich. Im Gespräch mit Piers Morgan formulierte Cattrall einen Satz, der ihre weitere Entwicklung gut beschreibt: „Ich habe Samantha befreit.“ Gemeint war damit auch eine Befreiung von Kim Cattrall selbst. Denn so freizügig und selbstbewusst sie Samantha vor der Kamera verkörperte, musste sie sich diese Haltung offenbar auch für ihr eigenes Leben erarbeiten.
Ende des „Good Girls“
Das Ende der Serie fiel mit weiteren Veränderungen zusammen. Ihre dritte Ehe mit Mark Levinson war beendet; das Paar trennte sich Anfang 2003, 2004 folgte die Scheidung. Mit ihrem zweiten Ehemann, dem Architekten Andre J. Lyson, hatte Cattrall in den 1980er Jahren mehrere Jahre in Frankfurt am Main gelebt. Noch heute spricht sie deshalb ein wenig Deutsch. Nach ihrer dritten Ehe begann Cattrall Schritt für Schritt, sich von alten Erwartungen zu lösen. In einem Gespräch mit der spanischen Schauspielerin Mina El Hammani und Bill Kaulitz beschrieb sie diesen Prozess im vergangenen Jahr: „Frauen meiner Generation sind so aufgewachsen, dass wir jedem gefallen wollen. Diesen Good-Girl-Zwang loszuwerden, war wohl am schwierigsten für mich. Heute gilt: Bewerte mich danach, wer ich bin. Nicht nach meinem Geschlecht.“ Es klingt wie ein später Satz von Samantha Jones – nur ohne Männer, Manhattan und Cosmopolitans.
Cattrall liebt ein ruhigeres Leben
Cattralls heutiges Leben hat wenig mit dem glamourösen New York ihrer Serienfigur gemeinsam. Sie produziert und spielt, arbeitet für das Radio und übernimmt unter anderem in der BBC-Serie „Central Intelligence“ die Rolle einer CIA-Agentin. Außerdem stand sie für die Comedy-Serie „Sensitive Skin“ vor und hinter der Kamera. Privat verbringt sie viel Zeit in der Natur von Vancouver Island. Seit 2016 ist sie mit Russell Thomas zusammen. Im vergangenen Jahr heirateten die beiden heimlich in London.
Über die erste Begegnung mit ihrem heutigen Mann sagte Cattrall im Gespräch mit Bill Kaulitz: „Es war ein magischer Moment. Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich mit ihm zusammen wäre.“ Als besonderen Luxus empfindet sie heute die Einfachheit des Alltags. Dazu gehört etwa, wenn ihr Ehemann „Russ morgens die erste Tasse Tee ans Bett bringt.“ Mit zunehmendem Alter schätze sie Stabilität immer mehr: „Das fühlt sich ehrlich und stark an.“
Samantha fehlt – und bleibt
Als 2021 „And Just Like That...“, die Fortsetzung von „Sex and the City“, startete, fehlte Kim Cattrall. Für viele Fans war gerade das ein Schock. Denn damit wurde deutlich, wie wichtig Samantha Jones für die ursprüngliche Serie gewesen war. Während Carrie, Charlotte und Miranda häufig mit ihren Unsicherheiten und Grenzen kämpften, stand Samantha für Freiheit, sexuelles Selbstbewusstsein und kompromisslose Selbstverwirklichung. Ihre Abwesenheit hinterließ eine auffällige Lücke. Schließlich erhielt Cattrall einen persönlichen Anruf von den HBO-Chefs. In der zweiten Staffel tauchte Samantha tatsächlich wieder auf – allerdings anders als von vielen Fans erhofft.
2023 hatte Cattrall beim Promi-Sender „E!“ noch Hoffnungen auf eine Rückkehr im glamourösen „Samantha-Style“ geweckt. Am Ende blieb es bei einem zusammengeschnittenen Telefonat mit Carrie. Einen gemeinsamen Dreh mit Sarah Jessica Parker gab es nicht. Für die Wirkung der Figur war das kaum entscheidend. Samantha Jones hatte sich längst verselbstständigt. Besonders schwule Fans hielten ihr die Treue – gerade, weil sie eine Frau verkörperte, die Sex nicht als etwas Beschämendes betrachtete und andere Menschen nicht nach ihren sexuellen Entscheidungen beurteilte.
Damit wurde Samantha zu einer Figur, die über die eigentliche Serienhandlung hinaus bis heute Bedeutung bekam: als Ikone einer sexpositiven Haltung und als Verbündete einer Community, die sich in ihrer selbstverständlichen Offenheit wiedererkennen konnte. Cattrall selbst scheint mit dieser Vergangenheit inzwischen gelassen umzugehen. 2025 sagte sie dem People-Magazin: „Kim hat das Ruder übernommen.“ Das klingt zunächst nach einer endgültigen Abkehr von Samantha. Tatsächlich ist es vielleicht die souveränste Fortsetzung der Figur: Samantha gehört der Popkultur – und Kim Cattrall gehört wieder ganz sich selbst.