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Ben Platt in London
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Ben Platt in London Musicals, Ängste und ein starker Ehemann an seiner Seite

ms - 21.07.2026 - 15:30 Uhr
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US-Schauspieler und Sänger Ben Platt (32) spricht offen über seine Ängste, die politische Situation in den USA und die Bedeutung queerer Geschichten auf der Bühne. Der 32-Jährige, der mit dem Musical „Dear Evan Hansen“ weltweit bekannt wurde, ist derzeit in London für das neue Musical „Midnight at the Never Get“ auf der Bühne.

Das Wichtigste im Überblick

  • Schauspieler Ben Platt spricht offen über Ängste, Politik und seine Ehe.
  • Der US-Schauspieler lebt derzeit mit seinem Ehemann Noah Calvin in London.
  • In seinem neuen Musical spielt er erstmals eine ausdrücklich queere Bühnenfigur.
  • Der 32-Jährige kritisiert die politische Entwicklung in den USA und spricht über seine Karriere.

Höhen und Tiefen

Im Gespräch mit dem britischen Guardian beschreibt Platt Angst als ständigen Begleiter. Besonders sein Ehemann, Schauspieler Noah Galvin (32), helfe ihm dabei, mit dieser Belastung umzugehen. „Meine Beziehung zu meinem Mann ist ein enorm wichtiger Faktor dafür, meine Angst bewältigen zu können. Es gibt immer noch Höhen und Tiefen, aber alles ist überschaubarer, weil ich glücklicherweise ihn habe. Und etwas Kreatives zu haben, auf das ich mich konzentrieren kann, hilft ebenfalls sehr“, so Platt. Gemeinsam mit Galvin lebt der Schauspieler während der Proben in London. Galvin steht dort ebenfalls auf der Bühne und spielt im Stück „Hit Machine“.

Queere Bühnenfigur

In „Midnight at the Never Get“ übernimmt Platt die Rolle des Cabaret-Sängers Trevor. Das Musical spielt in einer Schwulenbar im New Yorker Stadtteil Greenwich Village der 1960er Jahre und entwickle sich, so Platt, zu „etwas Tieferem und Seltsamerem“. Über seine Figur sagt er: „Ich mag das Wort ‚extravagant‘ nicht besonders, weil es überstrapaziert wird, aber er sprüht vor Energie. Er trägt sein Herz offen auf der Zunge.“ Besonders wichtig sei für ihn, dass Trevor ein offen queerer Charakter ist. Trotz seiner langjährigen Karriere im Musical habe er eine solche Rolle bislang nie gespielt. „Ich bin mit Musicals aufgewachsen – jahrelang, in unzähligen Produktionen –, aber nie durfte ich auf der Bühne eine queere Figur spielen. Einen vielschichtigen Charakter zu spielen, der ausdrücklich queere Liebeslieder mit Details einer queeren Romanze singt, fühlt sich unglaublich befreiend an.“

Sorgen über die Politik

Das Musical selbst sei nicht ausdrücklich politisch. Dennoch erscheint es in einer Zeit, in der Platt die Entwicklung der Rechte sexueller Minderheiten in den USA mit Sorge verfolgt. „Amerikaner zu sein fühlt sich im Moment ziemlich hilflos und beängstigend an“, sagt er. Gleichzeitig bleibe er optimistisch, wenn er an seine Heimatstadt New York denke. Der neu gewählte Bürgermeister Zohran Mamdani stehe für „eine andere Art von Politik – im Gegensatz zu verletzendem und schmerzhaftem Lärm um des verletzenden und schmerzhaften Lärms willen,“

Früher Start auf der Bühne

Platt steht bereits seit seiner Kindheit auf der Bühne. Seine erste Schulaufführung absolvierte er im Alter von sechs Jahren als Prinz in Cinderella. „Ich erinnere mich vor allem an dieses Kribbeln voller Energie vor dem Auftritt und daran, wie aufgeregt ich war.“ Schon früh habe er möglichst schnell erwachsen werden wollen. „Ich wollte schnell erwachsen werden. Ich wollte unbedingt so sein wie die Erwachsenen, mit denen ich gearbeitet habe, und als einer von ihnen gelten.“

Seinen internationalen Durchbruch feierte Platt mit der Hauptrolle im Musical „Dear Evan Hansen“, die er bereits während der frühen Entwicklungsphase übernahm und später am Broadway spielte. „Ich war zuvor nie dazu aufgefordert worden, emotional so weit zu gehen. Das Material war so stark, dass es mich dazu zwang, über mich hinauszuwachsen.“ Die Rolle habe ihn über Jahre vollständig eingenommen. „Ich habe mein ganzes eigenes Leben auf stumm geschaltet. Meine persönliche Entwicklung stellte ich hinten an und lebte viele Jahre ausschließlich in der Welt dieser Figur.“ Für seine Darstellung erhielt Platt einen Tony Award.

Kritik am Kinofilm

2021 spielte er die Hauptrolle auch in der Verfilmung des Musicals. Die Produktion wurde allerdings heftig kritisiert. Platt war damals 27 Jahre alt und wurde unter anderem als zu alt für die Rolle eines Highschool-Schülers bezeichnet. Zudem wurde diskutiert, dass sein Vater als Produzent an dem Film beteiligt war. „Es war hart, aber das gehört zu den Lektionen dieses Berufs. Manchmal läuft etwas nicht gut und man muss akzeptieren, dass die Achterbahn erst nach unten fährt, bevor sie wieder nach oben geht. Dass es ausgerechnet diese Figur betraf, machte es etwas schmerzhafter – aber man macht weiter.“ Seine Verbindung zu der Figur habe darunter jedoch nicht gelitten. „Die Rolle hat mein Leben in jeder Hinsicht verändert. Ich bin froh, dass es den Film gibt, und hoffe, dass die Geschichte freundlich mit ihm umgehen wird.“

Traumrolle und Langzeitprojekt

Zu seinen größten beruflichen Wünschen zählt weiterhin die Rolle des George im Stephen-Sondheim-Musical „Sunday in the Park with George“. Platt dazu: „George, George, George. Diese Rolle bedeutet mir alles, was ein Musical für mich ausmacht. Es geht um das Opfer, das man als Künstler bringen muss – darum, dass man zu einem gewissen Teil in seinem Kopf lebt. Das ist wunderschön, aber auch eine harte Wahrheit.“ 

Derzeit arbeitet er außerdem an Richard Linklaters Verfilmung des Musicals „Merrily We Roll Along“. Das außergewöhnliche Filmprojekt wird über fast zwei Jahrzehnte hinweg in Echtzeit gedreht und soll erst 2038 abgeschlossen werden. „Wir sollen 2038 fertig sein. Dann werde ich 45 sein. Das ist völlig verrückt und gleichzeitig wie ein Familientreffen, das alle paar Jahre stattfindet.“ Auch einen weiteren Wunsch verrät Platt zum Abschluss: „Wie wohl jeder schwule Mensch auf der Welt hoffe ich, irgendwann einmal in ‚Angels in America‘ mitzuspielen. Aber das Idealszenario ist immer, dass etwas völlig Neues plötzlich auftaucht und alles verändert.“

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