Direkt zum Inhalt

Opfer in Münster außer Lebensgefahr? „Wenn unsere Community noch nicht einmal beim CSD sicher ist, zeigt das, wie sehr Hasskriminalität unsere Freiheit einschränkt.“

Von ms - 30.08.2022 - 10:45 Uhr
Opfer in Münster außer Lebensgefahr?
Foto: IMAGO / vmd-images
ANZEIGE
Loading audio player...

Widersprüchliche Aussagen im Fall Malte aus Münster: Nach Angaben der Polizei schwebt der 25-jährige junge trans-Mann Malte C. nicht mehr in Lebensgefahr, nachdem er am vergangenen Wochenende am Ende des CSDs in Münster auf dem Hafenplatz von einem nach wie vor unbekannten Täter angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden war. Der Verein “Trans-Inter-Münster“, bei dem Malte Mitglied ist, erklärte heute Mittag allerdings, dass der Zustand des jungen Mannes “weiterhin lebensbedrohlich“ sei. Inzwischen sind auch weitere Einzelheiten zu dem Tathergang bekannt – demnach habe der Angreifer zunächst eine Gruppe von lesbischen Pride-Teilnehmerinnen belästigt und sie wüst als “lesbische Huren“ beschimpft, die sich “verpissen“ sollen. Immer wieder drohte er den lesbischen Frauen dabei mit Gewalt, sodass sich schlussendlich Malte dem Mann entgegenstellte und ihn aufforderte, die Beleidigungen zu unterlassen.

Ohne Vorwarnung schlug der unbekannte Täter daraufhin zwei Mal dem trans-Mann mit der Faust direkt ins Gesicht, der bewusstlos zu Boden ging und mit dem Hinterkopf auf den Asphalt aufschlug. Nicht mehr ansprechbar, wurde Malte daraufhin in die Universitätsklinik gebracht und inzwischen mehrfach operiert – eine Gehirnblutung machte den Ärzten offensichtlich Sorgen, von Seiten der Selbsthilfegruppe “Trans-Inter-Münster“ war noch am Wochenende erklärt worden, dass der junge Mann so schwer verletzt worden sei, dass, wenn er überleben sollte, er mit hoher Wahrscheinlichkeit schwere Schäden davontragen werde. Die Nachricht, Malte sei außer Lebensgefahr, will der Verein nicht bestätigen. Der junge trans-Mann liege zudem nach wie vor im Koma.  

Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, erklärte indes via Twitter: "Transfeindliche Hetze führt zu transfeindlicher Gewalt". Der Eintrag sorgte vermehrt zu irritierten Reaktionen, da es sich nach aktuellem Erkenntnisstand ursprünglich um einen Angriff auf eine Gruppe lesbischer Frauen gehandelt haben soll und im Vorfeld auch keine transfeindliche Hetze stattgefunden hatte. Lehmann bekundete weiter, er hoffe, dass Malte die widerwärtige Tat übersteht und gesund wird. Zudem bekundete er, es sei wichtig, „diese Tat als queerfeindliche Tat einzustufen und lückenlos aufzuklären!“ Weitere Politiker anderer Parteien drückten ihr Entsetzen ob der gewalttätigen Tat aus. Arnulf Sensenbrenner aus dem Landesvorstand des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) in Nordrhein-Westfalen bekräftigte, dass es sich dabei um eine politisch motivierte Straftat handelt: „Wenn unsere Community noch nicht einmal beim Christopher-Street-Day sicher ist, zeigt das, wie sehr LSBTIQ*-feindliche Hasskriminalität unsere Freiheit einschränkt. Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, intergeschlechtliche, nicht-binäre und queere Menschen haben ein Grundrecht darauf, frei und sicher leben zu können. Es ist die Aufgabe des Staates, diese Grundfreiheiten zu garantieren und zu schützten. Sowohl im Bund als auch in Nordrhein-Westfalen brauchen wir ein engagiertes Zusammenwirken von Politik, Sicherheitsbehörden, Justiz und Zivilgesellschaft. Zwar fördert das Land NRW derzeit den Aufbau einer Meldestelle ´Queerfeindlichkeit´, jedoch brauchen wir deutlich mehr Maßnahmen, die vor allem auch in der Fläche wirken.“ Die Polizei fahndet inzwischen nach dem unbekannten Täter und bittet Zeugen, sich bei der Polizei Münster zu melden. Der Tatverdächtigte soll zwischen 1,70 und 1,80 Meter groß und 18 bis 20 Jahre alt gewesen sein. Er ist von schmächtiger Statur und war mit einer Jeans, einem T-Shirt und einem Anglerhut bekleidet. Er wurde von einem Freund mit ähnlichem Aussehen begleitet.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

Süddeutsche ZeitungUnderdox-Festival in München: Die letzten Filme vor dem TodMOPOErst bepöbelt, dann verprügelt: Schwules Paar nach Einheitsfest angegriffentazSchwuler Lehrer über Outing: „Als ob eine Bombe platzt“tazJubel, Trubel, Hassverbrechen: Weitgehend friedliche Einheitsfeier in BremenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Wo würdest du ein erstes Date am liebsten verbringen?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Mehr Schutz für Gewaltopfer

Neues Gesetz erleichtert Trennung

Opfer häuslicher Gewalt sollen sich leichter aus gemeinsamen Mietverträgen lösen können – davon profitieren auch schwule Männer.
Zwischenwahlen in den USA

Queere Gen Z setzt auf Werte

Für die LGBTIQ+-Generation Z in den USA zählen bei Kandidaten vor allem gemeinsame Werte – deutlich mehr als eine gemeinsame Identität.
Coming-Out im Fußball

Schiedsrichter erzählt Details

Schiedsrichter Ryan Atkin spricht öffentlich über sein Schwulsein – und erhält dafür die Unterstützung des englischen Fußballverbands.
James Baldwin im Kino

Neuer Film über schwulen Autor

Barack und Michelle Obamas Produktionsfirma bringt „Baldwin: A Love Story“ über James Baldwins Leben, Lieben und Werk ins Kino.
Schwule Liebe gewinnt Gold

Fernfahrer-Drama holt Filmpreis

Das schwule Liebesdrama „Flesh & Fuel“ gewinnt beim Zurich Film Festival das Goldene Auge und erhält rund 26.700 Euro Preisgeld.
Blackfacing sorgt für Empörung

LGBTIQ+-Bar zieht Konsequenzen

Ein Blackface-Auftritt in einer LGBTIQ+-Bar in Pittsburgh sorgt landesweit für Empörung und entfacht eine Debatte über Rassismus in der Drag-Szene.
Eklat in Oregon

Streit um LGBTIQ+-Vorgabe

Oregon gewährt einer christlichen Adoptionsbewerberin eine Ausnahme von einer Vorgabe zur Unterstützung der LGBTIQ+-Identität von Kindern.
Fauci für HIV-Arbeit geehrt

Auszeichnung für Anthony Fauci

Anthony Fauci wird für seinen jahrzehntelangen Einsatz gegen HIV/Aids und seine Zusammenarbeit mit der LGBTIQ+-Community ausgezeichnet.
Meta sperrt Mister Gay Europe

Pereira kämpft um seine Konten

Meta sperrte sämtliche Konten von Mister Gay Europe Michael Pereira. Trotz Bezahlabo erfährt der Schweizer nicht, warum.