Queeres Leben in Pfaffenhofen Viel Herzblut und Engagement für die queere Community
Seit 2020 gibt es in Oberbayern Queer Pfaffenhofen, 2023 erfolgte die Vereinsgründung. Das engagierte Team setzt sich dabei mit viel Begeisterung für mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz ein. SCHWULISSIMO traf sich zum Gespräch mit Chef Norbert März.
Norbert, magst Du uns zu Beginn etwas über euch und den Verein erzählen?
Gegründet wurde der Verein von einer Gruppe queerer Menschen, die gemerkt haben, dass es im Landkreis kaum feste Anlaufstellen oder Austauschmöglichkeiten für die Community gibt. Seitdem haben wir uns stetig weiterentwickelt und inzwischen ein vielfältiges Programm auf die Beine gestellt, das sowohl Freizeitangebote als auch Bildungsarbeit umfasst. Unser Fokus liegt darauf, queere Menschen sichtbar zu machen und den gegenseitigen Austausch zu fördern. Unser Schwerpunkt liegt vor allem auf Begegnung, Vernetzung und Aufklärung. Wir wollen Räume schaffen, in denen sich queere Menschen sicher fühlen und ihre Erfahrungen teilen können. Gleichzeitig wollen wir Vorurteile abbauen, indem wir auch die breite Öffentlichkeit mit unseren Projekten erreichen.
Ihr bietet queeren Menschen ein vielfältiges Angebot – was sind deine Highlights?
Jedes unserer Angebote hat seinen eigenen Reiz. Besonders beliebt sind unser Queer-Treff und die CineQueer-Abende. Beim Queer-Treff geht es locker und zwanglos um Austausch, während CineQueer Filme und Diskussionen bietet, die oft tiefere Themen beleuchten. Generell merken wir, dass nicht nur unsere Community diese Angebote sehr schätzt, sondern auch viele andere – die Resonanz ist durchwegs positiv und viele Menschen kommen regelmäßig wieder. Ein absolutes Highlight ist natürlich unser jährlicher CSD Pfaffenhofen, den es dieses Jahr zum dritten Mal gibt. Hier treffen sich Menschen jedes Alters, jeder sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität. Es ist ein schönes Miteinander, ohne (bisher) negative Erlebnisse. Unser buntes und vielfältiges Bühnenprogramm zeigt auch Heteros unsere Kultur und Kunst.
Wie sieht es im ländlichen Raum mit dem Thema Queerfeindlichkeit aus?
Es stimmt, dass in ländlicheren Gegenden Vorurteile stärker präsent sind. Im Landkreis Pfaffenhofen erleben wir aber auch viel Offenheit und Unterstützung. Ich selbst lebe offen in einer polyamoren Dreierbeziehung und wir erfahren auch hier Akzeptanz. Die Realität ist also gemischt: Es gibt Menschen, die sehr tolerant sind, und andere, die leider noch Vorurteile haben. Für uns heißt das, dass unsere Arbeit nach wie vor wichtig ist, um Aufklärung zu leisten und sichere Räume zu schaffen. Leider kommt es immer wieder mal vor, dass auch ein dummer Spruch fällt. Aber davon lassen wir uns nicht unterkriegen. Vorurteile zeigen uns, wie wichtig es ist, über Vielfalt und Individualität aufzuklären.
Wie sicher fühlt ihr euch in Pfaffenhofen?
Glücklicherweise hatten wir bisher keine direkten gewalttätigen Übergriffe im Landkreis, aber die steigenden Zahlen in Bayern machen natürlich auch uns vorsichtig. Wir fühlen uns hier insgesamt sicher, aber es ist immer wichtig, aufmerksam zu sein und Netzwerke zu haben, die im Ernstfall unterstützen.
Wie blickst Du auf den angekündigten bayerischen Aktionsplan?
Es ist frustrierend, dass viele Ankündigungen bislang nicht umgesetzt wurden. Wir sehen, dass es weiterhin Lücken in der politischen Unterstützung gibt. Dennoch halten wir an unserer Arbeit fest und nutzen die Versprechen als Argument, um mehr Druck für konkrete Maßnahmen zu machen.
Was wünscht Ihr euch von der Stadt- und Landespolitik?
Wir wünschen uns mehr sichtbare Unterstützung, finanzielle Förderung für Projekte und Programme sowie eine konsequente Umsetzung des Aktionsplans. Gerade im Bildungsbereich und bei öffentlichen Einrichtungen sollte mehr Sensibilität und Aufklärung stattfinden.
Mit welchen Ängsten oder Hoffnungen kommen denn queere Menschen zu euch?
Jugendliche suchen oft nach Orientierung, Akzeptanz und einem sicheren Umfeld. Viele fürchten Diskriminierung in der Schule oder Familie, wünschen sich aber Anerkennung und ein Gefühl von Zugehörigkeit. Erwachsene kommen häufig mit dem Wunsch nach Vernetzung oder um Erfahrungen auszutauschen – Hoffnung auf mehr gesellschaftliche Akzeptanz ist dabei ein zentrales Thema.
Ein Kernziel von eurem Verein ist es, Sichtbarkeit zu stärken. Hast Du in puncto Sichtbarkeit positive Erfahrungen gemacht?
Ja, die Resonanz auf unsere Veranstaltungen ist oft sehr positiv. Viele Menschen bedanken sich für die Sichtbarkeit, die wir schaffen, weil sie selbst noch nicht offen leben können oder wollen. Sichtbarkeit ist uns wichtig, weil sie zeigt: Queere Menschen gehören dazu, und Vielfalt ist normal – nicht etwas, wofür man sich verstecken sollte.
Warum ist es für dich als schwuler Mann schön, im Landkreis zu wohnen?
Pfaffenhofen bietet eine gute Mischung aus ländlicher Ruhe und enger Gemeinschaft. Viele Menschen hier sind offen und freundlich, und es gibt mittlerweile eine kleine, aber starke queere Szene. Ich schätze vor allem die Nähe zur Natur und gleichzeitig die Möglichkeit, Teil einer unterstützenden Community zu sein.
Wenn Ihr auf das neue Jahr blickt, worauf freut Ihr euch?
Wir freuen uns darauf, unser Programm weiter auszubauen, noch mehr Menschen zu erreichen und neue Kooperationen einzugehen. Wichtig ist uns auch, die Sichtbarkeit zu stärken und politische Aufmerksamkeit für unsere Themen zu erhöhen.
Was sagst Du Menschen, die jetzt gerne zu euch kommen wollen?
Ihr seid herzlich willkommen – egal, wo ihr gerade steht. Bei uns gibt es keine Erwartungen, nur Unterstützung und ein offenes Ohr. Es ist völlig in Ordnung, sich Zeit zu lassen, und wir respektieren jede persönliche Entscheidung. Unser Ziel ist, dass jede*r sich sicher und wohlfühlt.
Norbert, vielen Dank für das Gespräch.
Mehr unter: queer-pfaffenhofen.de