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Bachelor in Paradise Teilnehmer Rafi Rachek spricht über sein Outing

Rafi Rachek BiP-Star spricht über sein Outing

km - 29.11.2019 - 18:00 Uhr

„Ich wollte keiner dieser Männer werden, die Frau und Kind haben, aber insgeheim schwul sind“

Rafi Rachek hat in der vierten Folge von „Bachelor in Paradise“ sein emotionales Outing gehabt. SCHWULISSIMO spricht mit dem 29-jährigen, über den Moment, die Reaktionen, seine Message und seine Zukunft.

Wurdest du richtig in der Sendung dargestellt?
Also was heißt richtig, es ist ein sensibles Thema und es wurde dargestellt wie es war. Ich habe das vor Ort für mich entschieden und deswegen war ich so zurückhaltend, weil ich mit mir vor Ort gekämpft habe.

Wie waren danach die Reaktionen? Die Mädels sind ja gleich auf dich zu gegangen und haben dich bestärkt. Wie hat das Produktionsteam reagiert?
Sehr positiv. Die haben mich danach noch betreut, kamen zu mir ins Hotel, einfach um zu schauen wie es mir geht. Ich habe mich wohlgefühlt, da ich Leute um mich hatte, denen es wichtig war wie es mir geht. Es war eine Extremsituation für mich und die haben sich wirklich super um mich gekümmert.

Man hat gemerkt wie emotional es für dich war. Das hat auch sicher keinen von den Zuschauern kalt gelassen.
Es war wirklich extrem gewesen für mich. Ich habe tausend Fragen im Kopf: Wie reagieren die anderen? Finde ich überhaupt die richtigen Worte? Es war die krasseste Situation meines Lebens, den anderen zu erzählen, was los ist. Ich habe so viel Panik gehabt. So viel Angst, auch weil ich wusste, wie meine Familie reagieren wird.
Andererseits wusste ich, dass ich keiner von den Männern werden wollte, insbesondere Südländer, die Zuhause Frau und Kind haben, aber insgeheim schwul sind. Ich möchte Männern die Augen öffnen, es gibt so viele Südländer da draußen, die Angst haben wegen der Kultur und der Familie diesen Schritt zu wagen.

Rafi Rachek und sein emotionaler Schritt

In der Show sagtest du, dass es in deinem Kulturkreis den Tod bedeuten kann offen schwul zu sein. Lebst du jetzt in Angst?
Angst habe ich nicht, dass mir was angetan wird, aber enttäuscht bin ich schon. Zwei meiner Brüder haben den Kontakt abgebrochen und mich als pervers bezeichnen. Das ist sehr traurig, dass die Menschen, die für einen da sein sollten, einen dann verstoßen. Meine Mutter sagte, ich müsste geheilt werden.

Glaubst du das Verständnis in deiner Familie wird sich noch entwickeln?
Hoffnung habe ich schon, aber es wird sehr lange dauern bis sie es begreifen. Verstehen werden sie es vermutlich nie, aber ich hoffe das sie mich zumindest akzeptieren so wie ich bin. Homophobie ist leider noch ein sehr starkes Thema in Deutschland und man muss da immer wieder offen und öffentlich drüber reden. Wenn das Problem nämlich nicht so groß wäre, würden sich viel mehr Menschen trauen, diesen Schritt zu gehen und ein glückliches Leben zu führen.

Umso besser, dass du die große Plattform genutzt hast oder bereust du das?
Ich bereue es auf gar keinen Fall, denn ich merke an den Reaktionen der Zuschauer und der Menschen da draußen, wieviel positives Feedback ich bekomme. Ich werde fast täglich angeschrieben. Oft auch von Südländern, die mich um Rat fragen. Das ist auf der einen Seite ein wirklich schönes Gefühl. Auf der anderen Seite aber auch ein komisches Gefühl, weil ich mich dann frage, was ich denen sagen soll, weil es im Endeffekt eine Entscheidung ist, die jeder für sich treffen sollte.

Rafi bereut auf keinen Fall sein Outing

Bekommst du viele Hasskommentare auf den sozialen Netzwerken?
Meistens bekomme ich positives Feedback. Klar kommen zwischendurch auch Beleidigungen oder Sätze wie „Geh dich doch erhängen; bring dich doch um; Ich werde dich mit dem Auto überfahren.“ Negative Sachen kommen leider oft von Südländern.

Kannst du dir vorstellen nächstes Jahr bei „Prince Charming“ mitzumachen?
Also ich sage Mal so, wenn ich bis dahin Single sein sollte, kann ich mir schon gut vorstellen „Prince Charming“ zu sein, Kandidat eher nicht. Und nur wenn das auf RTL läuft.

Warum kein Kandidat?
Ich war jetzt schon bei zwei Shows als Kandidat und ich möchte nicht mehr irgendwo stehen und hoffen und betteln. Wenn dann will ich, wie in diesem Fall, die Krawatten verteilen.

Möchtest du noch etwas mit der Community teilen?
Steht zu euch, zu euren Gefühlen, zu eurer Sexualität. Wenn Eure Familie euch nicht so akzeptiert wie ihr seid, dann ist es letztendlich auch keine richtige Familie. Die Menschen, die euch lieben, schätzen und respektieren werden auch bei euch bleiben, egal, ob ihr schwul, bi- oder transsexuell, schwarz oder weiß seid, spielt dann keine Rolle.

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