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Wie habt ihr euch kennen gelernt // © svetikd

SCHWULISSIMO Umfrage Wann, wo, wie habt ihr euch kennengelernt

vvg - 04.10.2019 - 15:30 Uhr
Dirk & Dennis // © vvg

Dirk: Ich wollte auf Gran Canaria einen Urlaub mit „Sex, Drugs und Alkohol“ verbringen und eigentlich nur Spaß haben, doch es kam anders: Am 15. Mai 1994 - vor 25 Jahren - sah ich Denis in der Bar "Hummel Hummel", habe ihm ein Getränk ausgegeben, wir haben uns nett unterhalten und der Rest ist Geschichte. Denis hat sofort positiv reagiert: Es begann mit Flirten per Augenkontakt, dann über ein Aufeinanderzugehen; Ansprechen und einen Drink, vollkommen anders, als es die heutige Jugend macht. Damals gab es das langweilige Anmachen über Computer noch nicht; allerdings finde ich diese Art Kontakt aufzubauen auch traurig. Die Jugend hat keine Ahnung, dass der persönliche Weg viel aufregender und interessanter ist. Erstaunlicherweise waren wir beide Single. Und was auch sehr ungewöhnlich ist: dass wir beide seit 25 Jahren treu sind. Ich wohnte damals in Meinerzhagen im Sauerland, Denis lebte da ein Jahr in Paris, danach zwölf Jahre in Brüssel. Schon ab dem ersten Wochenende nach dem Urlaub besuchten wir uns immer im

Wechsel: Meinerzhagen - Paris, danach Meinerzhagen - Brüssel. Erst vor elf Jahren zog ich zu ihm nach Brüssel. Heute haben wir unseren Lebensmittelpunkt erneut verändert: wir leben ein halbes Jahr in Frankfurt, die andere Hälfte - in den Wintermonaten - in Palm Spring; das liegt näher an Denis’ Heimat Texas. Im nächsten Jahr wollen wir übrigens in Palm Spring heiraten. Damals orakelten Freunde, unsere Beziehung würde nicht lange halten, schon durch die Entfernung. Wir haben ihnen das Gegenteil bewiesen, dafür sind die meisten Beziehungen dieser Freunde gescheitert. Wir genießen unsere Liebe mit Respekt, Vertrauen, vielen Gesprächen und noch mehr gemeinsamen Lachen.

Denis: The day when we stop laughing together, than our relationship is over.
Dirk und Denis, Frankfurt & Palm Spring

Joachim // © vvg

Ich habe meinen Freund vor 14 Jahren beim Frankfurter CSD kennen gelernt. Ich war mit meinem Buddy Tom dort, der zwar ein Date, aber keinen Ort dafür hatte. Ich schickte ihn aufs Hotel-Zimmer, was für mich schlecht war, denn jetzt wusste ich nicht, was ich in der Zeit machen sollte. Ich schlenderte an den Info-Ständen vorbei, sah ein Pornokino, ging hinein und traf dort meinen heutigen Partner. Mich faszinierte seine toll behaarte Brust, die mir durchs geöffnete Hemd auffiel. Wir grinsten und kamen in Kontakt. Irgendwann meldete sich Tom, mit dem ich im Kino verabredet war; wir wollten uns „Alles auf Zucker“ mit der kürzlich verstorbenen Hannelore Elsner ansehen. Also verabredete ich mich mit meiner neuen Bekanntschaft nach dem Kino vor der CSD-Bühne. nach dem Auftritt von Jimmy Somerville verbrachten wir unsere erste Nacht in einer Sauna. Uns war klar, dass wir uns wiedersehen. Schon eine Woche später kam er zu mir nach Duisburg. So ging das im Wechsel Duisburg - Frankfurt, bis er nach Essen zog, sodass wir räumlich näher zusammenrückten. Was wir später machen, ist unklar; heiraten wollte ich nie, das kann man alles notariell regeln. Wir leben den Alltag mit guten und schlechten Zeiten und können auch miteinander streiten. Wir führen keine offene Beziehung, sind aber auch nicht nur monogam. Wir legen Wert auf Ehrlichkeit: Wenn einer mal etwas mit einem anderen erlebt, soll er es vom Partner und nicht über Dritte erfahren. Viele Jugendliche wollen keine Beziehung, das liegt wohl am Anspruchdenken. In dem Moment, wo sich herauskristallisiert, dass der andere nicht perfekt ist, wird weiter gesucht. Dabei gibt es keinen perfekten Menschen, das haben die jungen Dinger nur noch nicht gecheckt.
Joachim aus Duisburg

Peter & Michael // © vvg

Wir sind seit 18 Jahren zusammen. Kennengelernt haben wir uns auf gay.de, einer Datingseite, wo man sein Profil eingab und Vorschläge bekam. Wir nahmen Kontakt auf, wollten aber ein Treffen, wo wir uns persönlich gegenüberstehen und nicht erst lange chatten. Wir haben uns in Düsseldorf vor dem "Wespennest" verabredet, denn Peter war zu aufgeregt. Übrigens: Den Kanaldeckel, auf dem Michael damals wartete, feiern wir heute noch.
Wir waren uns sofort sympathisch und stellten viele Gemeinsamkeiten fest. So waren wir beide verheiratet; Peter hat drei Söhne, die er alleine großzog, da die Mutter der Kinder verstarb, als die Jungs noch klein waren. („Meine ersten sexuellen Fantasien mit Männern habe ich beim Sex mit meiner Frau gehabt!“) Michael hat zwei Töchter. Unsere Kinder bezeichnen sich von Anfang an als Geschwister. Weihnachtsfeste und Geburtstage sind Familienfeste, inklusive Michaels Exfrau, deren Lover und in Kürze mit dem siebten Enkelkind. Wir sind glücklich und hoffen, dass wir noch viele schöne Jahre mit unserer Familie verbringen.
Die Jugend heute - und das erschreckt uns - macht irgendwie einen Schritt zurück. Wir haben doch so viele Freiheiten erkämpft, und die gehen wieder zurück und verstecken sich hinterm Schrank. Auf CSDs machen sie auf große Hose und im Privaten halten sie sich zurück. Schuld daran ist die wieder prüder gewordene Gesellschaft. Wir wohnen seit über 15 Jahren zusammen und haben keine Schwierigkeiten, selbst wenn wir händchenhaltend durch unsere Stadt gehen. Die Wuppertaler haben eine ignorante Toleranz; wenn sie etwas stört, schauen sie weg. Wuppertal ist extrem bunt, da kommt selbst Köln nicht mit; was wohl daran liegt, dass wir keine sozialen Ghettos kennen - dadurch fällt viel Neid weg.
Peter & Michael aus Wuppertal

Robert & Tom // © vvg

Wir haben uns völlig unbeabsichtigt vor neun Jahren beim Duisburger Karneval kennen gelernt. Nach dem Umzug waren wir beide in der Szenekneipe „Harlekin“ zum Feiern. Tom tanzte zunächst mit einer Freundin und wurde praktisch von Robert abgeklatscht. Wir waren zwar ungebunden und frei, allerdings hatte Tom nicht die Absicht, irgendetwas in Richtung Beziehung zu gestalten. Eigentlich wollte er sich austoben, aber es kommt ja immer anders, als man denkt. Dabei hatte Robert ihn schon beim Telefonieren beobachtet, als er kurz vor der Tür telefonierte und zu seinem Kumpel gesagt: „Das ist der Mann, den ich später mal heiraten werde!“. Wir haben uns unterhalten, wild rumgeknutscht und uns war beiden unausgesprochen klar, dass wir uns wiedersehen werden. Zwei Tage später haben wir uns in einem diskreteren Raum verabredet, seitdem sind wir zusammen.
Wir haben uns also auf die schöne alte klassische Art kennen gelernt. Wir finden, dass man sich doch persönlich kennen lernen, einem Menschen in die Augen schauen und dessne Mimik und Gestik erleben muss. Im Chat hat man meist gesichtslose Menschen vor sich; oder gefakte Portraits; die ganz anders aussehen, wenn man sie persönlich trifft. Heute leiden viele Jugendliche unter Verarmung an persönlichen Kontakten und an Begegnungsqualität, weil die Kontakte nur im Netz stattfinden. Man muss doch schauen, wie jemand tickt und welche Werte und Normorientierung jemand hat.
Verheiratet sind wir übrigens immer noch nicht. Wir wollen aber zusammen bleiben und planen für unsere Zukunft ein eher kleinbürgerliches Häuschen mit Garten, wo wir uns um unsere Vögel kümmern können, das sind quasi unsere Kinder. Wir sind sogar im Vogel-Tierschutzverein und in unserem Umfeld weiß jeder, dass wir gut zu Vögeln sind!
Robert & Tom aus Duisburg

Maik Michael & Thomas // © vvg

MM: Wir haben uns im September 2008 kennengelernt. Ich habe auf den blauen Seiten ein Profilbild gesehen, welches mich sehr ansprach. Da es aber nicht der Profilbesitzer selbst war, sondern sein Freund, musste ich den Profilbesitzer kennenlernen. Der Zufall wollte es, dass die Beziehung nicht glücklich lief und so habe ich Thomas geholfen, aus dieser Beziehung herauszukommen.

T: Ich konnte MM ebenso helfen, zu erkennen, was er will, denn er war zum damaligen Zeitpunkt mit einer Frau verheiratet. Wir haben uns mehrfach getroffen, da MM auch Physiotherapeut war und meinem damaligen Freund bei Rückenproblemen helfen konnte. Wir haben gemeinsam Sport getrieben und hatten viele Gespräche, bis ich meinem untreuen Partner den Laufpass gab. Nach drei Jahren mit tollen Erlebnissen haben wir uns wieder getrennt, da Michael mit seiner Frau in eine andere Stadt gezogen ist und ich keine Teil-Zeit-Beziehung wollte. Ein halbes Jahr später trennte sich MM nach langjähriger Ehe und entschied sich für unsere gemeinsame Zukunft. Heute sind wir seit 2017 verheiratet.

MM: Meinen allerersten Mann habe ich zu DDR-Zeiten auf einer Party kennengelernt. Man hat schnell mitbekommen, ob einer schwul war oder nicht, hat es aber nicht in der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Hätte es das Internet eher gegeben, wäre dies schon immer eine Möglichkeit gewesen, einander kennenzulernen.

T: Aber natürlich fällt auch heute erst die Entscheidung, ob man sich verliebt, wenn man sich trifft und den Menschen hinter dem Profil kennenlernt.

MM: Ein Nachteil der digitalen Zeit ist, dass online viel gelogen und gefakt wird. Man(n) kommt sich stellenweise vor wie auf einem Fleischmarkt, wo jeder nur das scheinbar am besten aussehende Stück will, ohne daran zu denken, dass auf der anderen Seite ein Mensch steht.

Maik Michael und Thomas, lernten sich in Weimar kennen

 

Udo & Dirk // © vvg

Dirk: Unsere Begegnung war schon schicksalshaft: Wir haben uns am 26.01.1992 kennengelernt, und zwar auf der „Boot Düsseldorf“, der größten Bootsausstellung der Welt, da haben wir Schlauchboote verkauft. Ich hatte den Sohn von Hamburgs größtem Bootshändler mit dessen Freund im Urlaub auf Mykonos kennen gelernt. Da ich aus Düsseldorf kam, fragte er mich, ob ich mir vorstellen könnte, ihm bei der Boots-Messe am Stand zu helfen und zu verkaufen. Was ich auch zusagte.

Udo: Unabhängig davon hatte er auch mich gefragt. Ich wohnte damals noch in Hamm und kannte ihn über einen gemeinsamen Freund. Bei einem Besuch in Hamburg, fragte er auch mich, ob ich dabei sein könnte, da nicht genug Personal bereit stand. Wir waren uns dann auf Anhieb sympathisch, und haben uns gegenseitig bei der Arneit geholfen und unterstützt und kamen uns dadurch näher. Wir wollten uns aber zuerst richtig kennen lernen, so nach dem Spruch „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was besseres findet!"

Wir sind dann abends gemeinsam auch ausgegangen und unser zufälliges Aufeinandertreffen unserer gemeinsamen Aushilfs-Arbeit hat sich dann zu einer Liebe entwickelt. Als ich dann wieder zu Hause war, hatte Dirk mir auf den AB den Satz „Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt" gesagt; da wußte ich, dass ist der richtige mann für mich.

Dirk: Inzwischen wohnen wir beide in Düsseldorf. Nach unserer verpartnerung mit 300 Gästen haben wir im letzten November auch geheiratet.

Udo: Und die kasette von meinem AB besitze ich immer noch. Heute ist das Kennenlernen vielleicht einfacher, aber auch oberflächlicher. Man lernt schnell jemanden kennen, aber ob es dann auch funktioniert, stellt man dann doch erst nach dem persönlichen Treffen fest.

Udo & Dirk aus Düsseldorf

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