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Die Geschichte des Kondoms Vom Schutzmittel zur kulturellen Ikone zum neuen No-Go?

Von ms - 13.02.2026 - 16:00 Uhr
Die Geschichte des Kondoms
Foto: IMAGO / Zoonar
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Das Kondom, ein simples aber dennoch revolutionäres Produkt, hat sich im Laufe der Geschichte von einem grundlegenden Hilfsmittel zur Verhütung von Krankheiten und ungewollten Schwangerschaften zu einem symbolischen Schutzschild für die Gesundheit entwickelt – besonders für die schwule und queere Community. 

Vom Must-Have zum No-Go?

Doch während es noch vor wenigen Jahrzehnten in der Gesellschaft eine zentrale Rolle im Umgang mit HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) spielte, ist die Nutzung des Kondoms heute stark rückläufig, insbesondere unter der jüngeren Generation. Der Gummi wird in Zeiten der PrEP zum No-Go, so scheint es. Der Wandel der Bedeutung und Anwendung des Kondoms, von seinen frühen Ursprüngen bis in die Gegenwart, reflektiert dabei gesellschaftliche Veränderungen, medizinische Fortschritte und die Herausforderungen der Gesundheitsaufklärung.

Eine lange Erfolgsgeschichte

Die Geschichte des Kondoms reicht bis in die Antike zurück. Schon im alten Ägypten, Griechenland und Rom sowie in Japan verwendeten Menschen primitive Schutzmethoden. Diese frühen Versionen waren oft aus Tierdärmen oder Leinen gefertigt und dienten sowohl der Empfängnisverhütung als auch dem Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten. Doch das Kondom, wie wir es heute kennen, nahm seine moderne Form erst im 16. Jahrhundert an. Der italienische Arzt Gabrielle Falloppio (1523–1562) gilt als einer der ersten, der ein dokumentiertes Rezept für ein Kondom entwickelte, das aus Leinen bestand und als Schutz vor Syphilis dienen sollte. Syphilis war damals eine weit verbreitete und hochgefährliche Krankheit, die nicht nur körperliche Schäden verursachte, sondern auch gesellschaftliche Ächtung nach sich zog. Falloppios Entwurf wurde in seinen Schriften veröffentlicht, doch erst im 18. Jahrhundert, als die industrielle Revolution begann, nahm die Herstellung des Kondoms in größerem Maßstab Form an. 

Diese frühen Kondome waren oft noch aus Tierhaut oder Leinen gefertigt und mussten in kochendem Wasser desinfiziert werden. Übrigens, auch Frauenheld Giacomo Casanova soll bereits Kondome verwendet haben. Im 19. Jahrhundert begann man dann mit der Nutzung von Gummi, das in der Produktion von Kondomen revolutionäre Fortschritte ermöglichte. Mit der Erfindung des Vulkanisierens von Gummi durch Charles Goodyear im Jahr 1839 wurden Kondome für die breite Masse erschwinglicher und praktischer. Diese neuen Gummikondome waren langlebiger, flexibler und leichter zu handhaben als ihre Vorgänger.

Gamechanger HIV

Die größte Wendung in der Bedeutung des Kondoms kam jedoch in den 1980er Jahren, als die HIV/AIDS-Epidemie die Welt erschütterte. Die Vorstellung, dass HIV durch ungeschützten Sex übertragen werden konnte, führte zu einer raschen Veränderung der Sexualpraktiken und Gesundheitsorganisationen begannen, das Kondom als das wichtigste Schutzmittel im Kampf gegen HIV zu fördern. Aktivisten wie Larry Kramer und Organisationen wie ACT UP setzten sich vehement dafür ein, dass Kondome als die effektivste Methode zur HIV-Prävention in den Mittelpunkt gestellt wurden. Trotz der historischen Bedeutung des Kondoms in der HIV-Prävention hat sich die Nutzung im letzten Jahrzehnt verändert. J

üngere Generationen nutzen Kondome heute weniger häufig als früher. Der Fortschritt in der HIV-Behandlung, wie die Einführung von antiretroviralen Therapien (ART), hat die Lebenserwartung von HIV-positiven Menschen erheblich verbessert und das Virus zu einer chronischen Erkrankung gemacht. Die „Undetectable=Untransmittable“ -Kampagne, die besagt, dass HIV nicht übertragbar ist, wenn es mit ART erfolgreich unterdrückt wird, hat die Wahrnehmung von HIV als tödliche Krankheit zudem verändert. Doch der Rückgang der Kondomnutzung ist nicht nur auf medizinische Fortschritte zurückzuführen. 

Kultureller Wandel

Es gibt auch einen kulturellen Wandel. In der Wahrnehmung vieler junger homosexueller und queerer Menschen sind HIV und andere STIs weniger unmittelbar gefährlich, was zu einem Rückgang des Bewusstseins und der Nutzung von Kondomen geführt hat. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte zuletzt eindringlich vor der Kondommüdigkeit gerade unter jungen Menschen – laut einer Studie der WHO sank diese rapide ab, bei den Jungs nutzen nur noch knapp 60 Prozent das Kondom. Die genaue Ausgangslage unter Homosexuellen in Europa und Deutschland ist nicht eindeutig, quer durch die Bank zeigen aber auch hier die jüngsten Befragungen einen deutlichen Rückgang. Je nach Studie nutzen noch 30 bis 50 Prozent der schwulen Männer regelmäßig ein Kondom beim Sex, in den USA sind es etwa 40 Prozent der Schwulen. 

Mehr als sexueller Schutz

Die WHO forderte deswegen bereits 2024 von der europäischen Politik, sich verstärkt wieder für den Gebrauch von Kondomen einzusetzen. Insgesamt seien die Daten „bestürzend, aber nicht überraschend“, so WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Henri Kluge. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam auch Dr. Anthony Fauci, ein führender HIV-Forscher in den USA, gegenüber der New York Times: „Wir leben in einer Zeit, in der die Behandlung von HIV dazu geführt hat, dass viele Menschen denken, HIV sei kein Problem mehr. Aber es gibt noch viele andere sexuell übertragbare Krankheiten, die durch Kondome geschützt werden können. Das Kondom bleibt eine der besten Schutzmaßnahmen, die wir haben.“ 

Dazu kommt: Die Bedeutung des Kondoms geht über die rein medizinische Funktion hinaus und ist eng mit der Geschichte der homosexuellen Community verbunden. „Das Kondom hat die queere Community im Kampf gegen HIV zusammengebracht und hat uns geholfen, in einer Zeit der Angst und des Stigmas zu überleben“, so HIV-Präventionsforscher David Evans. „Es hat uns auch gelehrt, dass unser Körper und unsere Gesundheit wichtig sind, und dass wir das Recht haben, uns selbst zu schützen.“ Das Kondom war und ist bis heute so auch ein politisches Instrument für sexuelle Selbstermächtigung und kein „Relikt der Geschichte“ – am Valentinstag, dem 14. Februar, feiern wir daher auch offiziell den Tag des Kondoms. Vielleicht die perfekte Idee, beide Feiertage zusammenzubringen? 

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