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Kaulitz` traurige Kindheit
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Kaulitz` traurige Kindheit Liebe, Schmerz und Heilung, doch alte Wunden bleiben

ms - 22.07.2026 - 10:30 Uhr
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Tokio-Hotel-Sänger Bill Kaulitz hat kurz vor dem Start der dritten Staffel von „Kaulitz & Kaulitz“ bei Netflix über queerfeindliche und homophobe Erfahrungen aus seiner Jugend gesprochen. In einem Interview mit dem Stern berichtete der 36-Jährige von Übergriffen, die ihn bis heute beschäftigen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Bill Kaulitz spricht über queerfeindliche Übergriffe während seiner Jugend. 
  • Der Tokio-Hotel-Sänger berichtet von körperlichen Übergriffen und Schamgefühlen. 
  • Sein Leben in Los Angeles habe ihm geholfen, die Erlebnisse einzuordnen. 
  • Der Tokio-Hotel-Sänger sagt, die Erlebnisse hätten bis heute Spuren hinterlassen.
  • Gemeinsam mit seinem Bruder Tom spricht er über die schwierige Kindheit in der Region Magdeburg.
  • In Staffel 3 der Netflix-Serie „Kaulitz & Kaulitz“ blicken Bill und Tom Kaulitz auf ihre Kindheit zurück. 

Übergriffe in seiner Jugend

Heute steht Bill Kaulitz für Selbstbewusstsein, extravagante Kleidung und einen offenen Umgang mit seiner Persönlichkeit. Doch der Weg dorthin war für den Tokio-Hotel-Frontmann nicht immer leicht. Kaulitz berichtet von homophoben Angriffen, die er in jungen Jahren erlebt habe. „Damals gab es Situationen, in denen mir die Hose runtergezogen wurde oder mir im Schwimmbad zwischen die Beine gefasst wurde“, sagte der Musiker. Die Angreifer hätten dabei versucht, sein Geschlecht zu identifizieren. „Das war für mich fast normal, und aus Scham habe ich es oft niemandem erzählt. Diesen Schmerz trage ich bis heute in mir“, sagte er. Bereits in seiner 2021 erschienenen Autobiografie „Career Suicide – Meine ersten dreißig Jahre“ hatte Kaulitz über seine Kindheit und prägende Erlebnisse gesprochen.

Neues Leben in Los Angeles

Im Jahr 2010 zogen Bill und sein Bruder Tom Kaulitz von Deutschland nach Los Angeles. Die US-Metropole wurde für beide zu einer neuen Heimat. Durch die räumliche Distanz zu seiner Vergangenheit und mit mehr Selbstsicherheit könne er heute anders auf die Erlebnisse zurückblicken. „Weil ich ein anderes Selbstbewusstsein habe, das es mir ermöglicht, meinen Schmerz von damals einzuordnen. Vielleicht sogar zu vergessen“, sagte Bill Kaulitz. Auch im Alltag sei er inzwischen weniger mit queerfeindlicher Ablehnung konfrontiert, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder beim Einkaufen. „Ich kann heute mit meinen Haaren und meinen ‚Penisschuhen‘ hier sitzen, weil ich weiß, dass ich mich wehren kann. Aber ich weiß, dass das für viele andere nicht die Realität ist“, betonte er weiter. 

Erfahrungen mit der Liebe

Im Interview sprachen die Brüder auch über ihre verschiedenen Erfahrungen mit Beziehungen. Bill Kaulitz erklärte, dass Liebe für ihn lange Zeit vor allem dann echt gewirkt habe, wenn sie mit Schmerz verbunden gewesen sei. „Ich bin so aufgewachsen“, sagte der schwule Sänger. Bereits als Kind habe er sich häufig in unerreichbare Menschen verliebt, etwa in heterosexuelle Freunde, die bereits eine Freundin hatten. Dabei habe er nach dem Prinzip gedacht: Wenn er mich wirklich liebt, wird er sich für mich entscheiden.

Sein Bruder Tom kommentierte diese Sichtweise trocken: „Und du hast zu viele dramatische Filme geschaut.“ Bill Kaulitz räumte ein: „Ich habe Schmerz und verletztes Ego oft mit dem Gefühl verwechselt, rasend verliebt zu sein.“ Eine unkomplizierte Beziehung habe er bisher nicht erlebt. Es habe keine öffentlich bekannte Partnerschaft gegeben und keine Beziehung, in der er mit einem Partner zusammengelebt habe. „Es war immer versteckt, ein Wegducken.“ Früher habe er selbst großen Wert auf Privatsphäre gelegt. Heute erschwere dagegen die öffentliche Aufmerksamkeit seine Partnersuche, weil viele mögliche Partner nicht bereit seien, an seiner Seite im Rampenlicht zu stehen. Seine Hoffnung auf Liebe habe er dennoch nicht verloren: „Ich glaube trotzdem noch an die Liebe.“

Tom Kaulitz beschreibt seine Erfahrungen dagegen völlig anders. Er sei fast sein gesamtes Leben in festen Beziehungen gewesen und habe Liebe nie mit Schmerz verbunden. Seit 2018 ist er mit Heidi Klum zusammen, seit 2019 sind beide verheiratet. „Bei Heidi und mir war es von Tag eins an schön“, sagte er. Die Anziehung zwischen ihnen bestehe bis heute, auch auf körperlicher Ebene. Klum hatte zuletzt öffentlich von gemeinsamen „Trainingseinheiten“ mit ihrem Ehemann gesprochen. Wie sehr ihm eine eigene Partnerschaft fehlt, spüre Bill Kaulitz besonders bei Hochzeiten. Dann werde er oft an den Single-Tisch gesetzt, während andere ihre Liebe feierten. Einen Partner wolle er jedoch nicht erzwingen: „Ein Partner wäre das i-Tüpfelchen in meinem Leben.“

Rückblick auf eine schwierige Kindheit

Bill und Tom Kaulitz sprechen regelmäßig über ihre Vergangenheit – unter anderem in ihrem Podcast „Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood“ und in ihrer Netflix-Dokumentation „Kaulitz & Kaulitz“. Die dritte Staffel der Serie erscheint morgen. Darin kehren die Zwillinge auch in ihre frühere Heimat zurück. Wie schwierig ihre Jugendzeit war, hatte Bill Kaulitz bereits gegenüber der Deutschen Presse-Agentur beschrieben. „Das war keine behütete Kindheit“, sagte er. Die Zeit sei von Angst, Hass und Gewalt geprägt gewesen. Gleichzeitig hätten diese Erfahrungen sie zu den Menschen gemacht, die sie heute seien. 

In der neuen Staffel reisen die Brüder gemeinsam für ein Klassentreffen an Orte ihrer Vergangenheit zurück. Für Bill Kaulitz war diese Begegnung ein wichtiger Schritt. „Für mich war das sehr heilend“, sagte er. „Ich mag nicht gerne so einen Groll mit mir rumtragen.“ Er betonte, dass weder er noch sein Bruder nachtragende Menschen seien. Auch Tom Kaulitz zog eine positive Bilanz des Treffens: Für ihn sei das Klassentreffen einer der schönsten Momente des vergangenen Jahres gewesen.

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