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Film brach mit Rollenbild „Sylvia Scarlett“ gilt als queerer Hollywood-Meilenstein

Von kw - 29.06.2026 - 19:30 Uhr
„Sylvia Scarlett“ gilt als queerer Hollywood-Meilenstein
Foto: © IMAGO / ZUMA Press Wire
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Cary Grant und Katharine Hepburn wagten 1935 im Film „Sylvia Scarlett“ unter der Regie von George Cukor ein bis heute ungewöhnliches Experiment: Hollywoodgrößen loteten Geschlechterrollen auf der Leinwand radikaler aus als es das Studio-System der damaligen Zeit erlauben wollte – mit Konsequenzen für ihre Karrieren und das Genre. Ihr Spiel mit Identitäten und Chemie gilt heute als Schlüsselmoment der queeren Filmgeschichte.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • „Sylvia Scarlett“ wurde 1935 uraufgeführt und von George Cukor inszeniert.
  • Katharine Hepburn spielt eine Frau, die sich aus Not als Mann namens Sylvester tarnt.
  • Der Film war ein finanzieller Misserfolg und schadete Hepburns Ruf in Hollywood.
  • Cary Grant und Hepburn bildeten erstmals ein Leinwandpaar und wirkten noch dreimal gemeinsam unter Cukor.
  • Das Werk enthält frühe, für Hollywood rare queere Subtexte und Gender-Performances.

 

Experiment auf mehreren Ebenen

Die Handlung von „Sylvia Scarlett“ beginnt in Paris: Nach dem Tod ihrer Mutter sieht sich Sylvia, dargestellt von Katharine Hepburn, zur Flucht gezwungen, weil ihr Vater wegen Schulden das Land verlassen muss. Um nicht aufzufallen, schneidet sie sich die Haare ab, verkleidet sich als junger Mann – und betritt als Sylvester die Welt. Hier mischt sich das Spiel mit dem Geschlecht auf ungewohnt offene Weise in die Screwball-Komödie, eine Seltenheit im prüden Hollywood jener Jahre.

Cary Grant, als gewiefter Trickbetrüger Jimmy Monkley, trifft auf die beiden und sorgt dafür, dass das ungleiche Trio Schwindeleien und kleine Gaunereien begeht. Während sich die Geschichte immer weiter verheddert, bleibt Hepburn größtenteils in Männerkleidung – auch als die Tarnung längst aufgeflogen ist. Besonders bemerkenswert: In einer zentralen Szene küsst eine andere Frau den vermeintlichen „Sylvester“ mit sichtbarer Leidenschaft – eine filmische Tabuverletzung, bevor der Production Code in den USA queere Andeutungen massiv einschränkte.

 

Queere Chemie, begleitet vom Skandal

Hepburn und Grant brillierten als Duo mit einer elektrisierenden Leinwandpräsenz. Ihr Zusammenspiel markierte den Beginn einer der spannendsten Star-Paarungen des alten Hollywood, später verfeinert in Werken wie „Bringing Up Baby“ und „Holiday“. Doch während Grant dem Glamour nie entwuchs, drohte Hepburn der Absturz: Nach dem Flop von „Sylvia Scarlett“ wurde sie von der Presse als „Box Office Poison“ gebrandmarkt. Erst Jahre später feierte sie ihre Rückkehr.

Regisseur George Cukor, offen schwul im privaten Umfeld, bereitete im Studio klug den Boden für Spielarten von Geschlecht und Anziehung, die lange nachhallen sollten. Trotz aller Brüche mit Konventionen landete der Film bei Publikum und Kritik durch – auch, weil die Identitäten der Figuren nie eindeutig aufgelöst wurden.

„Es ist diese Unbestimmtheit, die ‘Sylvia Scarlett’ noch Jahrzehnte später relevant macht“, urteilt die Filmhistorikerin Jeanine Basinger. „Das Spiel mit Maskerade, Gender und Begehren wirkt heute stärker als noch zu seiner Entstehungszeit.“

 

Hintergrund und offene Fragen

Katharine Hepburn, die bis heute mit vier Oscars Rekordhalterin ist, wurde später zur feministischen Ikone. Auch Cary Grant wurde mit seinem Partner Randolph Scott Ziel von Spekulationen über seine sexuelle Identität. Für beide bleibt „Sylvia Scarlett“ eine mutige Etappe, deren Risiko sich erst mit Abstand als bahnbrechend erweist. George Cukor etablierte sich in Folge als Meister der Screwball-Komödie und als Regisseur, der queere Subtexte leise, aber beständig pflegte.

Von einem kommerziellen Misserfolg zum queeren Kult: „Sylvia Scarlett“ bleibt ein Paradebeispiel für Hollywoods versteckte Experimente mit Gender und Chemie. Das Werk wirft bis heute die Frage auf, warum Filmgeschichte oft den Unterschied zwischen Skandal und Vision erst viele Jahre später erkennt.

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