Direkt zum Inhalt

Adel verpflichtet Fürstin Gloria ist empört: „Das Schlafzimmer hat nichts im öffentlichen Raum zu suchen.“

Von ms - 05.12.2022 - 15:00 Uhr
Adel verpflichtet
Foto: IMAGO / Future Image
ANZEIGE
Loading audio player...

Fast wiegte man sich in der Hoffnung, dass mit dem frühzeitigen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft auch einige andere Themen wieder in den medialen Blickpunkt rücken könnten – abseits der Frage um peinliche Solidaritätsbekundungen wie der One-Love-Binde vielleicht eine echte Aufarbeitung von Homophobie und Menschenverachtung in den bisherigen WM-Gastgeberländern oder die Frage, wie eine FIFA künftig agieren sollte oder muss. Nun meldete sich aber Gloria von Thurn und Taxis zu Wort, die einstmalige Party-Queen und mediale “Punk-Prinzessin“ hat vor Jahren zu ihrem tiefchristlichen Glauben gefunden und wettert seitdem ungebremst gegen Homosexuelle. Nun auch gegen die One-Love-Binde gegenüber Ex-BILD-Chefredakteur Julian Reichelt in seinem Online-Format “Achtung Reichelt!“.

Homosexualität… grotesk!

Mit sichtlich steigender Empörung und zuletzt stockenden Worten erklärte die Fürstin sichtlich angeekelt zu der Diskussion um die One-Love-Binde: „Also diese Armbinde, im Grunde will man hier aus einer Sünde eine Tugend machen, und das finde ich falsch. Religiöse Völker behandeln die Sexualität, die Homosexualität, diskret. Es gibt sie überall, sie wird überall gemacht, aber wie bei uns auch, das Fleisch ist willig, aber der Geist ist schwach. Aber warum muss das Schlafzimmer jetzt in die Politik getragen werden? Das ist doch nicht chic! Das macht man nicht! Das Schlafzimmer hat nichts im öffentlichen Raum zu suchen und wenn jemand heute dringend… es gibt doch heute diese ganzen Apps… ich verstehe gar nicht, warum man die Sexualität jetzt auch noch im Fußballclub ausleben muss… das war ja grotesk!“

In Katar wird dabei in der Tat Homosexualität nur, falls überhaupt, im Verborgenen ausgelebt – allerdings aufgrund von Gesetzen, die Homosexuelle nur aufgrund ihrer Sexualität zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilen. Die One-Love-Binde, die bewusst nicht in Regenbogenfarben gestaltet worden war, sollte ein unverbindliches Zeichen gegen Vielfalt sein – schlussendlich verbot die FIFA das Tragen der Kapitänsbinde, alle beteiligten europäischen Fußballclubs wie auch die deutsche Nationalmannschaft knickten ein.

Von Punk zu Prüderie

In ihren jungen Jahren galt von Thurn und Taxis als hippe moderne Frau und fiel weltweit mit ihrer Punk-Frisur auf – davon ist weder optisch noch inhaltlich offensichtlich viel übriggeblieben. Die 62-jährige Fürstin sieht sich seit Jahren immer mehr als Verfechterin des konservativen Katholizismus. Einst erklärte sie, AIDS verbreite sich in Afrika, weil der “Schwarze gerne schnackselt“, an anderer Stelle sprach sie sich immer wieder gegen das Recht auf Abtreibung aus. Dass die Kirche eine Mitschuld an den massiven Missbrauchsfällen habe beziehungsweise diese erst ermöglicht habe, bezeichnete sie als “totalen Schmarrn“, denn Missbrauch gäbe es überall.

Ein sexpositives Leben schade einer Gesellschaft, so die Fürstin weiter, die mit Blick auf die Corona-Pandemie auch erklärte, der Teufel sei die Ursache für alles und man könne in allem, was auf der Welt passiere, einen “Fingerzeig Gottes“ erkennen. Die Einführung der Homo-Ehe wertete sie als Angriff auf die klassische Familie und als Werk des Teufels. An anderer Stelle hatte sie zudem bekräftigt, dass Homosexualität gegen die Natur sei und Homosexuellen die Hölle drohe.

Anzeige

Auch Interessant

Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.
Schwere Vorwürfe gegen Graham

Drei schwule Sexarbeiter berichten

Drei Sexarbeiter behaupten in einer neuen Dokumentation, vom verstorbenen US-Senator Lindsey Graham für sexuelle Kontakte bezahlt worden zu sein.
Haiti verschiebt die Wahlen

Zehn Jahre ohne Urnengang

Haitis Wahlen werden erneut verschoben. LGBTIQ+-Aktivisten warnen vor wachsender Unsicherheit und einer politischen Krise ohne absehbares Ende.
Neue Vorwürfe in Turkmenistan

Psychiatrie wird zum Albtraum

Neue Berichte über Zwangseinweisungen und Misshandlungen zeigen die dramatische Lage homosexueller Menschen in Turkmenistan.
Gewalt gegenüber Asexuellen

Studie zeigt starke Diskriminierung

Ein neuer internationaler Bericht dokumentiert Gewalt und Diskriminierung gegen asexuelle Menschen und fordert besseren gesetzlichen Schutz.
Regenbogenfamilien im Fokus

Rund 300 Menschen feiern Vielfalt

Bei der Regenbogenfamilienkonferenz in Mannheim forderten LGBTIQ+-Familien mehr rechtliche Sicherheit, Unterstützung und gesellschaftliche Anerkennung
„Glee“-Stars kehren zurück

Diese Stars sind wieder dabei

Die Musicalserie „Glee“ bekommt eine Neuauflage bei Disney+ und Hulu. Die ersten Stars der Originalbesetzung haben jetzt ihre Rückkehr bestätigt.