Direkt zum Inhalt

Cruising mit Al Pacino Hollywood-Schauspieler spendete seine Gage nach Schwulenprotesten

Von ms - 22.10.2024 - 15:00 Uhr
Cruising mit Al Pacino
Foto: IMAGO / Pond5 Images
ANZEIGE
Loading audio player...

Erstmals plauderte Oscarpreisträger und Hollywood-Schauspieler Al Pacino (84) jetzt über seinen bis heute umstrittenen Schwulenthriller „Cruising“ aus dem Jahr 1980. Der Film tauchte tief in die freizügige SM-Sexkultur der amerikanischen Gay-Community ein, Pacino spielte darin einen Undercover-Polizisten, der in der Schwulenszene nach einem Mörder sucht.

Angst vor Image-Verlust

Der Film wurde von William Friedkin („Der Exorzist“) geschrieben und inszeniert. Er basierte auf einer wahren Geschichte über einen Serienmörder, der es in den späten 1970er Jahren auf schwule Männer abgesehen hatte, die sich in der New Yorker Lederszene tummelten. Bis heute wird auch innerhalb der Gay-Community über den Film nach wie vor gestritten – bereits bei der Entstehung protestierten zahlreiche Schwulenaktivisten gegen den Film; sie waren der Auffassung, das Werk stigmatisiere sie und die Community. 

Der Film wurde kurz vor der Ausbreitung von AIDS gedreht, zu einer Zeit, als die schwule Gemeinschaft erstmals politisch und gesellschaftlich große Fortschritte machte. Es gab daher Befürchtungen, dass ein Film, der sich auf die schwule Bondage-Szene konzentriert und diese sehr hart und deutlich porträtiert, diese Fortschritte wieder zunichtemachen könnte. Außerhalb der schwulen Gemeinschaft sorgten die, für damalige Verhältnisse sehr freizügigen, sex-positiven Szenen außerdem für viel Gesprächsstoff. Pacino selbst gibt im Film den schwulen Ledermann, der immer tiefer in die hedonistische, sex-positive Atmosphäre der damaligen Szene abstürzt. „Cruising“ wurde dabei tatsächlich in Teilen an realen Schauplätzen in New Yorker Schwulenclubs gedreht.

Verzicht auf Film-Gage

Im Rahmen seiner Autobiografie mit dem Titel „Sonny Boy: A Memoir“ nahm Pacino nun erstmals ausführlich Stellung zu der Kontroverse der damaligen Zeit und überraschte mit einer besonderen Erklärung. Schon während den Dreharbeiten habe er ein offenes Ohr für die Sorgen der schwulen Demonstranten gehabt, täglich war die Produktion mit Protesten konfrontiert gewesen. Während der Dreharbeiten habe er den Film dabei trotzdem nicht als ausbeuterisch empfunden – erst, als er die endgültige Fassung sah, konnte er die Bedenken einiger Homosexueller verstehen. 

Pacino beschloss daraufhin, keine Interviews für den Film zu geben und seine gesamte Film-Gage für wohltätige Zwecke zu spenden. „Ich nahm das Geld, und es war eine Menge, und legte es in einen unwiderruflichen Treuhandfonds an. Ich habe es verschiedenen gemeinnützigen Organisationen der Gay-Szene gespendet, und mit den Zinsen hat es ein paar Jahrzehnte gereicht. Keine Ahnung, ob das mein Gewissen beruhigt hat. Aber zumindest hat das Geld etwas Gutes bewirkt.“ Sowohl damals wie auch in den Jahren danach hatte Pacino sein Engagement für die Community verschwiegen – er habe nicht gewollt, dass seine Spende wie ein Publicity-Gag aussehe, so Pacino weiter. 

Zweideutig und hart – noch heute 

Regisseur Friedkin hatte zuletzt ebenso betont: „Ich hatte nie die Absicht, dass Cruising schwulenfeindlich sein sollte. Ich dachte nur, dass die S&M-Welt eine gute Kulisse für einen Krimi wäre, aber ich wollte in keiner Weise den schwulen Lebensstil verzerrt darstellen. Mir war damals allerdings durchaus klar, dass Menschen, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzen, ein so hartes Bild nicht zu schätzen wissen würden. Er ist immer noch sehr hart, sehr scharfkantig und zweideutig.“ Einmal im Kino, beeindruckte der Film weder Kritiker noch das Publikum und wurde zu einem mäßigen Erfolg an der Kinokasse. 

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“WDRComing-Out-Days: Queeres Leben auf dem LandAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Katy Bähm verkündet Ehe-Aus

Trennung nach 14 Jahren Liebe

Dragqueen Katy Bähm gibt nach 14 gemeinsamen Jahren die Trennung von Ehemann Francis bekannt. Prominente reagieren mit Mitgefühl.
Abschied nach 52 Jahren

Peter Urban beendet NDR-2-Show

Peter Urban hat seine letzte NDR-2-Show moderiert. Nach 52 Jahren und fünf Monaten geht die ESC-Legende auf eigenen Wunsch. Was nun folgt.
17 Jahre ohne „Steo“

Stephen Gately bleibt unvergessen

Zum 17. Todestag erinnern wir an Stephen Gately: seine Stimme bei Boyzone, sein Coming-out und ein Leben, das weit über Pop hinaus wirkte.
Kramers Duschgeheimnis

Unterwäsche statt nackter Haut

Bei Barbara Schöneberger verrät Christoph Kramer, wie sich die Fußballduschen verändert haben. Nach seiner Aussage duschen heute 80 Prozent der Fußballer mit Boxershorts.
Bond-Star am Tresen

Ein Pub mit Geist und Geschichte

Daniel Craig steigt beim Horseshoe in London ein. Drei Gastronomieprofis sind dabei – und der Bond-Star bringt eigene Pub-Erfahrung mit.
Peter Illmann blickt zurück

Nach dem Outing erleichtert

Peter Illmann wollte keine Coming-out-Schlagzeile. Rückblickend fühlte sich der Kultmoderator dennoch erleichtert – und spricht über die Hintergründe.
Michael Johnstons Kampf

„Schwule kommen in die Hölle“

Der schwule Schauspieler Michael Johnston wuchs mit der Angst vor der Hölle auf. Erst Jahre später konnte er seine Homosexualität akzeptieren.
Greg Louganis und die Liebe

Single mit 66: Und was jetzt?

Der schwule Olympiasieger Greg Louganis spricht mit 66 Jahren über die Partnersuche, feste Gewohnheiten und die Freiheit eines Lebens als Single.