Sebastián Lelio ist im Alter von 52 Jahren gestorben. Die Familie des chilenischen Regisseurs machte die Nachricht am 6. November öffentlich. Eine nähere Todesursache wurde nicht genannt. Mit „Eine fantastische Frau“ und „Ungehorsam“ schuf Lelio zwei international beachtete Filme des queeren Kinos.
In „Eine fantastische Frau“ spielt Daniela Vega die trans* Frau Marina, deren Partner plötzlich stirbt. Neben ihrer Trauer muss sie die Zurückweisung durch dessen Familie und die Eingriffe anderer Menschen in ihr Leben bewältigen. Der Film von 2017 gewann 2018 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.
Liebe gegen religiöse Erwartungen
Ebenfalls 2017 erschien „Ungehorsam“, international als „Disobedience“ bekannt. Rachel Weisz und Rachel McAdams spielen zwei Frauen, deren Beziehung mit den Regeln einer orthodox-jüdischen Gemeinschaft kollidiert. Erneut erzählt Lelio von einer Figur, die über Nähe und ihr eigenes Leben entscheiden möchte, während ihr Umfeld Grenzen setzt.
Die beiden Filme unterscheiden sich in Milieu und Geschichte. Gemeinsam ist ihnen, dass ihre Hauptfiguren nicht bei der Rolle bleiben, die andere für sie vorgesehen haben. Lelio rückt ihr Begehren, ihre Trauer und ihre Entscheidungen ins Zentrum, statt sie ausschließlich über Ablehnung von außen zu definieren.
Von „Gloria“ zu internationalen Produktionen
Lelio wurde 1974 im argentinischen Mendoza geboren und wuchs in Chile auf. Internationale Aufmerksamkeit erhielt er 2013 mit „Gloria“. Hauptdarstellerin Paulina García wurde bei der Berlinale für die Rolle mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Später drehte er mit Julianne Moore „Gloria Bell“ und mit Florence Pugh „The Wonder“. Zuletzt arbeitete er nach den veröffentlichten Berichten an einer Verfilmung von Alejandro Zambras „Chilean Poet“. Über die Zukunft des Projekts nach seinem Tod liegen noch keine gesicherten Angaben vor.
Die Familie bittet um Rücksicht
In ihrer Mitteilung würdigten die Angehörigen Lelios Beitrag zur chilenischen Kultur und baten um Privatsphäre. Sie verwiesen auf gesundheitliche Komplikationen, ohne diese weiter zu erläutern. Eine darüber hinausgehende Erklärung für seinen Tod ist nicht belegt.
Lelios Werke bleiben Teil einer Filmgeschichte, in der queere Figuren zunehmend eigene Perspektiven erhalten. Einen weiteren Blick auf diese Entwicklung bietet der Beitrag über Berlinale und Teddy als Bühnen des queeren Kinos.
Bildnachweis: Martin Kraft, Sebastián Lelio bei der Berlinale 2017, CC BY-SA 3.0. Verwendet wird der auf Wikimedia Commons veröffentlichte Porträtausschnitt.