Debatte um Coming-Out Christen und Konservative wettern gegen besondere Szene
Das Finale von „Stranger Things“ ist überlebt und die allermeisten Fans online zeigen sich hoch zufrieden mit dem Ende der erfolgreichsten Netflix-Serie aller Zeiten. Allerdings gibt es auf digitalen Foren und in den sozialen Medien noch immer zahlreiche Debatten darüber, ob ein Coming-Out der Serienfigur Will Byers überhaupt „nötig“ gewesen wäre – vielfach kommentiert von homophoben und christlichen Hardlinern.
Ein „überraschendes“ Coming-Out
Manche Zuschauer zeigten sich indes sogar überrascht, dass der Charakter schwul ist – eine Begebenheit, die sich nur damit erklären lässt, dass jene Menschen die Serie offenbar nicht verstanden haben. Bereits in der ersten Folge in Staffel 1 von „Stranger Things“ ist die Rede davon, dass Will Byers „anders“ ist, im Laufe der weiteren Folgen wird die Homosexualität immer klarer, bevor sie in Staffel 4 wie dann auch in Staffel 5 ganz offen mehrfach thematisiert wird.
Ebenso wenig überraschend war dann das Coming-Out in der vorletzten Folge 7 der finalen Staffel – eine Szene, in der sich Will mit sehr emotionalen Worten an seine Freunde und seine Mutter richtete und sich im sehr typischen 1980er-Jahre Stil als schwul outete, als er erklärte, er möge keine Mädchen, wenigstens nicht so wie seine Freunde. Die Community feierte das Coming-Out, eine Kernszene der ganzen Serie, die überdies nicht als Selbstzweck eingebaut worden war, sondern auch zur Weiterführung der Story diente – erst, wenn Will offen zu seinen Gefühlen und seiner Homosexualität steht, ist es ihm möglich, Erzbösewicht Vecna kraftvoll entgegenzutreten. Die Duffer-Brüder und Masterminds der Serie arbeiteten über Monate zusammen mit Schauspieler Noah Schnapp an dieser einen Szene.
Statement der Duffer-Brüder
Trotzdem hagelte es online von Homophoben und konservativen Hardlinern massive Kritik, das Coming-Out sei „aufgezwungen“ und „komplett unnötig“ gewesen. Auch X-Eigentümer Elon Musk bewertete das so. Die Schöpfer Matt und Ross Duffer haben auf die Kritik an der Coming-Out-Szene von Will Byers nun reagiert. In einem Interview mit „Variety“ erklärte Matt Duffer, dass er die heftige Gegenreaktion, einschließlich homophober Kommentare, nicht erwartet habe. „Es ist die ehrliche Wahrheit“, so Duffer. „Es ist, wie Ross gesagt hat, etwas, das wir über lange Zeit aufgebaut haben. Subtilität ist nicht eines der Dinge, die wir machen.“ Ross Duffer lobte in diesem Zusammenhang sowohl die Episode als auch die Leistung von Noah Schnapp und bezeichnete seine Darstellung als „sehr mutig und verletzlich“.
Ross Duffer teilte zudem mit, dass er nach der Ausstrahlung der Episode mit Schnapp in Kontakt gewesen sei. „Er ist sehr stolz auf die Szene, und wir sind ebenfalls stolz auf sie“, so Duffer. Schnapp outete sich 2023 in einem TikTok-Video öffentlich wie seine Hauptrolle Will als schwul. Trotz der Kritik an der Szene betonten die Duffer-Brüder weiter, dass die Handlung von Will Byers dazu diene, seine persönliche Reise zur Selbstakzeptanz darzustellen und gleichzeitig mit der Gesamtgeschichte der Staffel sowie seiner Rolle im Kampf gegen den Bösewicht Vecna in Verbindung steht. Wer das als „komplett unnötig“ einstuft, hat die Gesamtserie ganz offensichtlich nicht verstanden.