Direkt zum Inhalt

"Sextette" wiederentdeckt Mae Wests letzter Film wird zum queeren Camp-Klassiker

Von kw - 01.06.2026 - 20:00 Uhr
Mae Wests letzter Film wird zum queeren Camp-Klassiker
Foto: © imdb.com
ANZEIGE
Loading audio player...

Mae West, eine Ikone der Filmlandschaft, liefert mit "Sextette" ihre letzte und wohl extravaganteste Kinorolle ab – ein Film, der heute als Paradebeispiel des queeren Camp-Kinos neu bewertet wird. Die 1978 unter der Regie von Ken Hughes erschienene Musicalkomödie inszeniert West als Marlo Manners, deren Hochzeit zu einer absurd-komischen Odyssee in einem Londoner Luxushotel gerät. In einer Zeit, in der schwul-lesbische Sichtbarkeit in Hollywood noch selten war, inszenierte West ihre Kunstfigur als selbstbewusste, queere Projektionsfläche – und machte Sextette zum Kultfavoriten der LGBTIQ+-Gemeinde. Die Zeile „Is that a pistol in your pocket or are you just glad to see me?“ ist zu einer wiedererkennbaren Referenz in der Popkultur avanciert.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Sextette wurde 1978 veröffentlicht und ist Mae Wests letzter Kinofilm.
  • Die Besetzung umfasst prominente Gäste wie Timothy Dalton, Tony Curtis, Ringo Starr, Alice Cooper und Regis Philbin.
  • Die Kostüme wurden von der achtfachen Oscarpreisträgerin Edith Head entworfen.
  • Der Film blieb an den Kinokassen erfolglos, wurde aber später von queeren Communities als Camp-Klassiker gefeiert.

 

Wests Glanzleistung im Zentrum

Alles in Sextette ist darauf ausgerichtet, Wests exzentrische Bühnenpräsenz zu akzentuieren. Sie spielt einen Filmstar, der wie sie selbst von Presse, Fans und früheren Ehemännern belagert wird – und doch unermüdlich im Mittelpunkt bleibt. Die Handlung pulsiert zwischen pompösen Musicalnummern und einem Gewirr von Slapstick-Szenen, die West mit charmant zweideutigen Kommentaren beherrscht. Ihre Zeile „Is that a pistol in your pocket or are you just glad to see me?“ ist zu einer wiedererkennbaren Referenz in der Popkultur avanciert.

 

Queeres Erbe und Ästhetik des Camp

Mae West und der queere Kanon sind eng verwoben: Besonders in Szenen, in denen West mit einer Gruppe attraktiver Sportler auf Tuchfühlung geht, offenbart sich der hemmungslose Camp-Charakter des Films. Das Team von Choreografinnen, die detailverliebte Ausstattung und Edith Heads Feder-Kreationen formen ein überbordendes ästhetisches Spektakel. Unübersehbar ist hierbei der Einfluss auf die spätere Drag- und Popkultur, etwa indem Wests Selbstinszenierung und Wortwitz zu Vorbildern für queere Künstlerinnen und Künstler wurden. Zeitgenössische Kritikerinnen und Kritiker verrissen den Film zunächst, heute jedoch feiert die queere Community Sextette für seine radikale Überaffirmation des Künstlichen, Schwülstigen und Unangepassten.

 

Hintergründe zur Produktion

Das Drehbuch fußt auf Wests eigenem Bühnenstück, das die 85-jährige Künstlerin in ihrer letzten Filmrolle zum Leben erweckt. Neben West glänzen Gaststars wie Tony Curtis, der einen russischen Adeligen verkörpert, und Musiklegenden wie Ringo Starr und Alice Cooper. Sowohl die Produktion selbst als auch die öffentliche Rezeption spiegelten die damaligen Spannungen zwischen altem Hollywood und einer sich emanzipierenden Subkultur wider.

 

Ausblick: Renaissance eines Camp-Klassikers

Obwohl Sextette seinerzeit floppte, ist heute eine Neubewertung zu beobachten. Streamingdienste ermöglichen einem neuen Publikum den Zugang zu diesem queeren Kultstück. In einer Ära digitaler Retromanie liegt im exzessiven Übermaß und ironischer Selbstbezüglichkeit von Wests Leinwandabschied eine neu gewonnene Faszination.

Selten hat eine Künstlerin ihre Leinwandpräsenz so selbstbewusst für die Sichtbarkeit einer ganzen Szene genutzt. Sextette ist ein plüschiges, glänzendes Manifest, das allen Ernst des Lebens charmant durch den Kakao zieht – Pflichtprogramm für jede Cineastin und jeden Cineasten mit Sinn für Subversion und Stil.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

FalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenSüddeutsche ZeitungReform: Ungarn ändert umstrittenes Anti-LGBTQ-GesetzAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Drama/Thriller

The Social Reckoning

Whistleblowerin Frances enthüllt brisante Facebook-Dokumente und legt sich mit dem mächtigen Konzern an – ein Kampf um Wahrheit und Verantwortung.
Thriller

Verity – Dunkle Geheimnisse

Als Lowen die Bücher von Bestsellerautorin Verity vollenden soll, stößt sie auf dunkle Geheimnisse und ein gefährliches Spiel aus Begehren und Lügen.
Drama/Thriller

Corpus Delicti

In „Corpus Delicti“ stellt Mia ein System infrage, das Gesundheit über Freiheit stellt – und bringt sich bei der Suche nach Wahrheit selbst in Gefahr.
Thriller

Primetime

"Primetime" mit Robert Pattinson in der Hauptrolle: Ein Medienthriller über Macht und Sensationsgier.
Fantasy/Komödie

Practical Magic 2

Ein uralter Liebesfluch bedroht die Owens-Familie erneut. Nicole Kidman und Sandra Bullock kämpfen gegen dunkle Mächte.
Drama/Action

The Uprising – Für die Freiheit

England 1381: Ein Bauer führt den Aufstand gegen Krone und Unterdrückung an – ein packendes Historienepos über Freiheit und Gerechtigkeit.
Queerer Schauspieler und Ikone

Fans feiern die Szene

Lee Pace, 47-jähriger Schauspieler und queere Ikone, begeistert erneut das Internet: Im Trailer zu „Practical Magic 2“ zeigt er sich nackt.
August Diehl als Klaus Mann

Sandra Hüller spielt Erika Mann

Mit „Vaterland“ feierte der neue Film von Regisseur Paweł Pawlikowski seinen deutschen Kinostart und sorgt für Diskussionen in der queeren Szene,
Nach Hit "Die Odyssee"

Konservative kritisieren Besetzung

Nach dem internationalen Kinoerfolg von „Die Odyssee“ wartet der kanadische trans' Schauspieler Elliot Page Stand weiter auf neue Rollenangebote.