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Hape for President

Hape for President Kerkeling warnt vor Rückschritten für die Community

ms - 11.06.2026 - 08:30 Uhr
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Eine im Internet gestartete Petition zur Unterstützung von Hape Kerkeling für das Amt des Bundespräsidenten stößt auf wachsende Resonanz. Nach Angaben der Initiatoren haben inzwischen nach knapp einer Woche bereits fast 30.000 Menschen den Aufruf unterzeichnet. Die Kampagne richtet sich an die Fraktionsspitzen von Union, SPD, Grünen und Linken im Deutschen Bundestag.

Das Wichtigste im Überblick

  • Online-Petition für Hape Kerkeling als Bundespräsident erreicht rund 30.000 Unterstützerinnen und Unterstützer.
  • Initiatoren fordern die Bundestagsfraktionen von Union, SPD, Grünen und Linken zu einer gemeinsamen Kandidatur auf.
  • Als Begründung wird unter anderem Kerkelings Rede in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald genannt.
  • Der Entertainer reagierte auf entsprechende Spekulationen mit einer ironischen Bemerkung.
  • 2027 endet die Amtszeit von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
  • Kerkeling übernimmt in diesem Jahr repräsentative Rollen bei mehreren Christopher Street Days.
  • Der Entertainer warnt eindringlich vor einem Rückschritt bei den Rechten von LGBTIQ+-Menschen.

Initiatoren betonen KZ-Rede

In dem Text der Petition heißt es: „Nominieren Sie Hans-Peter Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten für die Wahl am 30. Januar 2027.“ Weiter wird argumentiert: „Deutschland braucht an der Spitze keine Parteitaktik, sondern eine Persönlichkeit, die unser Land würdig repräsentiert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stiftet.“ Die Initiatoren begründen ihre Forderung unter anderem mit Kerkelings Auftritt bei einer Gedenkveranstaltung in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald. Dort habe der Künstler nach ihrer Einschätzung gezeigt, dass er weit mehr als nur ein erfolgreicher Unterhaltungskünstler sei. In der Petition heißt es dazu: „Seine Rede in der Gedenkstätte Buchenwald am 12. April 2026 hat viele von uns erschüttert und gleichzeitig inspiriert. Er sprach dort als Enkel von Hermann Kerkeling, der drei Jahre in Buchenwald für die Freiheit litt. Kerkeling hat klargemacht, dass unsere Demokratie tägliche Pflege und eine lebendige Erinnerungskultur braucht.“

Der heute 61-Jährige zählt seit vielen Jahren zu den bekanntesten Persönlichkeiten der deutschen Unterhaltungsbranche. Als Komiker, Schauspieler, Moderator und Autor feierte er zahlreiche Erfolge. Besonders populär wurde er mit seiner Figur Horst Schlämmer. Auch als Schriftsteller erreichte er ein Millionenpublikum, unter anderem mit dem Bestseller „Ich bin dann mal weg“. Bei der Gedenkveranstaltung zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald erinnerte Kerkeling an das Schicksal seines Großvaters. Dieser war nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten inhaftiert worden, nachdem er Flugblätter gegen Adolf Hitler verteilt hatte. In seiner Ansprache mahnte Kerkeling, „Nie wieder“ müsse der tägliche Kompass gesellschaftlichen Handelns bleiben.

Entscheidung im Herbst erwartet

Wer 2027 die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier antreten wird, ist bislang offen. Nach zwei Amtszeiten wird Steinmeier das höchste Staatsamt nach zehn Jahren verlassen. Gewählt wird das Staatsoberhaupt von der Bundesversammlung, in der Bundestagsabgeordnete sowie Delegierte der Länder vertreten sind. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD will nach bisherigen Angaben erst im Herbst über eine mögliche Kandidatin oder einen möglichen Kandidaten entscheiden.

Mehrere Medien griffen die Petition inzwischen auf. In einem Beitrag von „Stern TV“ äußerte sich Kerkeling selbst zu den Spekulationen um seine Person. Dort sagte er: „Ich muss ihnen ehrlich sagen, nach all dem, was in der Welt passiert und wer so an der Spitze von Nationen steht – ich schließe nichts mehr aus.“ Seine Bemerkung war allerdings deutlich ironisch gefärbt. Grundsätzlich gelten Online-Petitionen als Instrument mit begrenztem Einfluss auf tatsächliche politische Personalentscheidungen.

Kerkeling warnt vor Rückschritten

Neben der Diskussion um eine mögliche Kandidatur engagiert sich Kerkeling in diesem Jahr bei mehreren Veranstaltungen der queeren Community. So übernimmt er die Schirmherrschaft für den Christopher Street Day am 20. Juni im brandenburgischen Golßen. Zudem wird er den CSD in Leipzig als offizieller Botschafter unterstützen. Die Veranstalter machten die Zusammenarbeit gestern öffentlich. Wer neben Kerkeling die zweite Botschafterrolle übernehmen wird, wurde zunächst nicht bekannt gegeben.

In seinem Grußwort für die Leipziger Veranstaltung am 18. Juli schlägt der Entertainer nachdenkliche Töne an. Darin schreibt er: „Unser diesjähriges Motto 'Keine Ruhe, kein Zurück – Queere Rechte Stück für Stück!' klingt kämpferisch, und das muss es auch. Denn wir spüren alle, dass der Wind kälter wird.“ Kerkeling warnt zugleich vor gesellschaftlichen Rückschritten: „Wenn Errungenschaften, die wir für sicher hielten, wieder zur Debatte stehen, wenn Menschen Angst haben müssen, händchenhaltend durch unsere Innenstädte zu laufen, dann ist das ein Alarmzeichen für uns alle.“

Außerdem betont er die Bedeutung eines dauerhaften Einsatzes für demokratische und gesellschaftliche Freiheiten. Dazu erklärt er: „Freiheit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann in den Schrank stellt. Freiheit ist wie ein Garten: Man muss sie hegen, pflegen und manchmal auch gegen Unkraut verteidigen.“ Mit seinen deutlichen Worten knüpft Kerkeling an eine Debatte an, die aus seiner Sicht weit über die Rechte queerer Menschen hinausgeht und grundlegende Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts berührt.

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