Mehr als zehn Jahre nach dem Ende der erfolgreichen Musicalserie „Glee“ steht eine Rückkehr an die William McKinley High School bevor. Die Streamingdienste Disney+ und Hulu haben nach Informationen des US-Branchenmagazins Variety eine Neuauflage der Produktion genehmigt. Verantwortlich für das Projekt ist erneut Serienschöpfer Ryan Murphy, der bereits an einem neuen Drehbuch arbeitet und Gespräche mit früheren Darstellern führt.
Das Wichtigste im Überblick
- Neuauflage bestätigt: Disney+ und Hulu haben grünes Licht für eine neue Version der erfolgreichen Musicalserie „Glee“ gegeben.
- Originalschöpfer kehrt zurück: Ryan Murphy entwickelt das Projekt gemeinsam mit seinen früheren Autorenkollegen Brad Falchuk und Ian Brennan.
- Murphy steht nach eigenen Angaben mit etwa zehn Mitgliedern der ursprünglichen Besetzung in Kontakt.
- Chris Colfer zögert: Der frühere Kurt-Hummel-Darsteller hat Bedenken gegen eine Rückkehr, insbesondere wegen des Todes mehrerer ehemaliger Kollegen.
- Geteilte Reaktionen: Während einige Zuschauer auf ein Wiedersehen hoffen, befürchten andere, dass eine Neuauflage dem Vermächtnis der Kultserie schaden könnte.
Viele offene Fragen
Die Ankündigung sorgt unter den Anhängern der Serie für unterschiedliche Reaktionen. Während sich ein Teil des Publikums über die Aussicht auf neue Geschichten aus dem Schulchor freut, halten andere eine Wiederbelebung des Formats für unnötig. Die Serie hat aufgrund ihrer Vorreiterrolle bis heute eine besondere Bedeutung und große Anhängerschaft in der LGBTIQ+-Community. Dabei steht die zentrale Frage im Raum, ob die Mischung aus Musik, gesellschaftlichen Konflikten und provokantem Humor auch heute noch funktionieren würde. Dass Murphy eine Rückkehr der Serie in Betracht zieht, hatte sich bereits im Juli abgezeichnet. Damals sprach der Produzent gegenüber dem US-Magazin People über seine Verbundenheit mit dem Format und die Möglichkeit, dessen Geschichten für eine neue Generation aufzubereiten.
„Meine Nostalgie und meine Liebe zu dieser Serie sind so groß, dass ich mir denke: ‚Vielleicht würden die Leute gerne eine neue Version davon sehen, in welcher Form auch immer.‘ Also ja, ich liebe diese Serie, und ich habe geliebt, was aus ihr geworden ist und wie viel sie so vielen Menschen bedeutet hat“, sagte Murphy. Inzwischen sind die Überlegungen offenbar konkreter geworden. Gemeinsam mit Brad Falchuk und Ian Brennan, die bereits an den ersten beiden Staffeln beteiligt waren, hat Murphy an einem Drehbuch für die Neuauflage gearbeitet. Noch ist allerdings unklar, wie eng sich die neue Produktion an der ursprünglichen Serie orientieren wird. Auch über mögliche neue Hauptfiguren und die Besetzung liegen bislang keine offiziellen Einzelheiten vor.
Frühere Darsteller
Eine zentrale Frage betrifft die Rückkehr bekannter Gesichter. Schließlich prägten die Schauspieler der ursprünglichen Besetzung den Erfolg der Serie maßgeblich. Murphy erklärte gegenüber Entertainment Tonight, dass er bereits mit mehreren ehemaligen Ensemblemitgliedern über das geplante Projekt gesprochen habe. „Ich stehe mit ungefähr zehn Mitgliedern der Originalbesetzung in Kontakt. Es ist wirklich schön, und sie hatten alle viele Fragen, waren aber auch alle sehr begeistert von der Idee“, sagte der Produzent. Welche Schauspieler zu diesen zehn Personen gehören, verriet er nicht. Ebenso wenig steht fest, ob die früheren Darsteller erneut größere Rollen übernehmen oder lediglich Gastauftritte absolvieren könnten.
Kommt Chris Colfer zurück?
Einer der bekanntesten früheren „Glee“-Darsteller und Liebling der Community gehört bislang offenbar nicht zu den bislang kontaktierten Schauspielern. Chris Colfer, der in der Originalserie den offen schwulen Schüler Kurt Hummel verkörperte, erklärte kürzlich, dass Murphy ihn noch nicht angesprochen habe. Der Schauspieler äußerte zudem Zweifel, ob er noch einmal in seine frühere Rolle schlüpfen möchte. Dabei verwies er auf den Tod mehrerer ehemaliger Kollegen. Mit Cory Monteith, Mark Salling und Naya Rivera sind inzwischen drei Darsteller der ursprünglichen Besetzung gestorben. Besonders der Verlust von Rivera würde eine Rückkehr für Colfer emotional schwierig machen. Vollständig ausschließen wollte er eine Beteiligung allerdings nicht: „Aber ich weiß auch, dass die ‚Glee‘-Fans wahrscheinlich mit Mistgabeln hinter mir her wären, wenn ich ‚Nein‘ sagen würde. Deshalb weiß ich es nicht.“ Fans des Reboots machte er dann Tage später erneut Hoffnung bei einem gemeinsamen Bühnenaufritt mit Darren Criss, der in der Kultserie seinen Freund spielte.
Internationaler Erfolg
Die ursprüngliche Musicalserie startete 2009 beim US-Fernsehsender Fox. Bis zum Ende im Jahr 2015 entstanden sechs Staffeln, die sich zu einem internationalen Fernseherfolg entwickelten, auch in Deutschland. Die Handlung spielte an der fiktiven William McKinley High School in Lima im US-Bundesstaat Ohio. Im Mittelpunkt stand ein Schulchor, dessen Mitglieder neben ihren musikalischen Ambitionen mit persönlichen Problemen, Freundschaften, Liebesbeziehungen und gesellschaftlichen Konflikten zu kämpfen hatten. Die Serie verband humorvolle und dramatische Geschichten mit aufwendig inszenierten Musiknummern. Zu den bekanntesten Liedern gehörten Coverversionen von „Don't Stop Believin'“, „Bohemian Rhapsody“, „Teenage Dream“, „River Deep, Mountain High“ und „Smooth Criminal“. Auch bei den wichtigsten Fernsehpreisen war die Produktion erfolgreich. Insgesamt erhielt „Glee“ 40 Emmy-Nominierungen und gewann sechs Auszeichnungen. Der musikalische Erfolg hält bis heute an. Nach Angaben von Variety verzeichnet die Musik der Serie beim Streamingdienst Spotify durchschnittlich 4,1 Millionen monatliche Hörer.
Gesellschaftliche Themen
Neben den musikalischen Darbietungen trug vor allem der Umgang mit gesellschaftlichen Fragen zur Popularität der Serie bei. „Glee“ beschäftigte sich unter anderem mit Sexualität, ethnischer Herkunft, Behinderungen und psychischer Gesundheit. Dabei griff die Produktion regelmäßig Themen auf, die im Jugendfernsehen zuvor weniger offen behandelt worden waren. Die Geschichten waren häufig von einem direkten, teilweise provokanten Humor geprägt. Manche Dialoge und Handlungsstränge lösten bereits während der ursprünglichen Ausstrahlung Kontroversen aus. Für zahlreiche Fans gehörte gerade dieser Umgang mit sensiblen Themen zu den besonderen Merkmalen der Serie. Mit Blick auf eine Neuauflage stellt sich deshalb die Frage, ob das damalige Konzept unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen noch dieselbe Wirkung entfalten könnte. Kritiker befürchten, dass eine modernisierte Version entweder zu weit vom Original abrücken oder mit dessen früherem Humor auf Ablehnung stoßen könnte. Ein Veröffentlichungstermin wurde bislang nicht genannt.